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Bierrunde endet im Desaster

Weil er mit zwei Promille einen Unfall baute, sitzt ein Dresdner vor Gericht. Doch nicht nur juristisch hat die Sache für ihn Konsequenzen.

Es ist viel Bier geflossen an diesem Nachmittag in Moritzburg. Dennoch setzt sich der Angeklagte ins Auto.
Es ist viel Bier geflossen an diesem Nachmittag in Moritzburg. Dennoch setzt sich der Angeklagte ins Auto. © Symbolfoto: dpa

Meißen.  Um der Großstadt zu entfliehen, hat sich der Dresdner eine kleine Oase geschaffen, in Moritzburg einen Garten gepachtet. Im Mai dieses Jahres hat er sich Urlaub genommen, will die Gartenlaube renovieren. Da taucht ein Freund auf. Nützt nichts, da muss die Renovierung eben warten. 

Die beiden trinken Bier, sechs Flaschen will der 39-Jährige in einer knappen Stunde geleert haben. Später kommt ein weiterer Freund, wieder fließt Bier. Dennoch setzt sich der Mann kurz nach 19 Uhr in seinen Opel, will zurück nach Dresden fahren. Weit kommt er nicht. 

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Auf der Schlossallee kracht er auf ein an der Kreuzung wartendes Auto. In diesem sitzen eine schwangere Frau und ein kleines Kind. Zum Glück wird niemand verletzt, es entsteht aber ein Fremdschaden von 5.000 Euro.

Wegen des Unfalls sitzt er nun vor dem Meißner Amtsgericht. Vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Doch schon vor der Verhandlung hatte die Sache für den Dresdner Konsequenzen. 

Er verdient nämlich mit Autofahren sein Geld, ist zudem Alleinverdiener in der kleinen Familie. Die Polizei behält nach dem Unfall den Führerschein ein. Von seiner Firma wird der Kurierfahrer fristlos entlassen. Arbeitslosengeld bekommt er nicht, er hätte sowieso eine dreimonatige Sperre, weil er seine Kündigung selbst verursacht hat. So ist er jetzt erst einmal krankgeschrieben. 

Der Sohn hatte Sehnsucht

An der Tat selbst gibt es nichts zu deuteln. Schon vor Ort stellten die Polizisten starken Alkoholgeruch und Ausfallerscheinungen fest. "Seine Aussprache war verwaschen, er wankte, war definitiv stark alkoholisiert", sagt eine Polizistin. Die Blutalkoholprobe bestätigt den Verdacht.

Sie ergibt einen Blutalkoholwert von  zwei Promille.  Auch der Arzt hat "deutlich unter Alkoholeinfluss stehend" im Protokoll angekreuzt, konnte aber bestimmte Ausfallerscheinungen nicht feststellen. So sei der Gang sicher, der Denkablauf geordnet gewesen. Auch die Finger-Nasen-Probe meisterte der Mann. 

Für die Verteidigerin ist das ein Grund, den Vorsatz zu bestreiten. Die Tat sei nur fahrlässig begangen worden, sagt sie. Das ist entscheidend für die Höhe die Strafe. Zuvor hatte sie eine mitleidheischende Geschichte vorgetragen. Ihr Mandant habe gar nicht nach Hause fahren, sondern in der Laube übernachten wollen. 

Dann habe aber seine Lebensgefährtin angerufen,  und der vierjährige Sohn habe gebettelt, dass der Papa nach Hause kommen solle. Er sei traurig gewesen, vermisse ihn, wolle ihn bei sich haben, könne ohne ihn nicht einschlafen. Deshalb habe sich ihr Mandant hinreißen lassen,  ins Auto zu steigen. Sie spricht von einer "Kurzschlussreaktion". 

Das wird richtig teuer

Die Verteidigerin sieht keinen Vorsatz, man müsse die Gesamtumstände der Tat betrachten. Ihr Mandant habe sich fahrtauglich gefühlt, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er so stark betrunken war, sagt sie. 

Doch auf eine Frage des Staatsanwaltes gibt der Angeklagte eine verräterische Antwort. Ob er denn in diesem Zustand auch dienstlich gefahren wäre, will der Staatsanwalt wissen. Natürlich nicht, so der Angeklagte. Richter Michael Falk weist daraufhin, dass Rechtsmediziner von alkoholgewöhnten Menschen sprechen, wenn jemand mit zwei Promille noch mit dem Auto fahren kann.

Der Staatsanwalt bleibt dabei. Für ihn war es eine vorsätzliche Gefährdung des Straßenverkehrs. Er fordert eine Geldstrafe von 1.050 Euro. Die Fahrerlaubnis soll entzogen, der Führerschein eingezogen werden. Diesen soll er frühestens  in einem Jahr und drei Monaten wiederbekommen können.

Doch das Gericht verurteilt den Angeklagten nur zu einer Geldstrafe von 900 Euro und  zwölf Monaten Führerscheinentzug. Es sei ein Grenzfall. Er habe Zweifel, ob der Mann erkennen konnte, dass er fahruntauglich war, sagt der Richter und sieht nur eine Fahrlässigkeit.

Aber selbst die kommt den Angeklagten nun bitter zu stehen. Neben der Strafe und den Gerichtskosten wird er wohl auch für die Unfallkosten aufkommen müssen. Denn bei grober Fahrlässigkeit -  und das ist eine Alkoholfahrt - zahlt die Versicherung nicht beziehungsweise holt sich das Geld zurück. 

Um wieder einen Führerschein zu erlangen, muss der Mann eine medizinisch-psychologische Untersuchung bestehen. Allein diese kostet knapp einen Tausender. 

Hätte er keinen Unfall gebaut, wäre er, wie wohl so viele, davongekommen. Verkehrsexperten schätzen, dass nur jede 600. Alkoholfahrt aufgedeckt wird.  Diese Bierrunde aber endete für den Angeklagten im Desaster.

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