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80 Prozent der Lehrerstellen sind vergeben

An den Gymnasien konnten alle Stellen besetzt werden. Nun sollen noch Lehrer für andere Schularten gewonnen werden.

Besonders an Ober- und Förderschulen werden Lehrer fehlen.
Besonders an Ober- und Förderschulen werden Lehrer fehlen. © dpa

Dresden. In nicht einmal vier Wochen beginnt das neue Schuljahr. Ferien haben die Mitarbeiter der Schulbehörde bis dahin nicht. Sie müssen versuchen, junge Lehrer für Sachsen zu gewinnen. Keine einfache Aufgabe, weil die Bewerber, die jetzt noch keine Stelle haben, nicht in ihrer Wunschregion oder an ihrer Wunschschule arbeiten können.

Derzeit führe das Landesamt für Schule und Bildung noch Gespräche mit Bewerbern, heißt es aus der Behörde. Schon im Einstellungsverfahren im Februar konnten nicht genügend Lehrer eingestellt werden. Von den 600 ausgeschriebenen Stellen wurden nur 400 besetzt. 

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Bis Juli konnten im Einstellungsverfahren für das Schuljahr 2020/21 bereits 890 der 1.100 freien Stellen besetzt werden, teilte der sächsische Lehrerverband mit. Endgültige Zahlen gibt das Kultusministerium erst Ende August bekannt. Bis Anfang Juli hatten auch etwa 100 Lehrer aus anderen Bundesländern ein Angebot des Freistaates angenommen. Sie kommen aus Bayern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Berlin, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. 

„Sachsen ist durch hohe Bildungsqualität und attraktive Arbeitsbedingungen auf dem umkämpften Lehrerarbeitsmarkt konkurrenzfähig geworden“, sagte der Verbandsvorsitzende Jens Weichelt. Mit Verbeamtung und Bezahlung nach Besoldungsgruppe A 13 in allen Schularten sei Sachsen im bundesweiten Vergleich sehr gut aufgestellt.

Wunschschule Gymnasium

Trotz der guten Bewerberlage wird es nicht einfach, alle Lücken zu schließen. Wie in den vergangenen Jahren passen die Vorlieben der Bewerber nicht zum Bedarf. Insgesamt 1.271 ausgebildete Lehrer hatten sich beworben. Fast die Hälfte von ihnen sind Gymnasiallehrer und mehr als 70 Prozent der Junglehrer wollen nach Dresden oder Leipzig. An den Gymnasien sieht die Situation deswegen sehr gut aus. 

Insgesamt gab es mehr als doppelt so viele Interessenten wie zu besetzende Stellen. Die Bewerber konnten sich erstmals nur direkt an konkreten Schulen bewerben. Denjenigen, die bei diesen schulscharfen Bewerbungen nicht zum Zuge gekommen sind, machte das Landesamt für Schule und Bildung alternative Einstellungsangebote – allerdings nur in anderen Schularten und Regionen. 

Nach Angaben des Lehrerverbandes haben sich mehr als 70 junge Gymnasiallehrerinnen und -lehrer bereits für eine Tätigkeit an einer Oberschule entschieden. In Bautzen, Zwickau und Chemnitz fehlen noch viele Lehrer an den Oberschulen.

Auch für die Grundschulen zieht Weichelt ein positives Fazit. „In Chemnitz haben wir erstmalig mehr Bewerber mit Grundschullehrerausbildung als geplante Einstellungen.“ Grund sei vor allem die 2013 wieder aufgenommene Ausbildung an der TU Chemnitz und die landesweite Erhöhung der Kapazitäten. Anders sieht es um Bautzen und Zwickau aus. Dort reicht die Zahl der Bewerber nicht aus, um alle freien Stellen zu besetzen.

Schon in der Ausbildung aufs Land

„Eigentlich könnten die jungen Lehrerinnen und Lehrer eine gute berufliche Perspektive in Sachsen haben, wenn es nicht die starke Fokussierung auf die Universitätsstadt Leipzig gäbe“, sagte Weichelt. Dort kommen 175 Bewerber auf 78 Stellen. Weichelt habe aber Hoffnung, dass sich noch Interessenten für die freien Stellen in anderen Regionen entscheiden.

Um mehr Lehrer aufs Land zu locken, zahlt Sachsen eine Zulage an Referendare. Sie bekommen seit Februar 2019 bis zu 1.000 Euro „Anwärtersonderzuschlag“, wenn sie ihren Vorbereitungsdienst in Regionen absolvieren, in denen es erheblich an qualifizierten Bewerbern mangelt – wie in Ostsachsen, Chemnitz oder im Erzgebirge. Im August 2019 bekamen 146 Referendare die Zulage, im 1. März 2020 waren es nach Zahlen des Kultusministeriums schon 218 Referendare. 

Für den Dienstbeginn im September haben 247 Lehreranwärter Interesse angemeldet. Die meisten wollen an Grundschulen in den Regionen Chemnitz und Zwickau arbeiten. Diese Lehrer werden auch nach dem 18-monatigen Vorbereitungsdienst im ländlichen Raum unterrichten. Denn mit der Zulage verpflichten sie sich, nach dem zweiten Staatsexamen für mindestens fünf Jahre an einer Schule in einer Bedarfsregion zu arbeiten.

Förderschulen bleiben Problemfall

Nur 15 Referendare haben sich für den Vorbereitungsdienst an Förderschulen auf dem Land beworben. Auch für die freien Stellen an Förderschulen gab es nur in Leipzig genügend Bewerber. Dort konnten alle Stellen besetzt werden. In allen anderen Städten und Regionen herrsche „problematischer Lehrermangel“, so Weichelt. Der Grund liegt in der Ausbildung. Sonderpädagogik wird nur an der Universität Leipzig gelehrt. 

Viele Studierende für dieses Lehramt kommen dafür auch aus anderen Bundesländern. Nach Angaben des Lehrerverbandes erhalten nur etwa 70 der etwa 300 sächsischen Interessenten pro Jahr einen der 220 Studienplätze – und das, obwohl in Sachsen langfristiger Bedarf von 150 bis 170 Einstellungen pro Jahr besteht. Selbst mit Seiteneinsteigern reichen die aktuellen Einstellungen nicht aus. „Nur ein schulartfremder Einsatz von ausgebildeten Lehrkräften könnte noch die große Lücke schließen.“

Berufsschullehrer werden in Dresden ausgebildet – für diese Region gibt es die meisten Bewerber. In Leipzig sieht ebenfalls gut aus. Für die Regionen Bautzen, Chemnitz und Zwickau fehlen Bewerber.

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„Es bedarf weiterhin großer Anstrengungen, Lehrerinnen und Lehrer für die Bedarfsregionen und -schularten zu gewinnen“, sagte Weichelt. Nicht jede Kommunikation mit den Bewerbern sei von Erfolg gekrönt. Es gebe auch durchaus berechtigte Gründe, die gegen einen Orts- oder Schulartwechsel sprechen, sagte Weichelt, „aber mitunter fehlt einfach die Bereitschaft, dort zu unterrichten, wo man gebraucht wird“.

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