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Bad Muskauer zünden Feuerwerk der Ideen

Die Parkstadt erarbeitet derzeit ein Leitbild bis zum Jahre 2030. Die Einwohner machen dabei mit.

Rund 40 interessierte Bürger der Stadt und des Umlands sammelten in Arbeitsgruppen Ideen für die Entwicklung von Bad Muskau.
Rund 40 interessierte Bürger der Stadt und des Umlands sammelten in Arbeitsgruppen Ideen für die Entwicklung von Bad Muskau. © Foto: Sabine Larbig

Von Sabine Larbig

Bad Muskau ist auf der Suche nach seiner Identität. Leitbildentwicklung heißt der Prozess, bei dem Stadt und Bürger festlegen, wie sich Bad Muskau bis zum Jahr 2030 entwickeln soll. „Was?“, „Warum?“, „Wie?“ und „Wozu?“ lauten für alle Lebensbereiche die Fragen, die es dafür zu beantworten gilt. Gefragt sind dabei Ideen, Anregungen, Meinungen und Wünsche der Bürger. Denn sie kennen ihre Stadt am besten und wissen, wo der Schuh drückt, oder was es braucht, um Bad Muskau zu einem rundum lebenswerten und attraktiven Ort zu machen. „Von uns für uns“ lautet daher das Motto des Leitbild-Prozesses, in dessen Rahmen am Donnerstag ein Bürgerforum stattfand.

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Rund 40 Einwohner und Interessierte aus dem Umland – darunter aus der Nachbargemeinde Krauschwitz – waren ins Kaffee König gekommen, um gemeinsam über das künftige Bad Muskau zu diskutieren.

„Wichtig ist, darüber nachzudenken, was erhalten werden, was weiterentwickelt und was dazukommen soll“, erklärte Prof. Dr. Karl-Ludwig Resch, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Gesundheitsforschung Bad Elster, einleitend. Resch begleitet die Leitbildentwicklung, die bis 2020 unter Einbeziehung der Öffentlichkeit läuft, fachlich.

Was erhaltenswert ist, darüber waren sich alle Teilnehmer schnell einig. „Der Fürst-Pückler-Park ist genial“, fasste es Erik Schobner, Betreiber des Wohnmobilstellplatzes in Bad Muskau, zusammen. „Aber in der Stadt selbst gibt es nicht gerade viel für Einheimische und Touristen. Als Kurstadt müssen wir auch Moor und Sole stärker nutzen und vermarkten, beispielsweise mit einem Gradierwerk. Das geht schnell, kostet nicht viel und hält Touristen länger in der Stadt“, so Schobner weiter.

Weitere Kritikpunkte der Teilnehmer waren schlechter Handy- und WLAN-Empfang, schlechte Anbindung öffentlicher Verkehrsmittel, zu viel innerstädtischer Verkehr, fehlende Arbeitsplätze und ebenso fehlende Freizeitangebote, ein nicht vorhandenes Kurmittelhaus zur Anwendung von Sole und Moor, zu wenig Barrierefreiheit, kaum Lückenbebauung im historischen Stadtkern und vieles mehr.

„Wir müssen auch erreichen, dass Bad Muskau bis 2030 wenigstens wieder 5 000 Einwohner hat. Und wir sollten Touristen und Gäste befragen, was sie brauchen, damit sich der Tourismus in der Stadt weiterentwickelt“, forderte Heidemarie Knoop. Eine Befragung unter Jugendlichen und Familien und einen Jugendstammtisch regten Frank Budszuhn und Reiner Knobloch an. René Marko verwies auf die Möglichkeit der Schaffung einer Art Bäderbahn, die als Shuttle von Bad Muskau über Krausch-witz bis Weißwasser für Einheimische und Touristen verkehrt. „Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass wir in Bad Muskau die Grenze nach Polen haben. Wir müssen die polnischen Nachbarn unbedingt in den Leitbildprozess einbeziehen“, so Thomas Heisler. – „Ich bin mit meiner Frau seit einer Woche hier im Urlaub und wir sind begeistert. Leider weiß man in Süddeutschland nichts von der Region, weil kaum dafür geworben wird“, meldete sich ein Kaffee-Gast und Tourist spontan zu Wort.

