merken
PLUS Niesky

Wie junge Ärzte auf das Land gelockt werden

Zusätzliche Gelder sollen den Kreis Görlitz für Hausärzte attraktiv machen. Doch das Geld ist meist gar nicht ausschlaggebend.

Mit finanziellen Zuschüssen sollen vor allem junge Hausärzte in die unterversorgten Gebiete Sachsens gelockt werden. Der Landkreis Görlitz ist eines davon.
Mit finanziellen Zuschüssen sollen vor allem junge Hausärzte in die unterversorgten Gebiete Sachsens gelockt werden. Der Landkreis Görlitz ist eines davon. © dpa-tmn

Der Landkreis Görlitz zählt weiterhin zu den Gebieten in Sachsen, die mit Fachärzten unterversorgt sind. Konkret betrifft das den Berufsstand der Hausärzte. Hier gehen seit Jahren mehr in den Ruhestand, als das neue dazukommen. Das soll sich ändern. Der Landesausschuss der Ärzte und Krankenkassen schafft durch Förderung größere finanzielle Anreize, damit junge Ärzte in die sächsischen Regionen kommen, die als unterversorgt gelten oder wo ein Ärztenotstand demnächst droht.   

Diese zusätzliche Förderung soll ab dem 1. Juli greifen und die bereits bewährten Maßnahmen ergänzen, heißt es dazu von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS). Dazu gehören eine Pauschale bei der Übernahme oder Neugründung einer Praxis oder der Anstellung eines Arztes. Zudem kann ein Garantiehonorar für die ersten zwei Jahre einer ärztlichen Tätigkeit beantragt werden. Mit ihr sinkt das eigene Unternehmerrisiko. Beides kann seit Jahresbeginn in Anspruch genommen werden.

Anzeige
Das Gute aus der Heimat!
Das Gute aus der Heimat!

Regionale Lebensmittel sind gefragt - immer mehr Verbraucher möchten wissen, wo ihre Lebensmittel herkommen. Diese Direktvermarkter verraten es ihnen.

Suche nach einem Kinder- und Jugendpsychater

Die KVS hat dazu in den gefährdeten Gebieten Förderstellen deklariert. Diese sollen die unbesetzten Stellen attraktiv für neue Mediziner machen. Im Landkreis Görlitz betrifft das nur die Hausärzte. Mit einer Ausnahme:  Für den Altkreis Görlitz wird dazu auch ein Kinder- und Jugendpsychater gesucht. Für das Gebiet  des früheren Altkreises Görlitz sind demnach zwei Förderstellen vorgesehen, für den Raum Niesky ebenfalls zwei, dazu eine direkt für die Stadt Niesky. Im Altkreis Weißwasser werden sogar fünf Hausärzte gefördert, dazu jeweils einer speziell für Weißwasser und für Bad Muskau. Darüber hinaus hat auch der Altkreis Löbau Bedarf an vier Förderstellen. Nur der südliche Zipfel des Landkreises, also Zittau, braucht laut KVS keine Förderung.  

Unter den bereits niedergelassenen Ärzten wird dieses Förderprogramm begrüßt, weil neue Praxen, vor allem den Allgemeinmedizinern, eine Entlastung bringen. Aber direkt davon partizipieren sie nicht. Das bestätigt beispielsweise Hausarzt Dr. Leonhard Großmann aus Görlitz. "Für mich haben diese Fördermöglichkeiten keine Auswirkungen auf meine Praxis. Das ist mehr etwas für junge Ärzte, die sich niederlassen wollen, oder sich in der Weiterbildung befinden", sagt der Görlitzer. Er selbst ist seit fünf Jahren ein niedergelassener Arzt.    

Nichts für etablierte Ärzte

Nicht anders urteilt Bettina Krahl, Hausärztin in Jauernick-Buschbach. Auch sie sieht keinen unmittelbaren Vorteil für ihre Praxis, da sie die Förderkriterien nicht erfüllen kann. "Das sollten junge Ärzte nutzen, um sich in der Region anzusiedeln", sagt die Fachärztin. 

Ärzte aufs Land zu holen, dem hat sich das Ärzte-Netz Ostsachsen verschrieben. Prokurist Hans-Joachim Tauch betont, dass ohne finanzielle Anreize die Chance sinkt, neue Ärzte in die Oberlausitz zu bekommen. Deshalb sieht das Ärzte-Netz in den erweiterten Fördermöglichkeiten einen größeren Spielraum, um auch selbst Ärzte für das ländliche Gebiet zu begeistern. Dazu zählt auch das Vermitteln von Investitionszuschüssen für neue Praxen. Bei einem jungen Arzt sind die Netzwerker derzeit dabei. 

Weiterbildung soll sich lohnen

Zu den Maßnahmen, die ab Juli in den unterversorgten Gebieten umgesetzt werden, zählen neben Zuschlägen für die Aufnahme einer ärztlichen Tätigkeit und das Gewährleisten des Praxisbetriebes  auch die Unterstützung zur medizinischen Weiterbildung. Ein Feld, auf dem das Ärzte-Netz Ostsachsen seit Jahren unterwegs ist. Besonders für Quereinsteiger in die Allgemeinmedizin dient der Weiterbildungszuschlag als Gehaltsförderung.   

Joachim Tauch ergänzt, dass dabei nicht nur die jungen Ärzte in der Weiterbildung zu betrachten sind, sondern auch die Berufskollegen, die sie weiterbilden. Ihr zeitlicher und fachlicher Mehraufwand solle ebenfalls entschädigt werden. 

Nicht nur zum Arbeiten in die Oberlausitz

Das Aufstocken der Fördermöglichkeiten wird neue Arztpraxen nicht wie Pilze aus dem Boden schießen lassen. Das Ärzte-Netz hat die Erfahrung gemacht, dass nur des Geldes wegen kaum ein junger Arzt im östlichen Sachsen seinen Doktorkoffer auspackt. "Aus Gesprächen mit jungen Leuten wissen wir, dass sie verstärkt auf einen Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit bedacht sind. Somit spielt auch das Wohnumfeld für eine Ansiedlung eine wesentliche Rolle", ergänzt Tauch.

Hinzu kommt noch ein anderer Aspekt: Will man junge Leute in die Oberlausitz locken oder sie dort halten, ist es gut, ihnen bereits in der Ausbildung zur Seite zu stehen. Dazu Praktikas in der Heimat vermitteln und schließlich für ihre Weiterbildung zum Hausarzt wohnortnahe Möglichkeiten bieten. Deshalb sind die Ärzte-Netzwerker zum Beispiel auf der Ausbildungsmesse "Insider" in Löbau präsent, auch wenn sie dieses Jahr durch Corona abgesagt wurde. "Uns ist wichtig, junge Leute von hier zu begleiten und sie auch wieder zurückzuholen", so Tauch. Mit den neuen finanziellen Anreizen könnte das ein Stück besser gelingen. 

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Löbau lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Zittau lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky