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Boxberg sucht ein Fahrgastschiff

Zwei Anlanderampen sind fertig, die Ausflugsfahrt auf dem Bärwalder See aber noch längst nicht in trockenen Tüchern.

Nagelneu ist die Anlanderampe am Ufer in Klitten, aber noch ist kein Schiff in Sicht.
Nagelneu ist die Anlanderampe am Ufer in Klitten, aber noch ist kein Schiff in Sicht. © Constanze Knappe

Die Gemeinde Boxberg sucht einen Betreiber für die Fahrgastschifffahrt auf dem Bärwalder See. Wieder einmal. Dazu wurde jetzt ein sogenanntes Interessenbekundungsverfahren eingeleitet. Gemäß dem Strategiekonzept „Tourismus Bärwalder See 2025“ soll ein gewerblicher Dienstleister die Ausflugsschifffahrt dauerhaft gewährleisten. Das moderne, umweltfreundliche und barrierefreie Fahrgast- oder Ausflugsschiff könnte neben Rundfahrten auch einen Linienverkehr zwischen den Uferbereichen Boxberg und Klitten, später auch Uhyst, anbieten. Idealerweise sollte auch der Transport von Fahrrädern möglich sein. Interessenten können sich bis zum 31. Oktober in der Gemeindeverwaltung Boxberg bewerben. Sie müssen dafür auch „alle notwendigen Unterlagen zum Nachweis der Eignung“ einreichen.

In Projektträgerschaft des Bergbausanierers LMBV entstanden mit den Schiffsanlegern am Klittener und Boxberger Ufer die ersten Voraussetzungen für eine erweiterte Schifffahrt. Außerdem wurden Anschlüsse zur Strom- und Trinkwasserversorgung, zur Schmutzwasserentsorgung sowie zur Beleuchtung verlegt.

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Die Fahrgastschifffahrt auf Sachsens größtem Binnensee ist so etwas wie eine unendliche Geschichte. Sie war von Beginn an eines der Ziele zur Entwicklung des Tourismus – und schon ein Thema, als 2003 die Planungen für den Bootshafen Klitten in Auftrag gegeben wurden. 2008 war der See komplett geflutet. Im Mai 2011 verkündete Investor Arndt Gundlach, dass er die Fahrgastschifffahrt anbieten möchte. Schon einen Monat später stach am Pfingstmontag ein Schiff zur Jungfernfahrt in See. Die 1985 gebaute Motorbarkasse „Jasua“ bot zwölf Fahrgästen Platz und brauchte etwa 20 Minuten für die vier Kilometer Wasserweg zwischen den Ufern in Klitten und Boxberg. Nach der Testphase schipperte sie den Rest des Sommers über den See. Im darauffolgenden Winter musste der Schiffsrumpf von einer 20 Zentimeter dicken Eisschicht befreit werden. Zum Saisonstart 2012 hieß es, dass die „Jasua“ Wasserski-Fahrer über den See ziehen könnte.

Zwei Jahre später bekam der Traum von der regelmäßigen Ausflugsschifffahrt den ersten Dämpfer. Die „Jasua“ hätte zur technischen Abnahme gemusst, doch wegen der zu geringen Wassertiefe hatte sich das Heraushieven mit dem Kran erheblich verteuert. Aber ohne technische Überprüfung musste das Schiff pausieren. Es wurde später zwar zur Reparatur an Land geholt, aber nie wieder zu Wasser gelassen.

Im Juli 2016 leitete die Gemeinde Boxberg zum ersten Mal ein Interessenbekundungsverfahren für die Fahrgastschifffahrt ein. Gesucht wurde ein Investor für ein Ausflugsschiff mit 130 Plätzen. Arndt Gundlach, der seinerzeit eine Segelschule betrieb, einen Leuchtturm aufstellte und ein Bistro baute, bewarb sich nicht. Er hat sich mittlerweile sogar vollkommen vom Bärwalder See zurückgezogen.

Helling fehlt noch immer

Als Interessenten brachten sich im Sommer 2016 Armin und Carmen Hoffmann, ihres Zeichens Geschäftsführer der kurz zuvor neu gegründeten Erlebnisschifffahrt Oberlausitz GmbH, ins Spiel. Sie planten Rundfahrten und Linienverkehr mit einem Fahrgastschiff für 650 Gäste. Dieses sollte von einem Stausee im Hochsauerlandkreis nach Boxberg umgesetzt werden. Da für so ein großes Schiff größere Anlegestellen erforderlich sind, würde es wohl nicht vor 2018 in See stechen, hieß es. Ministerpräsident Stanislaw Tillich sollte im März 2018 einer der ersten Gäste sein. Doch dazu kam es nicht. Und das nicht nur, weil der Landesvater vorher seinen Hut nahm.

Zuvor hatten im April 2017 Gemeinde und LMBV eine Vereinbarung geschlossen über die Planung, Realisierung und ingenieurtechnische Baubegleitung. Doch erst im Februar 2019 begannen Bauarbeiten für die Anlanderampen in Boxberg und Klitten. Sie wurden zwar im Februar 2020 fertiggestellt, aber die Helling, um das Schiff überhaupt ins Wasser hinein- und wieder herauszuheben, fehlt noch immer. Frühestens 2023 könnte sie gebaut werden, Ende 2024 dann die Anlanderampe in Uhyst.

Dass es immer wieder Verzögerungen gab, hat den bisherigen Investor offenbar bewogen, von seinem Vorhaben Abstand zu nehmen. Von der Gemeinde heißt es dazu: „Die bisherige potenzielle Interessentin zur Betreibung der großen Fahrgastschifffahrt auf dem Bärwalder See, die Erlebnisschifffahrt Oberlausitz GmbH, hat uns offiziell über die Beendigung des Engagements in Boxberg/Oberlausitz informiert.“

Nun also ein neuer Anlauf mit einem erneuten Interessenbekundungsverfahren für die große Fahrgastschifffahrt. Die Gemeinde kämpft um die Beschleunigung des laufenden Verwaltungsverfahrens der Landesdirektion zur Schiffbarkeit auf dem Bärwalder See. Verwaltung, Räte, touristische Anbieter sowie die an und auf dem See agierenden Verbände und Vereine sind sich einig: „Die touristische Entwicklung rund um den größten Binnensee des Freistaates Sachsen ist im Hinblick auf die bevorstehenden wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen des geplanten Kohleausstiegsgesetz und den weiteren Strukturwandel bisher eine kleine, aber aktuell auch die einzige fassbare Alternative.“

Anfragen zur Ausschreibung: [email protected]

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