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Bald mehr Platz in Dresdens S-Bahnen?

Wie und wann neue Doppelstock-Triebwagen die starke Nachfrage im öffentlichen Nahverkehr entspannen sollen - und wie es im Inneren aussieht.

Auf einer Testfahrt haben der Verkehrsverbund Oberelbe, die Deutsche Bahn und Bombardier Transportation neue Triebwagen für die Dresdner S-Bahn vorgestellt.
Auf einer Testfahrt haben der Verkehrsverbund Oberelbe, die Deutsche Bahn und Bombardier Transportation neue Triebwagen für die Dresdner S-Bahn vorgestellt. © Marion Doering

Testfahrt zwischen Meißen und Pirna: Weil die Nachfrage der S-Bahn Dresden steigt und steigt, sollen künftig neue Doppelstock-Triebwagen eingesetzt werden, um mehr Platz für Fahrgäste schaffen. Was das konkret für Bahnfahrer in Dresden und dem Umland bedeutet – wichtige Fragen und Antworten im Überblick.

Warum ist der Einsatz neuer Triebwagen überhaupt notwendig?

Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden
Late Night Shopping Dresden

Zur langen Einkaufsnacht unter dem Motto "Late Night Shopping" lädt das City Management Dresden am Freitag, 2. Oktober, in die Dresdner Innenstadt ein. Vom Neumarkt an der Frauenkiche bis zur Prager Straße beteiligen sich zahlreiche Händler und die großen Einkaufsgalerien an der Aktion.

Die S-Bahn Dresden wird immer stärker genutzt. In diesem Jahr sei die Nachfrage gegenüber 2018 um über sechs Prozent gestiegen, erklärt Burkhardt Ehlen, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Oberelbe (VVO). Gerade während der Hauptverkehrszeiten würden die jetzigen Doppelstockwagen auf der Strecke der S1 zwischen Meißen und Dresden regelmäßig die Kapazitätsgrenzen erreichen. 

Auch in den Zügen der S2, die zwischen Pirna und Flughafen Dresden verkehrt, wird es eng, da viele Pendler aus dem Industriegebiet in Klotzsche die Linie nutzen. Die bisher rund 200 Sitzplätze reichten regelmäßig nicht mehr aus. Zwar bleibe in Dresden niemand auf dem Bahnsteig stehen, so Ehlen. Dennoch müsse in den nächsten Jahren etwas passieren, um die steigende Nachfrage im öffentlichen Personennahverkehr zu kompensieren. Hinzu komme, dass der weitere Ausbau des Nahverkehrs auch politisch gewollt sei – deshalb bräuchte es schnell Zukunftskonzepte.

Was unterscheidet die neuen Triebwagen von den alten Loks?

So viel vorweg: Der Fahrgast selbst wird künftig kaum feststellen, dass er in einem neuen Triebwagen sitzt. Das gesamte Ambiente wurde den Wagen angepasst, die bereits auf den Schienen unterwegs sind, erklärt Sven Maiwald vom Schienenfahrzeughersteller Bombardier Transportation, der den neuen Doppelstock-Triebwagen unter dem Namen Twindexx seit einigen Jahren fertigt. Nur etwas kürzer sei er – und vor allem effizienter. „Die Kapazität und die Antriebstechnik – das sind die entscheidenden Neuerungen“, so Maiwald. Im neuen Triebwagen sind 90 zusätzliche Sitzplätze vorhanden, inklusive zwölf zusätzlicher Fahrradstellplätze. Und: Im Gegensatz zu den alten Loks kann die Bremsenergie der angetriebenen Steuerwagen zurückgespeist werden. „Dadurch könnten rund 25 Prozent der verbrauchten Energie zurückgewonnen und so allein bei der S-Bahn Dresden rund 1.300 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden“, ergänzt Stephan Naue, Produktmanager bei der Deutschen Bahn. Die neuen Doppelstock-Triebwagen verkehren bisher in Bayern – auf der Strecke zwischen Nürnberg und München.

Projektmanager Stefan Horn bei der ersten offiziellen Probefahrt. In der S-Bahn ist alles farblich in blau und grau aufeinander abgestimmt, sogar das Licht. 
Projektmanager Stefan Horn bei der ersten offiziellen Probefahrt. In der S-Bahn ist alles farblich in blau und grau aufeinander abgestimmt, sogar das Licht.  © Marion Doering
Im neuen Triebwagen sind 90 zusätzliche Sitzplätze vorhanden. 
Im neuen Triebwagen sind 90 zusätzliche Sitzplätze vorhanden.  © Marion Doering
Zugführer Frank Schümer aus Bayern. In dem Freistaat fahren die neuen Triebwagen bereits. 
Zugführer Frank Schümer aus Bayern. In dem Freistaat fahren die neuen Triebwagen bereits.  © Marion Doering

Wie viele Triebwagen braucht es und was muss investiert werden?

Geplant ist, dass die neuen Triebwagen mit alten Bestandswagen kombiniert werden. Ein Triebwagen könnte einen bis zu vierteiligen Zug speisen, erklärt Maiwald. Mit zwei Triebwagen wären sogar bis zu achtteilige Züge möglich – allerdings würde das die Fahrdynamik beeinträchtigen und könnte zu längeren Fahrzeiten führen. Bislang verkehrt die S-Bahn Dresden mit zwei Wagen, für den Ausbau in der Zukunft würden laut Ehlen 15 Twindexx-Steuerwagen benötigt. Die Investitionskosten: rund 70 Millionen Euro. 

Die Geschäftsstelle des VVO ist damit beauftragt worden, zusammen mit dem Freistaat Sachsen ein Finanzierungskonzept zu erarbeiten. Man sei im Gespräch, konkrete Signale gäbe es bisher aber nicht. Klar sei: Aus dem laufenden Haushalt des VVO könnten die Kosten nicht getragen werden. „Wir hoffen auch, dass Regionalisierungsmittel des Bundes, die 1,2 Milliarden Euro über vier Jahre umfassen, helfen, ein Projekt wie dieses umzusetzen“, so Ehlen. Der aktuelle Verkehrsvertrag läuft bis 2027. Bis zum Auslaufen zu warten und dann neu zu verhandeln, sei laut Ehlen nicht möglich. Denn ändere sich bis dahin nichts, bekäme man in jedem Fall Probleme mit der Personenbeförderung.

Welches Zeitfenster ist für die Umstellung realistisch?

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Einen Einsatz ab 2022 auf der Schiene sei laut Naue von der Deutschen Bahn möglich. Der Bau eines neuen Twindexx-Triebwagens dauert etwa zwei Jahre. Die Fahrzeuge werden in weiten Teilen im Werk Görlitz von Bombardier Transportation gefertigt. Die Laufzeit liege bei rund 20 Jahren. Die Altfahrzeuge, die mit den neuen Wagen gekoppelt werden sollen, stammen aus dem Jahr 2007, die aktuell noch fahrenden Loks bereits aus den 80er-Jahren. Weiterverwendet würden diese nach der Umstellung nicht mehr. Es sei dann „qualifiziertes Recycling“ angesagt, so Maiwald.

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