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Bauarbeiter gehen Schule auf den Grund

In dem Boxberger Gebäude wird das Unterste zuoberst gekehrt. Manche Technik stammte noch aus den 60er Jahren.

Stefan Köther, Mitarbeiter einer Hoch-und Tiefbaufirma aus Weißwasser, bereitet im Untergeschoss der Grundschule Boxberg einen Kanal für das neue Rohrleitungsnetz zur Abwasserentsorgung vor.
Stefan Köther, Mitarbeiter einer Hoch-und Tiefbaufirma aus Weißwasser, bereitet im Untergeschoss der Grundschule Boxberg einen Kanal für das neue Rohrleitungsnetz zur Abwasserentsorgung vor. © Joachim Rehle

Boxberg. Wie viel alten Beton die Bauhandwerker von Grabein Bau aus Weißwasser aus dem Keller der Grundschule Boxberg nach draußen gekarrt haben, vermag Norbert Reimann nicht zu sagen. Mindestens 60 Kubikmeter werden es gewesen sein, schätzt der Mitarbeiter des Bauamts der Gemeinde Boxberg. Er zollt den Männern Respekt. Über eine schiefe Ebene haben sie den herausgebrochenen Bauschutt mit Schubkarren aus dem Keller auf den Schulhof befördert. So einige Container wurden damit befüllt. Da war Ranklotzen im wahrsten Sinne des Wortes gefragt.

Derzeit läuft der zweite Bauabschnitt zur brandschutztechnischen Ertüchtigung der Grundschule Boxberg. 1,3 Millionen Euro gibt die Gemeinde – verteilt auf drei Jahre – dafür aus, davon kommen reichlich 900.000 Euro aus Fördertöpfen des Freistaats zur Ländlichen Entwicklung.

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Das Schulgebäude in Boxberg mit Grund- und Freier Oberschule ist seit 2016 immer wieder eine Baustelle. Während der energetischen Sanierung der Fassade und des Umbaus des Obergeschosses zum Begegnungszentrum waren 2017 gravierende brandschutztechnische Mängel zutage getreten. Da hatten sich die technischen Anlagen des Gebäudes noch auf dem Stand vom Ende der Sechziger Jahre befunden. Zum Winterhalbjahr 1971 war die Schule in Boxberg in Betrieb gegangen. Ein Gutachten hatte 2018 beispielsweise ergeben, dass die Rohrdurchbrüche im Gebäude aus Brandschutzgründen nicht mehr tragbar sind. Das brachte die Gemeinde in den Zugzwang, nach der Oberschule auch den anderen Gebäudeteil mit der Grundschule zu sanieren. Das passiert nun in drei Jahresscheiben.

In einem ersten Bauabschnitt waren im Sommer 2019 die Toilettenanlagen in allen Etagen erneuert worden. Jetzt sind Küche und Speiseraum dran. Die Aufträge dafür hatte der Gemeinderat Boxberg Anfang Mai vergeben und dabei beklagt, dass es für einige Lose zu wenig Angebote gab. Auch lagen diese zum Teil über der Kostenberechnung, was jedoch der Marktlage geschuldet sei, wie es hieß.

Während Schüler und Lehrer ihre Ferien genießen, gehen die Bauhandwerker quasi der Schule auf den Grund. Soll heißen, die Bodenplatte wurde herausgerissen wie auch sämtliche darin befindlichen alten Ver- und Entsorgungsleitungen. Diese werden neu verlegt. Darüber wird der Fußboden gänzlich neu aufgebaut – einschließlich einer Dämmung, die bisher nicht existierte. Die Elektrik wird vollkommen neu installiert, neue Verteilerschränke eingebaut und die Beleuchtung auf energiesparende LED umgestellt. Auch werden die Decken abgehangen. „Mit dem Schallschutz, den es bisher nicht gab, verschwindet die Atmosphäre einer Bahnhofshalle“, sagt Norbert Reimann. Das sei eine ganz erhebliche Verbesserung, denn dann könne man sich im Speiseraum endlich auch ganz normal unterhalten.

Wenn nach den Sommerferien die Schule wieder losgeht, sollen die lärmintensiven Arbeiten erledigt sein. Dann folgt der Innenausbau mit Elektrik, Maler und Fliesenleger. Nach den Herbstferien soll auch das beendet sein. Nach aktuellem Stand der Dinge werden die Bauhandwerker das schaffen. „Die Jungs sind richtig toll“, lobt Norbert Reimann.

Von außen nicht erkennbar, aber innen eine Baustelle: In der Grundschule Boxberg werden Küche und Speiseraum auf Vordermann gebracht.
Von außen nicht erkennbar, aber innen eine Baustelle: In der Grundschule Boxberg werden Küche und Speiseraum auf Vordermann gebracht. © Constanze Knappe

Bauantrag für Aula gestellt

In einem dritten Bauabschnitt sind 2021 Flure und Innentüren den neuen brandschutztechnischen Vorgaben anzupassen. Dabei werden in den Fluren die Decken abgehangen und die Elektrik erneuert. Die Klassenzimmer werden bei laufendem Schulbetrieb renoviert. Die Klassen werden dafür nacheinander umziehen.
Nebenan in der Freien Oberschule ist derweil die Aula ausgeräumt. Wie Norbert Reimann sagt, ist der Bauantrag gestellt. 2022 sollen der Zwischenbau und die Aula saniert werden. Und weil der Freien Oberschule Klassenräume fehlen, sollen bei der Gelegenheit gleich noch zwei neue Klassenzimmer entstehen. Mit einer Trennwand dazwischen, so dass man sie auch als einen großen Raum nutzen kann. Die Bauarbeiten werden sich wohl bis 2025 hinziehen.

Bei laufendem Schulbetrieb lasse sich Vieles nun mal nicht von jetzt auf gleich machen. „Einfacher wäre es für alle Beteiligten, die Schule leerzuziehen“, sagt Norbert Reimann. Doch dafür hätte es einer nicht gerade billigen Containerlösung bedurft. In Anbetracht der finanziellen Situation der Gemeinde Boxberg hatte man sich von dieser Idee jedoch wieder verabschieden müssen. Ohnehin sei das ganze Vorhaben nur mit Fördermitteln umsetzbar.

Für die energetische Sanierung des Schulgebäudes hatte sich die Gemeinde Boxberg seinerzeit in mehreren Anläufen um eine Förderung bemüht. Schließlich gelang es, drei verschiedene Fördertöpfe anzugraben. Damit wurde die Fassade erneuert, das Dach neu gedeckt und im Obergeschoss ein Begegnungszentrum eingerichtet, welches im Oktober 2018 eröffnet wurde. Alles in allem 1,8 Millionen Euro standen dafür am Ende zu Buche. Da war aber bereits klar, dass es danach an der Grundschule weitergehen müsse.
Als großes Ziel bleibe noch die Turnhalle. Doch dahinter stehen viele Fragezeichen: Zum einen, wie es der Gemeinde Boxberg gelingen könnte, dafür ihren Eigenanteil zu stemmen. Und zum anderen sei es auch nicht so einfach, Ersatzmöglichkeiten für die Nutzer zu finden.

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