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"Tagesspiegel"-Streit: Bautzens OB legt nach

Nach kritischen Berichten hat Alexander Ahrens dem Berliner Blatt „Rassismus“ gegen Sachsen vorgeworfen. Jetzt verbreitet er anonyme Vorwürfe.

Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) hat auf seiner Facebook-Seite anonyme Vorwürfe gegen die Grünen-Stadträtin Annalena Schmidt und einen Reporter des Tagesspiegel veröffentlicht.
Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) hat auf seiner Facebook-Seite anonyme Vorwürfe gegen die Grünen-Stadträtin Annalena Schmidt und einen Reporter des Tagesspiegel veröffentlicht. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Der Oberbürgermeister von Bautzen  Alexander Ahrens (SPD) legt im Streit mit dem "Tagesspiegel" nach. Am Sonntag verbreitete er bei Facebook ein anonymes Schreiben. Der Text richtet sich vor allem gegen den "Tagesspiegel"-Journalisten Sebastian Leber und die Grünen-Stadträtin Annalena Schmidt. Der nicht genannte Verfasser wirft ihnen unter anderem ihre Herkunft aus Westdeutschland vor und unterstellt beiden Mängel in der Ausbildung. Der Tagesspiegel-Autor agiere im „Relotius-Stil“. Es gehe ihm in erster Linie darum, sich in die Vorurteile „linker Westler“ einzuschleimen. Annalena Schmidt führe einen „sektiererischen Kampf“.

Anlass des Konflikts sind zwei Berichte, die in den vergangenen Tagen im Tagesspiegel erschienen sind. Diese befassen sich zum einen mit dem Einfluss der AfD auf die örtliche Politik, zum anderen mit den „Corona-Protesten“ entlang der B 96, die mittlerweile stark von Rechtsextremen geprägt sind.

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Vorwurf: Rassismus gegen Sachsen

"Tagesspiegel"-Reporter Leber wirft die Frage auf, warum diese ihre Ideologie gerade in der Oberlausitz so offen zeigen können. Einen Grund sieht er in der unkritischen Haltung der lokalen Politik. In diesem Zusammenhang zitiert er ausführlich Annalena Schmidt. Die Grünen-Stadträtin kritisiert: Rechtes Gedankengut sei in Bautzen über Jahre normalisiert und verharmlost worden. Dies lastet sie persönlich auch dem Oberbürgermeister an. Der "Tagesspiegel" zitiert sie mit den Worten: „Die Strategie des Oberbürgermeisters, mit den Rechten zu reden, ist total gescheitert.“

Bereits in der vergangenen Woche hatte Alexander Ahrens mit einem eigenen Leserbrief auf die Berichterstattung reagiert. Darin wirft der dem Berliner Blatt vor, ein Zerrbild zu verbreiten: Der "Tagesspiegel" betreibe „Sachsen-Bashing“ – „eine Form von Rassismus“.

Vor allem die Verwendung des Begriffs Rassismus brachte Ahrens Kritik ein - auch aus der Bundes-SPD. Die Reaktionen auf seiner Facebook-Seite fielen hingegen überwiegend positiv aus. Auch eine Antwort des "Tagesspiegel"-Journalisten hat er dort mittlerweile veröffentlicht.

Die Facebook-Seite des Oberbürgermeisters ist ein offizielles Angebot der Stadtverwaltung Bautzen. Verantwortlich für die Veröffentlichungen ist laut Impressum Alexander Ahrens selbst. Dieser erklärt auf Anfrage von Sächsische.de: Der Autor des Textes  sei ein pensionierter Studiendirektor aus Berlin. Das ehemalige SPD-Mitglied kenne Bautzen und verfolge die Ereignisse in der Stadt. 

Die Veröffentlichung sei anonym erfolgt, "weil noch kein Einverständnis des Verfassers zur namentlichen Veröffentlichung eingeholt wurde." Warum dies nicht geschah, lässt der OB offen. Immerhin liegt der Brief nach seinen Worten schon einige Tage in der Stadtverwaltung vor. Auch ein zweiter Punkt ist merkwürdig: Angeblich hat der Verfasser das Schreiben auch an den "Tagesspiegel" geschickt. Dort war am Montag von einem solchen Leserbrief allerdings nichts bekannt. 

Hentschke Bau will gegen Bericht vorgehen

Unterdessen hat sich auch das Bautzener Unternehmen Hentschke Bau zur Berichterstattung des "Tagesspiegels" positioniert: Man bewerte den Text als "Schlag ins Gesicht der Region und unseres Unternehmens", heißt es in der Erklärung. Die Zeitung hatte unter anderem berichtet, Hentschke-Bau-Geschäftsführer Jörg Drews gebe viel Geld aus "für das Sponsoring von Sportvereinen und Kulturveranstaltungen, aber auch für Plattformen, die im Internet Verschwörungsmythen verbreiten." Zudem wirft das Blatt dem Unternehmer die Organisation eines Bürgerforums mit einem Referenten vor, der für antisemitische Thesen bekannt sei.

Das Unternehmen stellt hierzu fest: "Der Geschäftsführer der Hentschke Bau GmbH, Jörg Drews, ist als Person in keiner Weise an den Protesten an der B96 beteiligt." Es gebe kein persönliches Engagement, keine finanzielle Unterstützung und keine politischen oder unternehmerischen Verbindungen zu den Organisatoren der Proteste. 

Dass Hentschke Bau und Drews dennoch im Beitrag genannt würden, werte man "als Versuch der gezielten Diskreditierung und Geschäftsschädigung." Das Unternehmen kündigt daher an, juristisch gegen den "Tagesspiegel" vorzugehen.

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