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So retten sich Läden über die Corona-Zeit

Es darf geöffnet werden, aber es kommen weniger Kunden. Doch die Händler lassen sich etwas einfallen. Fünf Beispiele aus der Region.

Verkaufen an Modellbahner, die er nicht beraten kann, mag Ronny Sick zwar nicht. Jetzt ist das aber ein Muss.
Verkaufen an Modellbahner, die er nicht beraten kann, mag Ronny Sick zwar nicht. Jetzt ist das aber ein Muss. © Norbert Millauer

Einkaufen oder bestellen: Das ist die Frage. Die Geschäfte haben zwar offen, doch man soll Kontakte reduzieren. Also wird wieder öfter im Internet bestellt. Als im Frühjahrs-Lockdown auch die meisten Geschäfte schließen mussten, war das Online-Geschäft die Rettung für Händler und Kunden - und erlebte einen neuen Rekord. Doch der hat auch Nachteile. Fünf Beispiele, wie Händler aus der Region auf die aktuelle Situation reagieren. 

Modellbahn-Zubehör über Amazon

Seit zehn Jahren verkauft Ronny Sick sein Modellbau-Sortiment auch bei Amazon. Inzwischen macht das zwischen 30 und 35 Prozent seines Geschäftes aus. Übers Wochenende kommen bis zu 80 Bestellungen zusammen. Trotzdem ist Sick nicht überschwänglich glücklich. Das Versandgeschäft kostet viel Zeit, er mag lieber den Kunden direkt beraten. Doch die, die sich nicht am Online-Handel beteiligen, werden auf Dauer verlieren, sagt Sick. 

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Die besten Angebote des Jahres gibt´s traditionell am letzten Freitag im November: beim SALE Friday.

Gleichzeitig ist es die Entscheidung der Kunden. Wenn sie sich einerseits über sterbende Innenstädte beschweren und dann doch nur im Internet einkaufen, ist die Entwicklung voraussehbar. Beim kompletten Lockdown im Frühjahr war die Menge dessen, was Sick und sein Mitarbeiter verschickten, enorm gewachsen. Diesmal darf der Laden auf der Pirnaer Hauptstraße offen bleiben und ist auch immer so voll, wie er jetzt eben sein darf. 

Schoko-Adventskalender per Post

Die Lager voll, der Laden zu: Der Frühjahrs-Lockdown hatte die Heidenauer  Schokoladenmanufaktur eiskalt erwischt. Damals wurden die Kunden regelrecht gebeten, doch online zu bestellen. Diesmal bleibt der Laden auf und trotzdem richtet sich Familie Schürer mit ihren Mitarbeitern auch auf mehr Versand ein. Für Sonnabend sind schon alle Helfer eingeplant. Der November und Dezember ist schließlich die Hoch-Zeit für die Schokolade, ihrer Macher und Käufer. Jetzt sind vor allem die Adventskalender gefragt. Aber auch Elisenlebkuchen werden vom Konditor schon im Akkord gebacken.

Schokolade in die Kiste: Martina Seifferth packt die Bestellung eines Schokoladenmanufaktur-Kunden ein.
Schokolade in die Kiste: Martina Seifferth packt die Bestellung eines Schokoladenmanufaktur-Kunden ein. © Norbert Millauer

Durch das geschlossene Café geht zwar die Symbiose zwischen Vor-Ort-Genießen und Einkaufen verloren. Doch die Schürers sehen in allem eine Chance, zumal das Geschäft ja diesmal offen bleiben darf.  Wieder mehr zu verschicken führt sie an ihre Wurzeln zurück. Damals auf der Pirnaer Straße in Heidenau hatte es ähnlich begonnen, als sie nur  produzierten und der Handel verkaufte. 

Seidenblumen im virtuellen Laden

Die letzten Monate sind im Haus der Deutschen Kunstblume richtig gut gelaufen. Vor allem auch, weil wieder mehr Bustouristen unterwegs waren. Ein Abstecher in die Seidenblumenmanufaktur und das Ladengeschäft stand bei den meisten bei einem Sebnitz-Besuch offenbar mit im Plan.

