merken
PLUS Dresden

Blumen für die neue Rektorin, aber keine Studenten

Katrin Salchert ist die neue Rektorin der HTW Dresden. Der Start ins Amt verläuft anders als geplant.

Mehr Studentinnen, mehr Digitalisierung, mehr Forschung. Für die nächsten Jahre hat sich Katrin Salchert als neue Rektorin der HTW Dresden viel vorgenommen.
Mehr Studentinnen, mehr Digitalisierung, mehr Forschung. Für die nächsten Jahre hat sich Katrin Salchert als neue Rektorin der HTW Dresden viel vorgenommen. © HTW Dresden/Peter Sebb

Leere Treppenhäuser, verwaiste Gänge. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden ist verlassen. Am Telefon meldet sich der Pförtner. Die meisten Mitarbeiter seien im Homeoffice, am besten eine E-Mail schreiben, rät er. Die HTW ist wie viele andere Hochschulen im Corona-Modus. Schon vor ein paar Wochen hat das Sommersemester begonnen. Wenn auch vollkommen anders als sonst. Die Dozenten unterrichten ihre Studenten online. Grüppchenbildung auf den Bänken vor der Bibliothek in der Mittagspause – nicht in diesem Frühling. Auch für Katrin Salchert ist derzeit alles anders. Seit 1. April ist sie die neue Rektorin der HTW und die Nachfolgerin von Roland Stenzel. Ein Führungswechsel in ungewöhnlichen Zeiten.

Mitte Dezember gab es Blumen für sie. Der Erweiterte Senat der Hochschule hatte die Professorin zur neuen Rektorin gewählt. Der offizielle Amtsantritt vor ein paar Tagen verlief deutlich stiller. Klar hätte sie sich den Beginn ihres neuen Jobs anders gewünscht, sagt die promovierte Biochemikerin. „Aber ich freue mich einfach auf die Zeit, wenn wieder Studierende im Gebäude unterwegs sind und ich sie kennenlernen kann.“ Bis dahin hieße es eben, so gut es geht, mit der momentanen Situation umzugehen.

Anzeige
Prachtvolle Geschenkidee zu Weihnachten:
Prachtvolle Geschenkidee zu Weihnachten:

Zeitreisen verschenken mit TimeRide. Alle Gutscheine einlösbar an allen TimeRide Standorten in Berlin, Dresden, Frankfurt, Köln und München.

Auf die neuen Herausforderungen freut sich die 52-Jährige. Dass sich einige vielleicht noch wundern könnten, dass die Hochschule nun von einer Frau geführt wird, stört sie nicht. Als Chemikerin in den lange Zeit männerdominierten Naturwissenschaften ist sie solche Reaktionen gewöhnt. 

Wichtiges Thema: Digitalisierung der Hochschule

Die gebürtige Sächsin wuchs in Thüringen auf. Ihr Vater war Physiker. „Mein Interesse für Naturwissenschaften wurde schon sehr früh geweckt“, erzählt sie. Schon bald war die Chemie ihre Leidenschaft. „Es ist einfach faszinierend, dadurch neue Stoffe zu erschaffen.“ Sie studierte an der Universität Leipzig, promovierte dort 1996. Später war sie an der TU Dresden und am Dresdner Leibniz-Institut für Polymerforschung tätig. Als Mutter von zwei Kinder gestaltet sich die Arbeit als Wissenschaftlerin nicht immer einfach, blickt sie zurück. „Gerade die Zeitverträge in der Forschung machen es kompliziert.“ Ihr Mann und sie hätten sich aber immer gegenseitig unterstützt, damit Beruf und Familienleben für beide funktionierten.

