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Dresden

Wenn Computer Kunst machen

Das Barkhausen-Institut in Dresden forscht an der vernetzten Welt von morgen. Beim Open Lab zeigt es ganz praktisch, was genau das heißt.

Nach fast 100 Jahren wird der Entwurf Piet Mondrians für das Damenzimmer der Villa Bienert Wirklichkeit. Durch eine Projektion der Dresdner Firma intolight werden Formen und Farben auf die Wände des historischen Raums gezaubert. Mondrians Arbeit ist derze
Nach fast 100 Jahren wird der Entwurf Piet Mondrians für das Damenzimmer der Villa Bienert Wirklichkeit. Durch eine Projektion der Dresdner Firma intolight werden Formen und Farben auf die Wände des historischen Raums gezaubert. Mondrians Arbeit ist derze © Marion Doering

Dieses Farben- und Formenmeer fesselt. Unzählige Vierecke in Rot, Blau, Gelb, Weiß und Grautönen finden sich an den Wänden des Raumes. Sie tauchen das historische Damenzimmer in der Villa Bienert auf Dresdens Würzburger Straße in eine vollkommen neue Stimmung. Es ist eine 360-Grad-Projektion, die die Dresdner Firma intolight programmiert hat. Die Macher lassen damit eine Idee Wirklichkeit werden, die schon fast 100 Jahre alt ist. Möglich macht das modernste Computertechnik und schnellste Datenübertragung. Kunst und Geschichte treffen auf Wissenschaft.

Der niederländische Künstler Piet Mondrian lebte noch in einer Zeit ohne Computer und Smartphones. Im Jahr 1925 stellte er erstmals Werke in der Dresdner Galerie Kühl & Kühn aus. Eine war davon besonders beeindruckt: Ida Bienert, die Schwiegertochter des bekannten Dresdner Mühlen-Besitzers Gottlieb Traugott Bienert. Die Kunstsammlerin erwarb zwei seiner Bilder und hatte gleich einen neuen Auftrag für ihn. Er sollte einen Entwurf für die Umgestaltung ihres Damenzimmers anfertigen. Ein Jahr später legte der bekannte europäische Vertreter der abstrakten Kunst seinen Entwurf vor, der heute den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehört. Ida Bienert gefielen seine Ideen. Doch umgesetzt wurde sein Entwurf leider nicht. Bis heute.

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An diesem Abend ist es voll in Bienerts Villa. Dicht drängen sich die Gäste. Das erst neu gegründete Barkhausen-Institut gibt der Öffentlichkeit zum ersten Mal einen Einblick in seine Arbeit. Beim ersten Open Lab, dem offenen Labor, wollen die Wissenschaftler mit denen in Dialog treten, die später von ihren Entwicklungen profitieren sollen – den Nutzern. Nur dass es gar kein Labor ist, das als Veranstaltungsort gewählt wurde. In der Villa Bienert kommen Tradition und Moderne zusammen.

Wie arbeiten vernetzte Roboter? Das können Besucher beim Open Lab des Barkhausen-Instituts am 14. Juni selbst ausprobieren.
Wie arbeiten vernetzte Roboter? Das können Besucher beim Open Lab des Barkhausen-Instituts am 14. Juni selbst ausprobieren. © Marion Doering

An diesem Abend ist es voll in Bienerts Villa. Dicht drängen sich die Gäste. Das erst neu gegründete Barkhausen-Institut gibt der Öffentlichkeit zum ersten Mal einen Einblick in seine Arbeit. Beim ersten Open Lab, dem offenen Labor, wollen die Wissenschaftler mit denen in Dialog treten, die später von ihren Entwicklungen profitieren sollen – den Nutzern. Nur dass es gar kein Labor ist, das als Veranstaltungsort gewählt wurde. In der Villa Bienert kommen Tradition und Moderne zusammen.

Das Barkhausen-Institut beschäftigt sich als unabhängige Forschungseinrichtung mit dem Thema Internet der Dinge. Es geht um vernetzte Geräte, die miteinander und mit ihrer Umwelt kommunizieren. Die Technologie, die dafür notwendig ist, und die Frage, wie der schnelle Datenaustausch künftig auch sicher funktioniert, beschäftigen die Forscher des Instituts.

Für die Raumprojektion von Mondrians Entwurf braucht es denn auch hohe Übertragungsraten, damit alles einwandfrei dargestellt werden kann. Sie visualisiert aber ebenso, was passiert, wenn die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger nicht richtig funktioniert. Das abstrakte Forschungsthema wird so erlebbar.

Das ist auch der Punkt, der Maximallian Matthé und Joshwa Pohlmann antreibt. Zwei Räume weiter präsentieren die Mitarbeiter des Barkhausen-Instituts den Besuchern einen Air-Hockey-Spieltisch. Nur dass der Gegner dort ein Roboter ist. Durch ultraschnelle Kameratechnik analysiert die Maschine, wohin sein menschlicher Gegenspieler den Puck wohl schießen wird – und hält nahezu perfekt. Per Hebel kann eingestellt werden, wie schnell die Daten bei all dem übertragen werden. Im Modus „5G“, dem neuen Mobilfunkstandard, der in Zukunft Verzögerungen von weniger als einer Sekunde ermöglichen soll, hat der Roboter meist die besseren Chancen. „Wir stellen fest, dass den Leuten durch solche Dinge viel besser klar wird, woran wir im Institut überhaupt arbeiten“, sagt Matthé.

Das Villa-Open-Lab in der Würzburger Straße 46 öffnet noch einmal seine Türen. Am Freitag, dem 14. Juni, zur Langen Nacht der Wissenschaften, können Geschickte ab 18 Uhr gegen den Roboter im Air-Hockey antreten.