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Helfen "Ruhm & Ehre" gegen Gewalt?

Die AfD demonstriert in Löbau wegen der Attacke eines Ausländers auf einen deutschen Schüler. Dabei fordert AfD-Kumpf den Rücktritt des Innenministers.

AfD-Landtagsabgeordneter Mario Kumpf forderte den Rücktritt von Sachsens Innenminister Roland Wöller.
AfD-Landtagsabgeordneter Mario Kumpf forderte den Rücktritt von Sachsens Innenminister Roland Wöller. ©  Rafael Sampedro

Seit SZ die Attacke eines Jugendlichen auf einen 17-jährigen Schüler Anfang Juli in der "Katholischen Anlage" in Löbau öffentlich gemacht hat, ist das Thema Stadtgespräch. Hauptsächlich weil es sich bei dem brutalen Schläger um einen Türken handelt, nahm AfD-Landtagsabgeordneter Mario Kumpf den Vorfall zum Anlass, am Donnerstagabend zur Demonstration ""Keine Gewalt-Exzesse in unserer Lausitz" auf dem Altmarkt aufzurufen. Rund 200 Teilnehmer versammelten sich. Den meisten Applaus gab's dabei für harte Positionen der Redner.

Das Publikum, rein optisch ein Gemenge aus "Otto Normalbürger" und auch eben solchen, die keinen Hehl aus ihrer rechten Gesinnung machen. "Braun auch ohne Sonne" liest man da etwa auf der Rückseite eines T-Shirts. Eine kleine Gruppe steht zumindest kleidungsmäßig für "Ruhm & Ehre" ein - ein bisschen jung vielleicht, um je nur eins von beidem erlangt zu haben. Bekenntnisse zur deutschen Heimat gehören jedenfalls rein stilistisch zum guten Ton an diesem Abend. Die AfD-Redner dagegen bemühen sich um einen bürgerlichen Tonfall.

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Kumpf fordert Minister-Rücktritt

Etwa Organisator Mario Kumpf. Er stellt nämlich fest, dass durchaus auch deutschstämmige Jugendliche sich an jenem Juli-Abend aus der Jugendgruppe heraus an den Angriffen auf das Opfer beteiligten. Zivilcourage zu zeigen und bei gewaltsamen Angriffen einzuschreiten, sei daher "Pflicht für jedermann", betont Kumpf. Dafür, warum auch Deutsche zur Jugendgruppe gehörten, liefert er seine ganz eigene Interpretation. "Wenn Ausländer unsere Jugendlichen in ihren Banden willkommen heißen, läuft was schief!", rief er und: "Wir lassen uns die Ausbreitung krimineller Clan-Strukturen nicht länger gefallen!"

Besonders ärgerte sich Kumpf über Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU). So erzählte er, er habe just am vorherigen Donnerstag bei einem Aufenthalt im Landtag mit dem Vater des Opfers der Gewaltattacke gesprochen. "Da kam zufällig der Minister Wöller daher", so Kumpf. Er habe Wöller sein Handy gereicht mit der Bitte, dem Vater sein Mitgefühl auszudrücken. Kumpf: "Herr Wöller hat dann zu dem Mann am Telefon gesagt: ,Ich nehme hier jetzt keine Stellung. Schicken Sie Ihre Daten. Jemand wird sich melden.'" Im Publikum gab's dafür laute Buh-Rufe gegen den CDU-Minister. "Ich bin entsetzt über so wenig Mitgefühl. Schämen Sie sich und treten Sie zurück, Herr Wöller", forderte Kumpf unter dem Beifall des Publikums.

Wippel kritisiert Verhalten der Schule

Auch Görlitz' AfD-Chef Sebastian Wippel schlug mitunter ruhige Töne an. "Wir wollen keinen Hass säen. Wir wollen keine Gewalt in Löbau", sagte er. "Wir sind hier, weil es auch in Löbau Gruppen gibt, die andere tyrannisieren." Wippel brandmarkte den Überfall als "hinterhältig und feige" und fragte, bei wem außer dem Täter noch die Verantwortung liegen könnte. Er nannte als Verantwortlichen auch die Schule - ohne die ehemalige Schule des Täters, die Pestalozzi-Oberschule, dabei beim Namen zu nennen. 

