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"Das fühlt sich nicht wie Abi an"

Der Corona-Jahrgang am Nieskyer Gymnasium hat das Abitur in der Tasche. Am traditionellen Umzug hielten die 48 Schüler fest. Anderes fällt einfach aus.

Von der Sporthalle in der Bahnhofstraße setzten sich die Gymnasiasten in Bewegung. In der Turnhalle wird am Freitag die Feierstunde mit der Übergabe der Zeugnisse stattfinden.
Von der Sporthalle in der Bahnhofstraße setzten sich die Gymnasiasten in Bewegung. In der Turnhalle wird am Freitag die Feierstunde mit der Übergabe der Zeugnisse stattfinden. © André Schulze

Sie haben es geschafft: 48 junge Menschen des Abiturjahrganges 2020 des Friedrich-Schleiermacher-Gymnasiums Niesky. Eigentlich wollten sie die "Goldenen Zwanziger" zusammen feiern, aber nun gehen sie als Corona-Jahrgang in die Geschichte der Schule ein.  

Die "Goldenen Zwanziger" wollten die Nieskyer Abiturienten feiern. Durch die Pandemie mussten die jungen Leute einige Einschränkungen nicht nur in der Prüfungszeit hinnehmen.
Die "Goldenen Zwanziger" wollten die Nieskyer Abiturienten feiern. Durch die Pandemie mussten die jungen Leute einige Einschränkungen nicht nur in der Prüfungszeit hinnehmen. © André Schulze
Nico Silbe hat nicht nur maßgeblich den Umzug organisiert, er sorgte auch für die Musik und Ansagen während des Umzugs durch die Stadt Niesky.
Nico Silbe hat nicht nur maßgeblich den Umzug organisiert, er sorgte auch für die Musik und Ansagen während des Umzugs durch die Stadt Niesky. © André Schulze
Der Umzug führt die Abiturienten auch am Bürgerhaus vorbei. Hier sollte am Freitag der Abi-Ball stattfinden. Wegen Corona muss er ausfallen.
Der Umzug führt die Abiturienten auch am Bürgerhaus vorbei. Hier sollte am Freitag der Abi-Ball stattfinden. Wegen Corona muss er ausfallen. © André Schulze

Auf eines haben sie nicht verzichtet: Niesky wissen zu lassen, dass für sie als Abiturienten die Schule jetzt erst einmal ein Ende hat. Mit einem in der Bahnhofstraße gestarteten Umzug bekundeten die Jugendlichen das lautstark. Sichtlich erleichtert steht Nico Silbe Donnerstagfrüh auf einem Anhänger und bringt die Musikanlage in Stellung. Der Diskotheker und Musiker aus Leidenschaft sorgt an diesem Vormittag nicht nur für die entsprechende musikalische Dröhnung aus zwei Lautsprecherboxen, sondern hat zusammen mit weiteren Mitschülern den Umzug  organisiert.     

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Gang zu den Behörden

"Das ist allein unser Werk, die Schule hat damit nichts zu tun", berichtet der Abiturient. Demzufolge lastet einiges auf den Schultern der Gymnasiasten, bevor der Umzug starten kann. "Grundlage ist ein Hygienekonzept, dass wir in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt des Landkreises erarbeitet und genehmigen lassen haben", so Silbe. Die Abiturienten sind darüber belehrt und haben das mit ihrer Unterschrift quittiert. Der zweite Gang führte Nico Silbe zunächst zur Unteren Straßenverkehrsbehörde ins Rathaus und anschließend zur Polizei, um den Umzug durch Nieskys Straßen absichern zu lassen. Als drittes musste Nico Silbe für sich und seine Mitschüler noch eine Versicherung abschließen, falls beim Umzug etwas passiert.  

Das alles musste diese Woche erfolgen, denn dass sie einen Umzug veranstalten, haben sich die Schüler sehr kurzfristig überlegt. "Die Behörden haben uns sehr unterstützt und die Genehmigungen schnell gegeben", lobt Silbe den flotten bürokratischen Gang trotz eingeschränkter Öffnungszeiten. Schließlich spannte Nico den männlichen Teil seiner Familie noch mit ein. Der Vater machte seinen historischen Traktor samt Anhänger für den Umzug flott und Opa filmte den Umzug als Video.   

