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ZDF-Sommerinterview: So weit östlich war es noch nie

Am Sonntag nahm der Fernsehsender ein Interview mit AfD-Chef Chrupalla am östlichsten Punkt Deutschlands auf. Sehr zur Freude des Eigentümers.

Nikolaus von Gayling vor dem östlichsten Punkt Deutschlands.
Nikolaus von Gayling vor dem östlichsten Punkt Deutschlands. © Nikolaus von Gayling

Zentendorf. Als sich ZDF-Reporter Theo Koll und AfD-Vorsitzender Tino Chrupalla am Sonntag im ZDF-Sommerinterview trafen, verfolgte ein Mann in den Kulissen das Rededuell, der das Treffen der beiden an diesem Ort ermöglicht hatte.

Denn der östlichste Punkt Deutschlands in Zentendorf, wo das Interview am Sonntagvormittag aufgezeichnet worden war, gehört ihm: Nikolaus von Gayling. Der 78-jährige Land- und Forstwirt hatte sich extra für diesen Fernsehdreh auf seinem Grundstück ins Auto gesetzt, um nach zehn Stunden Fahrtzeit an der Neiße einzutreffen. Gayling lebt in Freiburg im Breisgau, im Südwesten Deutschlands. Dort gehört dem Vater von fünf Kindern, der sich einst in Südbaden für die FDP im Stadtrat engagierte, das Schloss Ebnet.

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Um den östlichsten Punkt bei der Übertragung richtig zur Geltung zu bringen, hatte von Gayling nicht nur die Reise angetreten, sondern auch ein großes Transparent anfertigen lassen. Es schaffte es leider nicht ins Fernsehen, ein bisschen zur Enttäuschung des Barons. Dass der im Grunde aber unbekannte Ort durch das ZDF-Gespräch einem großen  Publikum vorgestellt wurde, entschädigte ihn aber durchaus.

So begrüßten sich AfD-Chef Tino Chrupalla (li.) und ZDF-Reporter Theo Koll am östlichsten Punkt Deutschlands.
So begrüßten sich AfD-Chef Tino Chrupalla (li.) und ZDF-Reporter Theo Koll am östlichsten Punkt Deutschlands. © Nikolaus von Gayling

Absage für Bad Muskau

Dabei sollte das Interview ursprünglich gar nicht in Zentendorf stattfinden. Die erste Wahl für den AfD-Vorsitzenden war der Park Bad Muskau. Das liegt nahe. Denn wer die Pückler-Dauerausstellung im Schloss besichtigt, der wird einen Hinweis finden, dass Chrupalla und seine Malerfirma an der denkmalgerechten Ausmalung seinerzeit mitgewirkt hatten. Doch das Finanzministerium untersagte letztlich den Dreh im Park. So kam Zentendorf ins Spiel.

"Das ging alles ganz kurzfristig und ohne große Umstände", sagt Nikolaus von Gayling gegenüber der SZ. In den Besitz des östlichsten Grundstückes des Landes kam er kurz nach der Wiedervereinigung. Anfangs wollte er den enteigneten Familienbesitz in Mecklenburg-Vorpommern zurückkaufen. Als das aber fehlschlug, bot ihm der Bund verschiedene andere Forstflächen an. Mehrfach kam er nicht zum Zuge, doch dann erwarb er einen Wald bei Deschka. Im Laufe der Zeit rundete er seinen Besitz ab, kaufte kleinere Waldflächen hinzu, darunter auch in Biehain und in Daubitz, mittlerweile gehören ihm mehrere Hunderte Hektar.  Irgendwann bot ihm eine Frau auch eine Wiese an - das Grundstück am östlichsten Punkt Deutschlands. Von Gayling griff zu.

Das ZDF brachte das gesamte Equipment an die Neiße.
Das ZDF brachte das gesamte Equipment an die Neiße. © Nikolaus von Gayling

Unterstützer der Kulturhauptstadtbewerbung

Mit der Oberlausitz und der Neißeregion hatte die Familie von Gayling-Westphal bis dahin nichts zu tun. Seit über 200 Jahren gehört ihnen Grundbesitz im Südwesten Deutschlands, darunter auch das Schloss Ebnet in Freiburg. Ein Vorfahr, der als Reisemarschall beim Großherzog von Baden amtierte, erwarb es 1811 für die Familie. Die Vorbesitzer, die Familie von Sickingen, ist durch Franz von Sickingen in die deutsche Geschichte eingegangen: Der Reichsritter bot Luther als einer der ersten Schutz an. 

Einziger SZ-Abonnent in Freiburg

Von Gayling hat aber den Erwerb der Grundstücke rund um Görlitz auch zum Anlass genommen, sich für die Entwicklung der Stadt zu interessieren. Als sie sich zusammen mit Zgorzelec für Europas Kulturhauptstadt bewarb, gründete er einen Verein in Freiburg, dem sich zahlreiche Görlitzliebhaber anschlossen. Noch heute findet es von Gayling schade, dass Görlitz im Finale von Essen geschlagen wurde. 

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Das Sommerinterview mit Tino Chrupalla in der ZDF-Mediathek.

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