Strategisch geplant hätte sie ihre Karriere nie. Oft hatte sie Glück, im richtigen Moment neue Wege gehen zu können. Wie im Jahr 2006. Da wird ihr an der Hochschule Lausitz, heute die Brandenburgische Technische Universität Cottbus - Senftenberg, die Professur Naturstoffchemie angeboten. Von Dresden trennte sie sich trotzdem nicht, pendelte seitdem. Im Jahr 2015 wurde sie Vizepräsidentin für Wissens- und Technologietransfer an ihrer ehemaligen Hochschule. Das Wissen aus den Laboren in die Praxis zu bringen, das liegt ihr sehr am Herzen. „Wahrscheinlich helfen mir dabei auch sehr meine Erfahrungen in der außeruniversitären Forschung.“ Gute Projekte anzustoßen oder Ergebnisse auch über die Projektlaufzeit hinweg im Blick zu behalten, das sei wichtig.

Nun ist sie HTW-Rektorin. Als sie die Ausschreibung für die Stelle sah, zögerte sie nicht lange mit ihrer Bewerbung. „Dieser Schritt fühlte sich von Anfang an richtig an“, sagt sie. Etwas Neues zu lernen, sich herausfordernden Aufgaben zu stellen, das treibe sie voran. Was sie jetzt an der Hochschule bewegen will? „Die HTW ist schon sehr forschungsstark, aber es gibt sicherlich an der einen oder anderen Stelle noch Luft nach oben.“

Forschungsstarke Lehrkräfte will sie deshalb vor allem für eine Tätigkeit an der HTW begeistern, den Transfer in die Wirtschaft noch mehr fördern. Das Selbstverständnis der Dresdner Hochschule hätte sich in den vergangenen Jahren dahingehend schon sehr stark verändert. „Das müssen wir jetzt weiter vorantreiben“, erklärt sie. Die Rahmenbedingungen müssten stimmen, damit Forschung möglich und finanzierbar ist.

Ein weiteres wichtiges Thema für sie: die Digitalisierung der Hochschule. Was gerade durch die Corona-Krise in der Lehre passiere, sei ein Feldexperiment, ein Reallabor. Sehr schnell mussten sich die Lehrenden in die Vermittlung ihres Stoffes durch digitale Kanäle einarbeiten. „Aber Digitalisierung muss eben auf allen Ebenen passieren.“ Gemeinsam mit den Verantwortlichen in der Verwaltung der HTW wolle sie deshalb auch schauen, welche digitalen Strategien dort genutzt werden könnten.

Weiterführende Artikel

Gemkow: Digitale Lehre kein Allheilmittel

Gemkow: Digitale Lehre kein Allheilmittel

Die Corona-Pandemie beschleunige die Digitalisierung an den Hochschulen in Sachsen, so der Wissenschaftsminister. Doch sie bringt auch viele Probleme.

Ein halber Semesterbeginn

Ein halber Semesterbeginn

Offiziell hat an den Hochschulen in Sachsen heute das Sommersemester angefangen. Doch Studenten und Professoren begegnen sich nur digital.

Unis in Sachsen bleiben wochenlang zu

Unis in Sachsen bleiben wochenlang zu

Das Wissenschaftsministerium hat die Sicherheitsvorkehrungen für die Hochschulen verschärft. Bis Anfang Mai müssen Studenten zu Hause bleiben.

In der Digitalisierung sieht Katrin Salchert noch eine andere Chance für die Hochschule. Sie könnte zum Zentrum für Kompetenzvermittlung in diesem Bereich werden. Die Einrichtung arbeitet schon heute eng mit dem Mittelstand zusammen. „Wir könnten Angebote schaffen, um die Unternehmen bei ihrer digitalen Strategie zu unterstützen.“ Die Qualifizierung von Personal sei dafür nur eine Möglichkeit. Eine zentrale Frage bleibt aber auch weiterhin, was die Studierenden möchten. Wie Angebote für sie attraktiv gestaltet werden können. „Wir wollen neue Zielgruppen erreichen und internationaler werden“, sagt Katrin Salchert. Über einen höheren Anteil an Studentinnen würde sich die Rektorin besonders freuen.

Mehr zum Thema Dresden