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Corona: Warum Dresdens Gastronomen Hilfe brauchen

Thomas Widmann betreibt acht Lokale in der Dresdner Innenstadt und der Neustadt. Von der Politik fühlt er sich im Stich gelassen - und malt ein düsteres Szenario.

Gerade hat Thomas Widmann das La Osteria auf der Keuzgastraße neu eröffnet, dann musste er es wie seine anderen Dresdner Restaurants schließen - mit drastischen Folgen.
Gerade hat Thomas Widmann das La Osteria auf der Keuzgastraße neu eröffnet, dann musste er es wie seine anderen Dresdner Restaurants schließen - mit drastischen Folgen. © René Meinig

Dresden. Seine Restaurants kennt jeder in der Stadt. Ob das El Espanol an der Dreikönigskirche, die Burgerei am Neumarkt oder das La Osteria auf der Kreuzstraße. Insgesamt acht Lokale betreibt Thomas Widmann in Dresden, viele davon in der Weißen Gasse. In der Hochsaison sind 220 Mitarbeiter bei ihm beschäftigt. Doch seit 20. März sind die Gaststätten aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. 

Widmann, ein erfolgreicher Unternehmer, ist derzeit getrieben von Sorgen. Deshalb unterstützt er auch die geplante Aktion an diesem Freitag auf dem Neumarkt.  Gastronomen, Hoteliers und Eventveranstalter aus Sachsen wollen mit Hunderten leeren Stühlen vor der Frauenkirche auf ihre existenziellen Probleme aufmerksam machen und einen Brief  mit Forderungen an Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und  Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) überreichen.

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Rund 530 Unternehmer, die gemeinsam über 20.000 Mitarbeiter beschäftigen, zeigen darin die Sorgen auf, vor denen sie stehen. "Wir alle hoffen, dass es endlich Hilfsangebote aus der Politik gibt", sagt Thomas Widmann.

Er hat in den vergangenen Wochen vor allem organisiert. Die Vermieter seiner Restaurants waren anzuschreiben, Banken, Lieferanten, Versicherungen. "Wir waren von der Schließung ja regelrecht überrollt worden." Umso dankbarer ist er, dass fast alle Vermieter akzeptiert haben, dass er die Mietzahlungen stunden kann. Allein diese machen über 100.000 Euro pro Monat aus.

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Auch die Zusammenarbeit mit seinen Hausbanken, der Ostsächsischen Sparkasse und der Volksbank Pirna, klappe gut. "Sie beraten mich wirklich umfassend zu den Kreditangeboten, die auf dem Markt sind. Denn ich brauche ein großes Darlehen, um diese Umsatzausfälle auszugleichen", sagt der 55-Jährige. Problematisch sei, dass viele eine kurze Laufzeit von fünf Jahren haben. "Das heißt, jedes Jahr 20 Prozent zurückzuzahlen. Das ist nicht zu schaffen", ist Widmann überzeugt.

Weil er in den vergangenen Jahren seine Restaurants Stück für Stück umgebaut hat, wie gerade das La Osteria, laufen bereits Kredite. "Aber ich muss ja Bürgschaften abgeben für die neuen Kredite, die ich aufnehme. Wenn ich jetzt mein ganzes Private mit hineingebe und es kommt eine erneute Zwangslage, dann würde ich mit 55 in der Sozialhilfe und Altersarmut landen", sagt Widmann.   

Immer wieder hat er mit seiner Familie darüber gesprochen. "Das ist eine extrem schwere Entscheidung. Aber mit 55 kann man auch nicht mehr komplett neu anfangen ", sagt der Gastronom. Schlimm wäre es, wenn aufgrund von Zahlungsschwierigkeiten jemand anderes seine Restaurants übernehmen würde.  

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Damit das nicht passiert, fordert er auch Unterstützungen von Stadt und Land. Sämtliche Bundesländer außer Berlin und eben Sachsen würden ihre Mittelständler mit Zuschüssen unterstützen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. "Das würde vor allem dafür sorgen, dass wir liquide bleiben und auch weiter Lohn zahlen können", sagt er. Diese Ungleichbehandlung könne niemand nachvollziehen.

Auch die Stadt Dresden verstehe offenbar nicht, in welch schwerer Situation die Gastronomen sich befinden. "Als wir darum gebeten haben, dass uns die Sondernutzungsgebühren für die Außenplätze für dieses und das kommende Jahr erlassen werden, hat uns der Oberbürgermeister geantwortet, dass wir für die Corona-Zeit nichts zahlen müssen", sagt Widmann wütend. "Es ist einfach frustrierend, wie lapidar unsere Sorgen abgetan werden."

Am Ende könne nur ein System aus vielen Bausteinen helfen, dass die Gastronomie wieder auf die Beine kommt, ist Widmann überzeugt. Er denkt an Erleichterungen, Zuschüsse und mehr. "Sonst könnte es 2021 eine große Insolvenzwelle geben."

Für die kommenden Wochen wünscht er sich politisches Augenmaß. Es müsse schnell wieder geöffnet werden können, ohne drastische Auflagen. "Denn wenn ich nur 50 Prozent Umsatz habe, muss ich trotzdem 90 Prozent Personalkosten zahlen." Und was, wenn sich ein Gast nicht an die Hygieneregeln hält? "Soll ich etwa dafür noch Security-Personal einstellen?" Für Widmann sind noch viele Fragen offen.   

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