merken
PLUS

Görlitz

Jetzt sind die Apotheker gefragt

Seit Anfang des Monats dürfen auch Apotheken im Landkreis Desinfektionsmittel herstellen. Doch nicht jedes Mittel ist gleich.

Yvonne Gärtner mischt in ihrer Apotheke in Niesky regelmäßig selbst Desinfektionsmittel an.
Yvonne Gärtner mischt in ihrer Apotheke in Niesky regelmäßig selbst Desinfektionsmittel an. © André Schulze

Dass Apotheken keine reinen Hustensaft-Läden sind, wird oft vergessen. Doch besonders in Corona-Zeiten sind sie wieder gefragt, denn wenn die großen Arzneimittelhersteller mit der Produktion von Desinfektionsmitteln nicht mehr hinterherkommen, sind die Apotheker gefragt. Dafür wurde extra eine Ausnahme des Biozid-Gesetzes gemacht, das die Eigenherstellung dieser Substanzen seit wenigen Jahren verbietet.

Desinfektionsmittel sind im Grunde keine komplizierte Angelegenheit. Sie bestehen aus Alkohol, meistens Ethanol oder Isopropanol, und destilliertem Wasser im Mischverhältnis drei zu eins oder stärker. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat für die Apotheker ein Rezept veröffentlicht, das noch zwei weitere Stoffe enthält. 

TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Zum einen Wasserstoffperoxid, das Pilze und Sporen abtötet und damit für den klinischen Einsatz wichtig ist und Glycerin, ein Feuchthaltemittel, das die Haut schonen soll. Damit sind sie zwar nicht so hautfreundlich wie moderne Desinfektionsmittel, die ph-neutral und nachfettend sind, die auch Hautärzte empfehlen. Sie sind aber trotzdem deutlich besser als ein reines Alkohol-Wasser-Gemisch. Gesetzlich erlaubt wäre beides.

50 Liter verkauft

"Wir stellen nach WHO-Rezeptur her", sagt Yvonne Gärtner von der Linden-Apotheke in Niesky, "auch wegen der Hautfreundlichkeit." Doch derzeit sei auch etwas Erfindergeist gefragt. Der Markt sei leergefegt, vor allem reiner Alkohol ungewöhnlich selten. Das treibt auch die Preise in die Höhe. "Wir nehmen was wir bekommen können", sagt Gärtner. Erst heute sei jedoch ein 10-Liter Behälter mit reinem Alkohol eingetroffen. Der reiche für knapp 15 Liter Desinfektionsmittel, sagt Gärtner.

Manchmal kaufe sie fertige Desinfektionsmittel und fülle sie ab, oft werden auch eigene Mischungen erstellt. In der letzten Woche sei eine 50-Liter Lieferung restlos verkauft worden. Die Herstellung von eigenen Produkten sei natürlich ein Teil ihrer täglichen Arbeit, sagt Gärtner, die eine solche Frage offenbar häufiger gestellt bekommt. 

"Wir fertigen eigene, kleine Dosierungen beispielsweise für Kinder oder mischen individuelle Salben an, je nach Bedürfnissen der Kunden", sagt sie. Sowas bekomme man in Online-Apotheken nicht. Weil sie es seit der Biozidverordnung nicht verkaufen darf, stellt sie es nur für den Eigenbedarf her. Dass sie es auch verkauft, ist neu. 

Seit Anfang März sind Apotheker angehalten, Desinfektionsmittel selbst herzustellen.
Seit Anfang März sind Apotheker angehalten, Desinfektionsmittel selbst herzustellen. © dpa

Auch Angela Tirschel, Inhaberin der Hirsch-Apotheke auf dem Görlitzer Postplatz setzt auch auf die Rezeptur der Weltgesundheitsorganisation. "Seit drei Wochen stellen wir dauerhaft selbst Desinfektionsmittel her", sagt die Apothekerin. 

WHO rät von Eigenherstellung ab

Doch auch in Görlitz hat man mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. "Wir sind immer auf der Hut, wo es was zu kaufen gibt und zu welchem Preis", sagt Tirschel. Auch in der Görlitzer Apotheke übersteigt die Nachfrage das Angebot. Und das, obwohl der Großteil des hier hergestellten Desinfektionsmittels in den freien Verkauf geht. Den Rest bekommen Arztpraxen, die direkt von der Apotheke beliefert werden.

Weiterführende Artikel

Corona-Warn-App stößt auf wenig Begeisterung

Corona-Warn-App stößt auf wenig Begeisterung

Weniger als die Hälfte der Deutschen will Corona-App nutzen, Tschechien will Grenze schon eher öffnen, nur eine Neuinfektion in Sachsen - unser Newsblog.

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 14. April

Infos zu Corona im Kreis Görlitz bis 14. April

Immer mehr Infizierte, abgesagte Veranstaltungen, geschlossene Einrichtungen und Grenzen: Alle bisherigen Entwicklungen in unserem Ticker-Archiv.

Die WHO warnt davor, Desinfektionsmittel selbst herzustellen. Die Lösungen seien leicht entflammbar und könnten Augen und Atemwege reizen. Außerdem herrschten in Haushalten selten die nötigen Hygienestandards. Sie seien deshalb nur eine Notlösung, die Mittel aus der Apotheke deshalb zu bevorzugen.


Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz