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Wer zieht in die Dohnaische Straße?

Mehrere Läden in der Pirnaer Innenstadt sind ins Scheunenhofcenter umgezogen. Einige Geschäftsleute fürchten jetzt weniger Besucher.

Der Drogerie-Markt Rossmann ist von der Dohnaischen Straße ins neue Scheunenhofcenter gezogen.
Der Drogerie-Markt Rossmann ist von der Dohnaischen Straße ins neue Scheunenhofcenter gezogen. © Daniel Schäfer

Die Vitrinen in der Dohnaischen Straße 52 sind gut geputzt und stehen doch leer. Der Laden, in dem bis vor Kurzem Ernsting's family unter anderem Kleider, Hüte, Hosen, Röcke und Negligés verkaufte, ist ausgeräumt. Nur noch einige Kabel und Lampen hängen an der Decke. Auf dem großen Schaufenster klebt ein Zettel mit der Aufschrift: "Wir sind umgezogen - Besuchen Sie uns im Scheunenhof".

Viele fragen sich jetzt, wer zieht hier als Nachfolger ein.  Darauf kann Claudia Hohlfeld keine konkrete Antwort geben. "Wer nach Ernsting's family folgt, steht noch nicht fest. Aber wir sind offen für alles", betont die Besitzerin, die auch einen gastronomischen Betrieb nicht ausschließen möchte. Zeitnah will sie noch einen Aushang im Schaufenster befestigen. In dritter Generation gehört Familie Hohlfeld das große Wohn- und Geschäftshaus gleich am Eingang der Fußgängerzone. Bisher wurden in dem Geschäft unter anderem Schuhe sowie Textilien verkauft. Der Großvater von Claudia Hohlfeld führte bis 1968 am Standort einen Fahrradladen mit Werkstatt und war bekannt unter Fahrrad Müller. 

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Bis vor Kurzem verkaufte hier Ernsting's family unter anderem Kleider, Hosen und Röcke. Das Geschäft soll neu vermietet werden, sagt die Hausbesitzerin.
Bis vor Kurzem verkaufte hier Ernsting's family unter anderem Kleider, Hosen und Röcke. Das Geschäft soll neu vermietet werden, sagt die Hausbesitzerin. © Daniel Schäfer

Ebenfalls gähnende Leere herrscht im Erdgeschoss Dohnaische Straße 64 bis 66. Der  Rossmann-Drogeriemarkt ist ebenfalls ins Scheunenhofcenter gezogen. Gerüchte gingen herum, dass die Fielmann-Filiale, die sich schräg gegenüber befindet, hier einziehen wird. Doch das kann die Rossmann-Geschäftsführung nicht bestätigen. "Wir sind also nach wie vor daran interessiert, die Geschäftsräume zu vermieten", sagt Nadine Leineweber vom Sekretariat Unternehmenskommunikation der Dirk Rossmann GmbH. Das Haus in der Dohnaischen Straße gehört dem Unternehmen mit Sitz im niedersächsischen Burgwedel. 

Auch die Pluspunkt-Apotheke ist der Dohnaischen Straße nicht treu geblieben, sondern ins Scheunenhofcenter gezogen. Die Räumlichkeiten werden derzeit lautstark ausgeräumt und für ein neues Geschäft hergerichtet. Nach Information von Sächsische.de wurde ein Nachfolger bereits gefunden. Weitere Details sollen nach Abschluss des Mietvertrages bekannt gegeben werden.

Unternehmer werten die Entwicklung unterschiedlich

Tatsache ist, dass mit dem Auszug dieser drei Geschäfte die Dohnaische Straße nicht unbedingt attraktiver geworden ist. Denn die Apotheke, Rossmann sowie Ernsting's family waren stark frequentierte Läden, die zahlreiche Besucher in die Innenstadt lockten. Besonders die Apotheke und die Drogerie-Kette galten als sogenannte Ankermieter.

