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Corona bremst Kreuzfahrer aus

Die ersten Schiffe sind wieder unterwegs – mit großen Einschränkungen. Doch neue Infektionen stoppen viele Pläne.

Zurück von der ersten Kreuzfahrt von Mein Schiff 2 in Coronazeiten: Vera und Michael Machann mit Sohn Hugo.
Zurück von der ersten Kreuzfahrt von Mein Schiff 2 in Coronazeiten: Vera und Michael Machann mit Sohn Hugo. © Daniel Bockwoldt/dpa

Von Taylan Gökalp, Friederike Marx und Steffen Trumpf

Gedränge gab es eigentlich nur an den Bars“, berichten Vera und Michael Machann. Am Montagmorgen sind sie in Hamburg von Bord der Mein Schiff 2 gegangen – nach einer Drei-Tages-Kreuzfahrt mitten in der Corona-Pandemie. Die meiste Zeit habe es eher gewirkt, als seien alle Passagiere auf Landgang, so leer sei es auf dem Schiff gewesen, erzählen die Machanns. Insgesamt habe sich die Familie mit ihrem kleinen Sohn Hugo angstfreier gefühlt als im Supermarkt. Das Kreuzfahrtschiff von Tui Cruises, das coronabedingt nur 1.500 statt 2.900 Passagiere aufgenommen hatte, war ohne Landgang auf der Nordsee unterwegs gewesen.

Aida legt erstmal nicht ab

An Bord galten umfangreiche Hygiene-Regeln. So mussten die Gäste etwa jeden Morgen zwischen 8.30 und 11.30 Uhr in einer Schlange vor einem Raum zum Fiebermessen antreten, sagt Friederike Grönemeyer, die bei Tui Cruises für die Unternehmenskommunikation zuständig ist. Wenn bis dahin noch nicht alle erschienen seien, gebe es eine Durchsage mit der freundlichen Bitte, sich vor Ort einzufinden.

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Schon bevor die Passagiere an Bord gingen, mussten sie ihre Körpertemperatur messen lassen und zusätzlich einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen. Die Crewmitglieder mussten untereinander und zu den Gästen den Mindestabstand von 1,50 Metern einhalten oder Gesichtsmasken tragen. In den Büfettrestaurants hatten die Gäste nicht selbst Zugang zu den Speisen. Sie wurden ihnen vom Personal an den Tisch gebracht. 

Das sei „sowieso gar nicht so schlecht“ und besser, als wenn alle Leute im Essen herumwühlten, sagt Passagierin Claudia Willgeroth, die gemeinsam mit ihrer Freundin Dörthe an Bord war. Verbesserungswürdig finden Gabriele Strohof und ihre Tochter Julia die Organisation der Ankunft der Gäste am Terminal vor Beginn der Mini-Kreuzfahrt. Vier Stunden hätten sie am Abreisetag warten müssen, bei Temperaturen um die 30 Grad. 

Bald sollen Fahrten stattfinden

„Ich habe viele ältere Leute gesehen, die in der prallen Sonne standen“, berichtet Gabriele Strohof . Unterdessen wurde am Montag in Kiel auch die Mein Schiff 1 abgefertigt. Die Reise führt zum Oslofjord und besteht ebenfalls nur aus Seetagen.

Während Tui Cruises wieder an einem deutschen Hafen aktiv ist, hat der Branchenkonkurrent Aida Cruises die Rückkehr ins Kreuzfahrtgeschäft nach der Corona-Zwangspause verschoben. Am Sonntag sagte das Unternehmen die geplanten Mini-Kreuzfahrten auf der Ostsee für die erste Augusthälfte ab. Entgegen den Erwartungen habe man die letzte formale Freigabe für den Start der Kurzreisen am 5. August durch den Flaggenstaat Italien nicht erhalten.

Für Aida Cruises ist dies ein herber Rückschlag. Für den Neustart waren am 22. Juli 750 Besatzungsmitglieder aus Asien mit drei Flugzeugen eingeflogen worden. Corona-Tests nach der Landung ergaben dann allerdings elf Infizierte, die in der Folge isoliert werden mussten. 

Für den Neustart seien umfassende Konzepte entwickelt und alle erhöhten Hygienestandards sowie Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 an Bord der Schiffe umgesetzt worden, betonte das Unternehmen. Bei den geplanten Fahrten ab dem 16. August geht Aida allerdings davon aus, dass sie stattfinden können, hatte ein Sprecher am Wochenende gesagt.

Hurtigruten räumt Fehler ein

Auch die norwegische Reederei Hurtigruten ist bei dem Neustart in schwere Fahrwasser geraten. Nachdem auf der Roald Amundsen 35 Besatzungsmitglieder, darunter ein deutscher Staatsbürger, sowie mittlerweile auch neun Passagiere des Schiffes positiv auf das Coronavirus getestet wurden, stoppte die Reederei alle Reisen mit den Expeditionsschiffen. Neben der Roald Amundsen sind damit auch die Schiffe Fridtjof Nansen und Spitsbergen betroffen.

Hurtigruten-Chef Daniel Skjeldam räumte Fehler ein und bat dafür um Entschuldigung. Ob das Unternehmen gegen die rechtlichen Bestimmungen zur Bekämpfung der Coronavirus-Verbreitung verstoßen hat, sollen nun polizeiliche Ermittlungen zeigen. Das Schiff liegt seit vergangenen Freitag im nordnorwegischen Tromsø vor Anker. Auch die anderen beiden Expeditionsschiffe werden festgemacht, wenn sie ihre derzeitigen Kreuzfahrten abgeschlossen haben. Die Hurtigruten-Schiffe auf der sogenannten Postschifflinie zwischen Bergen und Kirkenes verkehren dagegen weiter.

Corona ist der Grund, weshalb auch Besatzungsmitglieder und Passagiere der SeaDream 1 im norwegischen Bodø vorübergehend in Quarantäne genommen wurden. Ein Passagier einer vorherigen Kreuzfahrt war nach der Heimkehr nach Dänemark positiv auf das Virus getestet worden. Bei einem inzwischen durchgeführten Test aller Passagiere und der Besatzung gab es aber keine weiteren Infektionen, teilte das Unternehmen am späten Mittwochabend mit. Das Schiff darf nun weiterfahren. Die SeaDream 1 gehört zur Reederei SeaDream Yacht Club. (dpa)

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