Moderator und Leitbildbegleiter Resch bestätigte diese und andere Aussagen. „Wir können zwar keine Lösungen für die große Politik finden, aber wir können Ansätze für machbare Vorhaben schaffen. Lassen Sie uns deshalb nun in unterschiedlichen Arbeitsgruppen daran gehen, Ideen für verschiedene Themenbereiche zu sammeln und aufzuschreiben, damit sie in das Leitbild einfließen“, forderte Resch die Teilnehmer auf. Rund zwei Stunden beschäftigten diese sich intensiv mit der Aufgabe.

„Was entstanden ist, ist ein wahres Feuerwerk der Ideen“, lobte Moderator und Leitbild-Begleiter Karl-Ludwig Resch bei der anschließenden öffentlichen Auswertung. Die zeigte beispielsweise für den Bereich Werbung, dass innerhalb der Stadt eine positive (Selbst-)Wahrnehmung des bereits Erreichten fehlt. „Von den Einwohnern wird zu viel «schlechtgeredet». Aber wir brauchen ein Wir-Gefühl und müssen nach außen positiv wirken“, erklärte Regina Weiss. Als verbesserungswürdig bezeichnete sie ebenfalls die Wahrnehmung und Werbung der Stadt als Kurort und Teil einer (touristischen) Region.

Dass es trotz jährlich rund 300 000 Parkbesuchern, aber nur einer Übernachtungsquote von 1,4 Tagen beim Wirtschaftszweig Tourismus viel zu tun gibt, zeigten die Ergebnisse der Gruppe um Dirk Eidtner. Sie forderte eine Bäderbahn, mehr Unterstützung des städtischen Einzelhandels und der Gastronomie, spezielle sowie gebündelte touristische Angebote, sanften Tourismus und ferner die Stärkung des Lindenhofs als kulturelles Zentrum der Stadt.

Als Freizeitangebote und identitätsstiftende Maßnahmen sahen die Mitglieder der Arbeitsgruppe Jugend/Familie sowohl städtische Feste für alle Altersgruppen als auch eine Kneipennacht, Bürgerstammtische, einen Jugendclub und mehr und bessere Spielplätze. Auch öffentliche Toiletten standen auf ihrem Maßnahmezettel.

Weniger Innenstadtverkehr durch Verbot oder Tonnage-Begrenzung für Lkws, ein Verkehrsleitsystem, ein Parkhaus, der Bau der Umgehungsstraße von Krausch-witz/ Bad Muskau, E-Mobilität und die bessere Gestaltung von Radwegen sahen Thomas Krahl und seine Gruppe „Infrastruktur“ als vordringliche Aufgaben an.

Mit einem Forschungszentrum Waldumbau, Unternehmertagen, Lehrlingsausbildung, gezielter Kurortentwicklung, aber auch durch Bereitstellung von Baugrundstücken sollen, so weitere Bürgervorschläge, Arbeitsplätze in der Stadt geschaffen und Fachpersonal angezogen werden.

Laut Prof. Resch können sich die Bürger auch weiterhin mit ihren Ideen, Vorschlägen und Gedanken in das Leitbild 2030 einbringen. „Wir haben ab sofort E-Mail-Adressen freigeschaltet und in den nächsten 14 Tagen kommt eine Mobilfunk-Nummer für den direkten Kontakt hinzu. Außerdem findet im Oktober die nächste öffentliche Veranstaltung in Form eines Workshops statt“, informierte er abschließend.

Termin 1. Leitbild-Workshop für Bürger: 16. Oktober, 18-21 Uhr, Kaffee König, Bad Muskau, Kirchstraße 73, Kontakt für Meinungen/Ideen/Anregungen unter: [email protected] oder [email protected]

Auf einer Tafel wurden die Leitbild-Ideen nach Themen geordnet.
Auf einer Tafel wurden die Leitbild-Ideen nach Themen geordnet. © Foto: Sabine Larbig

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