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Ein Trafohäuschen für Fledermäuse?

Altenbergs Stadtrat diskutiert über Sinn und Unsinn einer Immobilienanschaffung. Am Ende votierte der Rat gegen die Pläne der Verwaltung.

Mathias Wolf sieht keinen Sinn darin, dieses Trafo-Häuschen zu erhalten.
Mathias Wolf sieht keinen Sinn darin, dieses Trafo-Häuschen zu erhalten. © Karl-Ludwig Oberthuer

Noch in diesem Jahr soll das einstige Nobelhotel Geisinghof in Geising verschwinden. Altenbergs  Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) zeigte sich in der jüngsten Ratssitzung zuversichtlich, dass das gelingen könnte. Voraussetzung ist, dass die Stadt dafür auch die beantragten Fördermittel bekommt. Wenn es die gibt, wird allerdings  noch eine Frage zu klären sein: Wohnen da Fledermäuse? Wenn ja, wohin sollen die umgesiedelt werden. Bauamtsleiter Andreas Gabler hatte dazu schon eine Antwort: Sie sollten nach Liebenau geschafft werden. Dort steht ein Trafohäuschen, von dem sich der Besitzer, der Energieversorger Enso, trennen möchte. Das könnte die Stadt kaufen. Die Enso verlangt etwas mehr als einen Euro. Ein Schnäppchen könnte man denken. 

Bedenken aus dem Stadtrat

Doch gleich zwei Stadträte meldeten Bedenken an. Gegen den Kaufpreis hatten sie nichts einzuwenden. Sie machen sich um das Gedanken, was nach dem Kauf auf die Stadt zukommen könnte, nämlich die Betriebs- und Unterhaltungskosten. Andreas Büttner, Fraktionschef Freie Wähler/Die Linke, wollte wissen wie hoch diese sein werden und wie gut der Zustand des Gebäudes ist. Seiner Meinung nach sei der nicht so gut. Deshalb sollte die Enso der Stadt noch etwas zahlen, damit die das Gebäude übernimmt.

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Stadtrat Mathias Wolf (Wählervereinigung Osterzgebirge), der zugleich auch Ortsvorsteher von Liebenau ist, ging noch weiter. Er hatte sich das Bauwerk genauer angeschaut und warnte vor dem Kauf. Dort drohe an einer Stelle der Putz großflächig abzuplatzen. Zudem wurden unmittelbar neben dem Turm Ziegelschutt und Reisig abgelagert, berichtete er in der Stadtratssitzung. Auf den Fotos, die die Verwaltung vorgelegt habe, sei das nicht zu erkennen. Er fürchte, dass die Stadt mit dem Kauf eine Immobilie übernehmen würde, auf der es viel zu tun gebe, weil sie zu einer noch größeren Schutthalde werden würde. Deshalb riet er vom Kauf ab. Die Stadt sollte nach anderen Immobilien Ausschau halten oder Kontakt zu Privatleuten aufnehmen, damit die Fledermausquartiere einrichten, riet er.

Früher eine Nobelherberge, jetzt eine Ruine, die abgerissen werden soll: der Geisinghof in Geising. Im Altenberger Rat macht man sich Gedanken, ob dort Fledermäuse leben und wohin die umgesiedelt werden könnten.
Früher eine Nobelherberge, jetzt eine Ruine, die abgerissen werden soll: der Geisinghof in Geising. Im Altenberger Rat macht man sich Gedanken, ob dort Fledermäuse leben und wohin die umgesiedelt werden könnten. © Egbert Kamprath (Archivfoto)

Ganz aufgeben wollte die Verwaltung ihren Plan vom neuen, schönen Fledermausquartier nicht, zumal die jährlichen Unterhaltungskosten bei geschätzten 500 Euro liegen würden. Deshalb bot Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) dem Stadtrat an, Gespräche mit der Enso zu führen. Diese sollte offenlegen, was der Anriss kosten würde und der Stadt die Hälfte davon geben. Von so einer Vereinbarung hätten beide Seiten etwas, warb Kirsten. Doch dieser Vorschlag lehnte der Stadtrat mit Mehrheit ab. Letztlich wandte sich der Rat auch einstimmig den Plan der Verwaltung, das Trafohäuschen zu kaufen. Die vorgebrachten Bedenken gaben wohl den Ausschlag.

Und wo sollen im Fall des Falles die Fledermäuse hin? Auch dazu machten sich die Stadträte Gedanken. Die ersten Vorschläge: Die Fledermäuse könnten zum Europark Altenberg, zum Feuerwehrgebäude in Geising oder zum Gebäude am Lifthang gebracht werden. Zustimmung gab es für den Vorschlag von Silvio Kühnel (WV OE). Wenn Fledermäuse umgesiedelt werden müssen, dann könnte man sie zum Bauhof an den Geisinger Bahnhof bringen. Der Vorteil für die Tiere: Der Standort sei nicht so weit vom Geisinghof entfernt. Der Vorteil für die Stadt. Die Immobilie gehört ihr bereits.

Geisinghof - von der Nobelherberge zur Ruine

Das Hotel Geisinghof zählte einst zu den renommiertesten Häusern im Osterzgebirge. Sogar DDR-Staatsratschef Walter Ulbricht soll hier übernachtet haben. Hier wurde auch zu Tanzveranstaltungen eingeladen, es traten Live-Kapelle auf. Geisinger und Besucher kehrten gern  in die gemütliche Waldschänke im Garten hinter dem Gasthaus ein. Mit der Wende kam das Aus. Das von der Handelsorganisation HO geführte Haus schloss und wurde an seinen früheren Besitzer zurückgegeben. Der ließ es versteigern. Danach wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer. Inzwischen ist es abrissreif.

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