Künstliche Blumen aus der Seidenblumenmanufaktur gibt es nun auch online.
Künstliche Blumen aus der Seidenblumenmanufaktur gibt es nun auch online. © Steffen Unger

Die Seidenblumenmanufaktur samt Werksverkauf ist geschlossen. Auf die Arrangements mit künstlichen Blumen muss man aber nicht verzichten. Aus den Erfahrungen im ersten Lockdown, als gar nichts mehr ging, wurde das online-Angebot aufgebaut. Im Online-Shop kann nicht nur bestellt werden. Für jede Blume gibt es auch noch die richtigen Tipps für Pflege und Lagerung. Und das Angebot wurde bereits gut genutzt.

Den Sebnitz-Gutschein, eine Aktion des Gewerbevereins,  gibt es im Wert von zehn, 20, 30 und 50 Euro. In diesen Summen muss er dann auch ausgegeben werden, kann also selbst nicht weiter aufgeteilt werden. Erwerben kann man ihn in der Confiserie von Beate Kramer, dem Uhren- und Schmuckgeschäft von Steffi Sturm und im Haus der Deutschen Kunstblume. Ganz bewusst habe man auch die zehn Euro mit aufgenommen. Wer zum Beispiel einfach kurz Danke sagen möchte oder vielleicht einen ganzen bunten Strauß an Gutscheinen in unterschiedlichen Summen für verschiedene Geschäfte verschenken will. 

Beate Kramer (li.) und Steffi Sturm vom Gewerbeverein Sebnitz präsentieren den Gutschein.
Beate Kramer (li.) und Steffi Sturm vom Gewerbeverein Sebnitz präsentieren den Gutschein. © Steffen Unger

Der Empfänger oder der Beschenkte kann den Gutschein in derzeit 30 teilnehmenden Einrichtungen in Sebnitz und Umgebung bis ins Kirnitzschtal einlösen. Wer also so einen Gutschein bekommt, kann selbst entscheiden, wofür er den verwendet, ob für Mode, fürs Haare schneiden, für Medizin, für ein Essen, für die Fahrschule und so weiter. 

Nudeln über sächsische.de

Helga Queck führt die Nudelmanufaktur Pasta Saxonia in Freital und hofft, dass ihre Internetseite in Kürze wieder funktioniert. Die ist jetzt ihre Rettung. Der Handel übers Internet funktioniert in solchen Zeiten noch am besten, sagt sie. Gemerkt hat Helga Queck das schon im Frühjahr. Sie hat sich auch an der Plattform des Dresdner Druck- und Verlagshauses, zu dem auch sächsische.de gehört, beteiligt. "Das hat noch mal für einen viel höheren Bekanntheitsgrad gesorgt und dem Geschäft gutgetan", sagt Helga Queck. 

Alles Nudel oder was: Helga Queck verkauft ihre Nudeln unter anderem über die Plattform des Dresdner Druck- und Verlagshauses.
Alles Nudel oder was: Helga Queck verkauft ihre Nudeln unter anderem über die Plattform des Dresdner Druck- und Verlagshauses. © Egbert Kamprath

Sie geht davon aus, dass alles noch schlimmer wird und viele Läden schließen müssen. Die Leute hätten weniger Lust zum Shoppen, das Ladengeschäft leide. Einen Teil ihrer Ware vertreibt Helga Queck  über Rewe, Edeka und Globus. Der Konsum verkauft ihre Nudel-Geschenke. "Aber viele große Ketten setzen jetzt auf Billigware. Selbst als im Frühjahr manche Nudelregale leergefegt waren, haben sie mir weniger abgenommen", sagt sie. Dafür habe das Weihnachtsgeschäft dieses Jahr sehr zeitig begonnen. Der Großhandel hat bereits im August bestellt und eingekauft. Das gab es noch nie. Werben muss Helga Queck nun vor allem um die Laufkundschaft. 

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