"Es geht nicht an, dass Schulen, wenn sie solche Gruppen haben, einfach wegsehen. Weil Schulleiter Angst um den Ruf ihrer Schule haben", rief Wippel. Der Ruf einer Schule spreche sich in solchen Fällen ohnehin von ganz allein herum.

Auch die Kirche griff Wippel in seiner Rede an. "Die Kirche hat Angst", sagte er. Der Pfarrer sage: "Wer weiß, was da (am Altmarkt) passiert. Vielleicht teilt die AfD da ja Fackeln und Mistgabeln aus." Damit spielte Sebastian Wippel auf eine Gebetsstunde an, zu der der Löbauer Stadtpfarrer Daniel Mögel zeitgleich zu der AfD-Kundgebung in die Nikolai-Kirche eingeladen hatte.

Löbauer AfD distanziert sich von Kundgebung

Gut 25 Löbauer trafen sich dort zum „Gebet für Frieden in Löbau“ statt. Nicht politisch orientiert sei die Zusammenkunft, wie Pfarrer Daniel Mögel betont. „Das Gebet ist in keinerlei Weise eine Art Gegendemo“, sagt der Pfarrer. Auf dem Aufsteller vor der Kirchentür steht: „Jeder ist willkommen. Heute Gebet für ein friedliches Miteinander in Löbau.“ Den Anlass der Zusammenkunft hat Daniel Mögel in einer Art Rundschreiben zusammengefasst. Darin heißt es unter anderem: „Das schlimme Erlebnis des Schülers Richard Wolf bewegt mich und viele Menschen in Löbau und darüber hinaus - natürlich auch viele Kirchgemeindeglieder.“ Dass Menschen ihre Meinung bei einer Demo öffentlich kund tun, findet der Pfarrer auch gut. Er schreibt aber ebenso: „Zu hoffen ist, dass nicht ganze Menschengruppen – zum Beispiel Ausländer - aufgrund eines ausgesprochen schlechten und bösen Beispiels angeprangert werden.“

Möglicherweise passte es den AfD-Organisatoren auch nicht, dass keinesfalls die gesamte Partei hinter der Kundgebung auf dem Altmarkt stand. Die Löbauer AfD distanzierte sich regelrecht davon. Pfarrer Mögel erzählte in der Kirche, dass die Demo auf dem Altmarkt nicht von der Stadtratsfraktion der Löbauer AfD organisiert wurde. Es habe zwischen ihm und AfD-Stadträtin Andrea Binder ein Gespräch gegeben, in dem diese betonte, nichts mit der Organisation zu tun zu haben.

"Ruhm & Ehre" grüßen die Welt.
"Ruhm & Ehre" grüßen die Welt. © Markus van Appeldorn, Constanze Junghanß
Görlitz' AfD-Chef Sebastian Wippel.
Görlitz' AfD-Chef Sebastian Wippel. © Markus van Appeldorn
Pfarrer Daniel Mögel (r.) lud zum Friedensgebet in die Nikolaikirche.
Pfarrer Daniel Mögel (r.) lud zum Friedensgebet in die Nikolaikirche. © Constanze Junghanß

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Update, 26. Juli, 18.26 Uhr: In einer früheren Version dieses Textes hieß es "Pfarrer Mögel erzählte in der Kirche, dass die Demo auf dem Altmarkt nicht von der Löbauer AfD-Fraktion organisiert wurde." Die für die Aussage benannte AfD-Stadträtin Andrea Binder stellt klar: "Ich habe für die AfD Stadtratsfraktion gesprochen, nicht für die AfD Regionalgruppe Löbau." Wir haben das im Text geändert.

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