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Dresden

Als der Kaiser den Dresdnern das Du anbot

Roland Kaiser verzauberte wieder 12.000 Fans am Elbufer. Und tanzte sogar.

Selten zeigte sich Roland Kaiser in Dresden so schwungvoll.
Selten zeigte sich Roland Kaiser in Dresden so schwungvoll. © Robert Michael/dpa

Die besten Plätze sind schon halb sieben weg. Draußen auf den Elbwiesen wohlgemerkt. Mit Picknickdecken, Campingstühlen und vielen, vielen Flaschen machten es sich dort am Freitagabend Hunderte Ticketlose gemütlich.

Wer mit Karte kam und glaubte, eine Stunde vor Konzertbeginn noch einen guten Platz ergattern zu können, der kann nur ein Kaisermania-Anfänger gewesen sein. Bereits mit der Öffnung der Tore um 18 Uhr hatte sich ein Strom von Fans von beiden Eingängen aus in Richtung Bühne ergossen. 

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Wenige Minuten später ist der Filmnächte-Platz praktisch voll und es beginnt dieses kunstvolle Aneinandervorbeischlängeln auf engstem Raum, was Kaiserfans längst zur Perfektion gebracht haben. Ob mit sechs Bierbechern, vier Prosecco oder später zwei Promille. 3.000 Flaschen standen für dieses Wochenende bereit. Dazu 500 Fässer Bier.

Sobald sich mal ein halber Quadratmeter Platz auftut, wird Discofox getanzt. Die Party beginnt mit dem ersten und endet mit dem letzten Lied. Zeitweise scheint sie sich fast vom Geschehen auf der Bühne abzukoppeln, doch die Feierwütigen brauchen ihren Roli da vorn. Er ist ihr Dirigent, ihr Vorsänger, ihr Einheizer.

Als der Kaiser die Bühne betritt, bietet er seinem Dresdner Publikum gleich erst einmal das Du an. Das lehnen die natürlich nicht ab. „Was glaubt ihr, wie sehr wir uns gefreut haben, meine Band und ich, auf euch“, sagt Roland Kaiser. Ansonsten verliert die Hauptperson des Abends aber nicht viele Worte - und singt lieber.

Die Anhänger grölen mit, bis die pinken Krönchen auf den Köpfen wackeln.

Ausnahmezustand am Elbufer
Ausnahmezustand am Elbufer © Robert Michael/dpa

Einer ist besonders gut drauf: Der Kaiser selbst, gut gebräunt und im silberglänzenden Anzug, hat sichtlich Spaß. Beschwingt wie selten, ja fast leichtfüßig bewegt sich Roland Kaiser über die Bühne, geht den Rhythmus mit und dreht sich mit ausgebreiteten Armen im Kreis.

Natürlich hat er alle seine Klassiker mitgebracht, darunter “Joana”, “Extreme”, “Lieb mich ein letztes Mal” und “Das fünfte Element”. Viele der alten Hits klingen heute frischer als vor 25 Jahren in der Hitparade. Doch auch bei den teils überraschenden elektronischen Spielereien seiner Musiker wirkt der 67-jährige nicht wie ein Fremdkörper. Der kann das. Der darf das. Mit dem poppigen “Warum hast du nicht Nein gesagt?” hat er noch einmal ganz neues Publikum für sich gewonnen.

In den Jungbrunnen gefallen: Roland Kaiser verblüffte die Fans.
In den Jungbrunnen gefallen: Roland Kaiser verblüffte die Fans. © Robert Michael/dpa

Roland Kaiser und Dresden. Aus der Affäre ist echte Liebe geworden, die auf Gegenseitigkeit beruht. Gleich reihenweise wirft er Kusshände ins Publikum. In seiner eigens für die Stadt geschriebenen Hymne singt er: “Dresden du Unbesiegte, Dresden du heiß Geliebte. Du bist einfach unbeschreiblich.” Ein bisschen Balsam für die geschundenen Seelen der Dresdner, die doch seit Jahren sonst meist nur zu hören kriegen, wie unsympathisch und ganz und gar unmöglich sie sind.

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Am liebsten hätte er noch zwei Stunden länger gemacht, sagt Roland Kaiser kurz vor Ende des Konzertes - und so fit, wie er sich an diesem Abend präsentierte, hätte er wohl wirklich so manchen seiner deutlich jüngeren Fans noch unter den Tisch gesungen. Doch nach dem Abschiedslied "Bis zum nächsten Mal" und dem Feuerwerk wurde es zumindest kurzzeitig still und dunkel. Weitergefeiert wurde dann bis in den Morgen hinein oben unter dem Dach und im nahen Biergarten.

Schon am Samstagabend dürften alle wieder bei Kräften sein. Davon werden sich dann auch die Fans daheim vor dem Fernseher überzeugen können. Das Konzert wird live im MDR übertragen.

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