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Abschied von einem linken Urgestein

Marcel Braumann ist der dienstälteste Fraktionssprecher in Sachsens Landtag. Demnächst übernimmt er neue Aufgaben.

Zwei Jahrzehnte war Marcel Braumann Sprecher der Landtagslinken. Trotz aller Ernsthaftigkeit von Politik ist er auch für Spaß zu haben. Hier räumt er Parfümflaschen auf.
Zwei Jahrzehnte war Marcel Braumann Sprecher der Landtagslinken. Trotz aller Ernsthaftigkeit von Politik ist er auch für Spaß zu haben. Hier räumt er Parfümflaschen auf. © Steffen Füssel

Seinen Abschied vollzog er nach 20 Jahren leise, mit einer knappen E-Mail. Zwei Jahrzehnte arbeitete Marcel Braumann als Pressesprecher der sächsischen Linksfraktion, die zu seinem Dienstbeginn im Jahr 2000 noch als PDS firmierte. Braumann ist der dienstälteste Fraktionssprecher im Landesparlament. Der 56-Jährige gilt unter Journalisten als brillanter Kenner der Landespolitik, der auch zu ungewöhnlichen Zeiten ans Telefon geht und bei kritischen Fragen souverän wie höflich agiert.

Pressesprecher halten sich eigentlich im Hintergrund. Das gilt einerseits auch für Braumann, der für die Fraktionschefs Peter Porsch, André Hahn und Rico Gebhardt die Öffentlichkeitsarbeit koordinierte. Andererseits arbeitete der gebürtige Hamburger nicht nur als Organisator von Presseauftritten. Er fungierte als Berater, als Krisenmanager, Stratege und irgendwie auch als gute Seele der Fraktion. Dabei erlebte Braumann deren Wandel. Der Sprecher begann in Zeiten, in denen die damalige PDS mit bis zu fast 24 Prozent der Stimmen volksparteiartige Größe hatte. Braumann war dabei, als Porsch die taktische Offerte machte, den CDU-Mann Georg Milbradt bei der Wahl zum Ministerpräsidenten zu unterstützen. Er stand Gebhardt bei, als der für seine Idee von Rot-Rot-Grün intern kritisiert wurde. Und Braumann war Zeuge der Wahlniederlage im Herbst, als die Partei nur noch auf zehn Prozent kam.

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Vielschichtig ist seine Vita. Der Sohn eines Journalisten wurde zwar ebenfalls Journalist. Nach dem Abitur allerdings führte ihn sein Lebensweg zunächst ins Kloster. In der Nähe des süddeutschen Nördlingen arbeitete der junge Mönch in der Landwirtschaft. Nach zweieinhalb Jahren verließ Braumann das Kloster und begann in Würzburg die journalistische Laufbahn.

Über eine kurze Station bei der Boulevardzeitung Super kam er zum Neuen Deutschland. Für das Blatt berichtete er acht Jahre auch aus Dresden, bevor er in den Landtag wechselte. Braumann lebt mit seiner Frau in der Lausitz. Auch aus Interesse für die slawischen Wurzeln seiner Mutter lernte er Sorbisch. Ehrenamtlich ist Braumann seit Jahren für die Domowina aktiv. Im Januar beginnt er beim sorbischen Dachverband als Pressesprecher.

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