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Rechter Treff in Mättigs Geburtshaus?

Jetzt ist klar, wo in Bautzen der rechtsextremistische Rapper Chris Ares sein Geschäft eröffnen will. Der Ort hat eine besondere Bedeutung für die Stadt.

In diesem Bautzener Haus will der rechte Rapper Chris Ares zusammen mit einem Kompagnon ein Geschäft eröffnen. Die Mättig-Stiftung protestiert, denn es handelt sich um das Geburtshaus des Arztes, Ratsherren und Mäzens Gregorius Mättig.
In diesem Bautzener Haus will der rechte Rapper Chris Ares zusammen mit einem Kompagnon ein Geschäft eröffnen. Die Mättig-Stiftung protestiert, denn es handelt sich um das Geburtshaus des Arztes, Ratsherren und Mäzens Gregorius Mättig. © Steffen Unger

Bautzen. Was Oberbürgermeister Alexander Ahrens (SPD) vergangene Woche im Stadtrat verkündet hat, ist jetzt auch von Amtsseite bestätigt: Chris Ares hat in Bautzen ein Gewerbe angemeldet. Laut der Auskunft aus dem Gewerberegister, die Sächsische.de vorliegt, haben Christoph Aljoscha Zloch (bürgerlicher Name von Chris Ares) und Jan David Fautz zum 1. September 2020 ihr Geschäft angemeldet. Mit der „Ares & Fautz Art Company UG“ wollen sie Tätowierungen anbieten sowie Kleidung und Tonträger verkaufen.

Der 28-jährige Musiker Chris Ares wird vom bayerischen Verfassungsschutz beobachtet. Zur Begründung heißt es: Ares unterhalte engen Kontakt zur Identitären Bewegung und verbreite in seinen Texten die Ideologie der rechtsextremen Gruppierung. Mehrere Streamingdienste wie Amazon, Spotify und ITunes haben Ares von ihren Plattformen verbannt. Spotify teilte zur Begründung mit: Man dulde keine Inhalte, die hauptsächlich zu Hass oder Gewalt aufrufen. 

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Jan David Fautz arbeitet unter dem Namen JD als Tätowierer. Die Unternehmergesellschaft - UG mit beschränkter Haftung - von Ares und Fautz befindet sich noch in Gründung. Diese Rechtsform ist einer GmbH - Gesellschaft mit beschränkter Haftung - sehr ähnlich. Der entscheidende Unterschied: Um eine GmbH zu gründen, müssen mindestens 25.000 Euro eingezahlt werden, bei einer UG ist es dagegen nur ein Euro. Sowohl bei einer GmbH als auch bei einer UG haften die Inhaber nur mit dem Gesellschafts- und nicht mit ihrem Privatvermögen. 

Das Bild am Bautzener Stausee hatte Chris Ares (rechts) vor einer Woche auf Instagram gepostet und dann wieder gelöscht. Darauf sind auch Markus Baumgart (2. v. r., Inhaber von Isegrim Fashion aus Cunewalde) und Jan David Fautz (3. v. r.) zu sehen.
Das Bild am Bautzener Stausee hatte Chris Ares (rechts) vor einer Woche auf Instagram gepostet und dann wieder gelöscht. Darauf sind auch Markus Baumgart (2. v. r., Inhaber von Isegrim Fashion aus Cunewalde) und Jan David Fautz (3. v. r.) zu sehen. © Screenshot Instagram

Mit der Gewerbeanmeldung ist auch klar, wo Ares und Fautz ihr Geschäft eröffnen wollen: in der Wendischen Straße 1. Um den genauen Standort gab es zuletzt noch Spekulationen. Wie die Stadtverwaltung auf Anfrage mitteilte, habe es am vergangenen Donnerstag Gespräche zwischen dem OB und dem Vermieter gegeben. Ein Mietvertrag existiere bereits, wobei die Stadtverwaltung keine Details dazu veröffentlicht hat. Ob nun Ares, Fautz oder ein Mittelsmann als Mieter eingetragen ist, ist unklar.

Der Vermieter selbst hat gegenüber Sächsische.de das Gespräch bestätigt, verweist aber für alle weiteren Anfragen auf das Büro des OB. Demnach habe Alexander Ahrens den Vermieter für das Thema sensibilisiert. Dieser wolle den Vertrag nun prüfen. Stadtsprecherin Laura Ziegler erklärt, dass der Vermieter nach eigener Aussage nicht gewusst habe, mit wem er da einen Vertrag schließt.

Nachdem die Fraktionen des Bautzener Stadtrates überwiegend mitgeteilt hatten, sich der Erklärung des Oberbürgermeisters gegen Rechtsextremismus und gegen die Pläne von Chris Ares anzuschließen, hat sich an diesem Montag auch die Mättig-Stiftung mit einem offenen Brief an die Bautzener Bürgerschaft, den OB und die Medien gewandt. „Aktueller Anlass ist, dass sich im Geburtshaus Gregorius Mättigs, eines herausragenden humanistischen Arztes und Wohltäters aus dem 17. Jahrhundert, dessen Stiftungen zu den bedeutenden und überregional bewunderten bürgerlichen Traditionen Sachsens zählen, eine dubiose menschenverachtende Institution etablieren will.“

Stiftung: Mättig steht für Weltoffenheit

Unterzeichnet wurde der Brief von den Stiftungsräten Pfarrer Christian Tiede und Uwe Koch. Dass es sich bei der Wendischen Straße 1 um Mättigs Geburtshaus handelt, hätten Recherchen im Stadtarchiv vor einigen Jahren ergeben, so Uwe Koch. „Dieser Ort steht für junge Menschen, Humanismus und Weltoffenheit.“ Diese Anliegen würden durch die Pläne von Chris Ares konterkariert.

Die Stiftung habe den Vermieter bereits kontaktiert und ihn gebeten, „seiner Verantwortung gegenüber der Stadt, ihrer Geschichte und ihrer zukünftigen Entwicklung gerecht zu werden und eine Überlassung von Räumlichkeiten an rechtsnationalistische und menschenverachtende Kreise, die bereits vom Verfassungsschutz beobachtet werden, zu verhindern“, heißt es in dem Brief. 

Uwe Koch erwartet, dass sich die Adressaten unverzüglich melden. „Ich gehe davon aus, dass sich auch der Vermieter bei uns melden wird. Wir wollen einen gemeinsamen Weg finden.“ Laut Koch stehe die Stiftung seit längerer Zeit mit ihm in Kontakt. „Wir wollten an dem Gebäude früher schon kenntlich machen, dass es sich um Mättigs Geburtshaus handelt.“ Schließlich sei das ein positiver Erinnerungsort. 

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