Abschied ohne Abiball

Cecile Deward und Viktoria Lachnitt finden das gut, dass zumindest der Umzug stattfinden kann. "Jeder Jahrgang hat sich mit einem Umzug vom Gymnasium verabschiedet, das wollen auch wir", sagt Viktoria aus Thiemendorf. Dieser fand am Donnerstag aber ohne dem berühmten "Jauchefass" statt. Denn ein Schüler in ihrem Jahrgang hat das Abi nicht geschafft. Und das Jauchefass darf nur mit, wenn alle ihr Abitur in der Tasche haben. Vergangenes Jahr war es so, dass nach einigen Jahren der Abstinenz das Jauchefass wieder über Nieskys Straßen rollte. Laut Statistik erst das dritte Mal, seit es das Schleiermacher-Gymnasium gibt.  

Für die "Goldenen Zwanziger" ist einiges nicht so, wie es für die Jahrgänge vor ihnen gang und gäbe war. Cecile und Viktoria bedauern, dass der Abiball die Zeugnisübergabe in diesem Jahr nicht krönen wird. "Das fehlt uns, mit der Familie und Freunden das Abitur zu feiern. So etwas lässt sich auch nicht nachholen, weil ab Herbst viele woanders sind", schätzt Cecile aus Kreba-Neudorf ein.  

Für Nico Silbe fühlen sich die Tage gestern und heute nicht wie Abitur an. "Der Abiball fehlt mir und auch die Zeugnisübergabe wird nicht die Atmosphäre haben wie die Jahre zuvor", erzählt der Nieskyer. Denn traditionell werden am Freitagnachmittag die Zeugnisse in einer Feierstunde übergeben und abends geht es zum Abiball. Beides findet sonst im Nieskyer Bürgerhaus statt. Stattdessen wird die Feierstunde am Freitagnachmittag in der Turnhalle an der Bahnhofstraße veranstaltet.  

Ballkleid hängt im Schrank

Kim Woltemade hat wie einige andere Mädchen ihr Ballkleid bereits weit vor Corona gekauft. Seitdem hängt es in ihrem Wäscheschrank und sollte am Freitag ausgeführt werden. "Das ist sehr schade, ich wäre damit gern auf den Ball gegangen, aber nun ziehe ich es wenigstens zur Zeugnisübergabe an", erzählt die 18-Jährige aus Horka. 

Wie den Mädchen und Jungen der Ball fehlen wird, das werden sie morgen feststellen. Denn mit der Feierstunde und dem sich anschließenden Fototermin für ein letztes Klassenfoto ist die Zeit am Gymi auf einmal vorbei. "Wir wurden gefordert, aber es war auch eine schöne Zeit", fasst Kim ihre sieben Gymi-Jahre zusammen. So wie Cecile und Viktoria ist Kim froh, dass die Abiprüfungen noch zur vorgesehenen Zeit stattfinden konnten. Viktoria erzählt: "Wir saßen ja alle zu Hause am Computer und vor den Büchern, um uns auf die Prüfung vorzubereiten." Das war für die 18-Jährige schon okay so, aber auch ihr fehlte der Austausch von Angesicht zu Angesicht. Denn nur eine Konsultation in der Schule gab es für jeden in dieser Zeit.   

Jeder Abiturient mit einer Perspektive

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Die Prüfungen liefen ebenso anders ab als sonst, berichtet Nico Silbe. Die Jahre zuvor wurde dafür die Aula am Zinzendorfplatz genutzt. Nun sind die Unterrichtsräume an der Bahnhofstraße zu Prüfungszimmern geworden. Mit maximal sechs Prüflingen und zwei Lehrern besetzt. Das heißt, in die Abi-Prüfungen waren mehr Pädagogen eingebunden als sonst notwendig ist.  Aber am Ende zählt nur das "Bestanden" und die Perspektive, die man hat. Und die haben die 48 jungen Leute, ganz gleich ob Studium, Berufsausbildung oder erst einmal ein Freiwilliges Jahr.   

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