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Uhrenmeister holt Welt und Luxus in sächsische Provinz

Rolf Lang hat einen Namen in seiner Branche. Nun eröffnet er in einer ehemaligen Bergbaude bei Gottleuba eine in Europa einmalige Einrichtung.

Rolf Lang in seiner Uhrenwelt Atelier in Hartmannsbach.
Rolf Lang in seiner Uhrenwelt Atelier in Hartmannsbach. © Egbert Kamprath

In Hartmannsbach nahe Bad Gottleuba im beschaulichen Erzgebirgsvorland scheint die Zeit stillzustehen und doch beginnt dort im Juli eine neue Zeitrechnung. Wo einst legendäre Diskos stattfanden, steht jetzt ein Mann mit roter Fliege in seiner Welt der Uhren. Rolf Lang ist Uhrmachermeister, war Diplom-Restaurator des Mathematisch-Physikalischen Salons in Dresden, gründete 1989 seine eigene Restaurierungswerkstatt, arbeitete als Chefentwickler von Lange & Söhne, als Werkstattleiter von H. Moser & Cie. und später als Betriebsleiter bei Tutima in Glashütte.

2012 machte er sich selbstständig und präsentierte zwei Jahre später auf der Baselworld seine erste eigene Uhrenkollektion. Der 73-Jährige, geboren in Gera, ist in der Welt zu Hause und holt die nun nach Hartmannsbach. Hier will er am 10. Juli die erste europäische Uhrenakademie eröffnen: in der früheren Bergbaude von Hartmannsbach.

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Eine Uhr namens Phoenix für 95.000 Euro

Was für viele einfach ein Zeitanzeiger ist, ist für Lang Handwerk und Kunst. Er steht für Manufaktur im eigentlichen Sinne des Wortes. Er fertigt jede noch so kleine Schraube selbst. "An der Schraube scheiden sich die Geister", sagt er. Nur Zugfedern bezieht er extern und natürlich die wertvollen Steine und Edelmetalle, die seine Uhren zu teuren Unikaten machen.

Seine Nummer 1 ist ein Marine-Chronometer für 38.000 Euro - das ist eine größere Uhr, die extrem genau läuft und gleichzeitig eine Hommage an die Uhrmacherkunst des 19. Jahrhunderts ist. Noch wertvoller ist die Phoenix-Uhr mit Lalique-Kristall. Lalique ist ein französisches Luxus-Unternehmen, das unter anderem Kunst aus Glas herstellt. Für 95.000 Euro kann man dabei zuschauen, wie in dieser Uhr alle Schrauben und Teile präzise ineinandergreifen. "Das, was ich kann, kann man heute nicht mehr lernen", sagt er selbstbewusst und will doch versuchen, es anderen weiterzugeben. Hauptziel sind junge Leute aus aller Welt.

Eines der Kunstwerke von Rolf Lang: Die Phoenix-Uhr mit Lalique Kristall.
Eines der Kunstwerke von Rolf Lang: Die Phoenix-Uhr mit Lalique Kristall. © Egbert Kamprath

Wenn Lang durch die Räume in der einstigen Hartmannsbacher Bergbaude geht, verbinden sich deren Bodenständigkeit mit Langs Weltgewandtheit. Als er 2012 aus der Industrie ausstieg und seinen eigenen Weg begann, war er schon wer und hatte in der Welt der Uhren einen Namen. Seine Uhren sind hochwertige Unikate, sagt er. Das Teuerste bisher ist 1,2 Millionen Euro wert - äußerlich sieht es aus wie ein Fabergé-Ei. Auf dem Rückflug von Dubai gingen mal vier Glasschalen dieses Meisterwerkes kaputt, weil es als Handgepäck zu schwer war und Lang es aufgeben musste. Dabei wurde es wie normale Koffer behandelt, was der Uhr nicht gut bekam. Es soll nun repariert werden. Die wertvollen Stücke stehen übrigens nicht einfach so in Hartmannsbach herum, sondern sind gesichert und geschützt.

In Hartmannsbach wohnt Lang bereits seit 2007 nur ein paar Schritte entfernt von der ehemaligen Gaststätte, die er seit Mai nutzt und in der er Lehrgänge anbieten will. Für Nicht-Fachleute mit Interesse ebenso wie für hochspezialisierte Könner, die bei Lang noch etwas lernen können. Aus Japan, China, Russland werden sie kommen, sagt er. Die Lehrgänge bauen aufeinander auf, dauern ein paar Tage oder länger. Ein Spezialangebot richtet sich an die Kenner und Könner der Taschenuhren. Lang will ihnen von seinem Können und Wissen etwas weitergeben. Neben dem Bau neuer Uhren ist es das Gefühl für die Restaurierung. Dass man Uhren aus dem 15. Jahrhundert überhaupt noch restaurieren kann, spricht schon für ihre Qualität. Dabei kann es für Lang nicht kompliziert genug sein. "Ganz komplizierte Uhren sind mein Ding", sagt Lang. Zwei Jahre an einer Uhr zu bauen, sei deshalb ganz normal. Eine Normalität, die eben auch ihren Preis hat.

Natürlich hängt eine große Uhr an der Uhrenwelt, auch wenn sie - noch - nicht geht.
Natürlich hängt eine große Uhr an der Uhrenwelt, auch wenn sie - noch - nicht geht. © Egbert Kamprath

Auch Besucher können sich für eine Führung in der Uhrenwelt anmelden. Es ist kein Museum im eigentlichen Sinne, dafür ist es zu klein und das ist auch nicht sein Anspruch. Doch in vielen Vitrinen wird es einen Einblick in die Arbeit mit und an Zeitmessern geben. Die kostbaren Uhren stehen gut geschützt und wer sich beraten lassen und eine bestellen möchte, wird in einen separaten Bereich gebeten. In der Werkstatt sind schon die Arbeitsplätze für die Kursteilnehmer eingerichtet. "Ich habe so viele Ideen, dass ich mich immer bremsen muss", sagt Lang.

73-Jähriger gibt 20 Jahre Garantie

Der Stress jetzt vor der Eröffnung seiner Uhrenwelt ist für ihn selbstgewählter Stress und positive Motivation. Er amüsiert sich bei dem Gedanken, dass manche denken, er sei schon tot und nun einen Schock bekommen, wenn er wieder mit einer neuen Idee auf der Bildfläche auftaucht, von der er nie ganz verschwunden ist.

Er geht mit dem, wie er das Uhrmacherhandwerk verstehe, an die Wurzeln, sagt er. In Kombination mit der Kunst der Gegenwart schafft er Luxus mit "ganz hochwertiger Mechanik". Die ist das Geheimnis jeder Uhr, ein Geheimnis, das aus höchst präziser Arbeit entsteht.

Für die gibt der 73-Jährige nach wie vor 20 Jahre Garantie. Für Rolf Lang kein Problem. Er hat einen Plan - für seine Uhrenwelt und für sich: Mit 96 will er in Rente gehen und mit 106 Jahren "von dieser Welt", sagt er. Wer sich mit Uhren beschäftigt, hat auch die Zeit im Griff.

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