So sieht es auch Ursula Nitzschner, die in der Schuhgasse ein Modegeschäft besitzt. Sie persönlich findet es traurig, dass Edeka es nicht geschafft hat, fremde Geschäfte von außerhalb für das Scheunenhofcenter zu gewinnen, sondern lediglich Läden, die bereits in Pirna ansässig sind. "Das Center sollte eine Bereicherung für die Innenstadt werden, so ist es aber nur eine Verschiebung der Geschäfte", sagt die Unternehmerin. Der derzeitige Leerstand in der Dohnaischen Straße böte ein schlechtes Bild von Pirna. Überhaupt bezweifelt Nitzschner, dass die Läden schnell wieder neu vermietet werden, da es sich um größere Einheiten handele. "Ich habe Bauchschmerzen mit der Entwicklung", sagt sie offen. Eine andere Geschäftsinhaberin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, stimmt ihr zu. "Mit Rossmann und Ernsting's familiy sind wichtige Geschäfte weggezogen, die eindeutig Besuchermagneten waren. Diese Synergieeffekte fehlen jetzt."

Weniger Sorgen um die Entwicklung der Innenstadt macht sich hingegen Rinitta Benouaret, die als Angestellte in dem Teehandel in der Dohnaischen Straße arbeitet. "Wir haben seit dem Wegzug der drei großen Geschäfte keinen Umsatzeinbruch bemerkt. Und es soll ja bereits Anfragen von Nachmietern geben", sagt die Mitarbeiterin. Auch Leander Köllner, Besitzer eines Männermoden-Geschäftes in der Dohnaischen Straße, macht sich um den aktuellen Leerstand keine Sorgen. "Die Geschäfte haben eine Eins-a-Lage. Sie werden schnell wieder belegt sein", sagt er. Generell wertet der Unternehmer das Scheunenhofcenter nicht als Konkurrenz für die Pirnaer Innenstadt-Händler, sondern eher als eine Bereicherung. "Vorher war der Ort eine Ruine. Durch den Neubau hat sich das Stadtbild verschönert; und neue Parkplätze sind auch geschaffen worden, was Gäste in die Stadt zieht", erklärt Köllner.  

Pirna hat Potenzial

Auch Robert Böhme, Projektleiter Stadtentwicklung bei der Stadtentwicklungsgesellschaft Pirna, beobachtet die Entwicklung genau. "Es ist natürlich nie gut, wenn Ankermieter aus einer Gasse verschwinden. Vor allem nicht, wenn es gleich mehrere sind", stellt er fest. Die Dohnaische Straße habe jedoch das Potenzial, diesen Verlust zu kompensieren, denn es gebe noch weitere Anziehungspunkte und Gastronomie. 

Allerdings möchte Böhme den Blick auf die gesamte Innenstadt richten. Man stünde vor großen Herausforderungen.  In diesem Zusammenhang spricht er u.a. vom Fachkräftemangel, der Nachfolgerproblematik, dem Kaufverhalten und der Digitalisierung. Die Corona-Krise habe die Situation einmal mehr verschärft. Deshalb hat die Stadtentwicklung in den vergangenen Monaten einige Projekte umgesetzt, um Handel und Gastronomie zur unterstützen. So wurde beispielsweise das Kauf-in-Pirna-Lädchen in der Dohnaischen Straße eröffnet. Stadt, Stadtentwicklungsgesellschaft und Citymanagement arbeiteten zudem derzeit an einer gemeinsamen Strategie, wie ein Ansiedlungsmanagement installiert werden kann, sagt Böhme.

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Überhaupt warnt Böhme vor Schwarzseherei. "Wir profitieren vom Tourismus in der Region, haben eine große und sehr gute Gastroszene, abwechslungsreiche Kulturangebote und noch viele tolle Läden in der Stadt. Pirna hat das Potenzial und vor allem die Voraussetzungen, die zukünftigen Herausforderungen zu meistern", sagt der Projektleiter. 

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