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Das große Stühlerücken vor der Frauenkirche

Wirte in Sachsen fordern Zuschüsse und Senkung der Mehrwertsteuer. Sie finden mit ihrer Aktion auf dem Dresdner Neumarkt Gehör.

Hunderte leere Stühle und eine festlich gedeckte Tafel - so machen Sachsens Gastronomen auf ihre Lage aufmerksam.
Hunderte leere Stühle und eine festlich gedeckte Tafel - so machen Sachsens Gastronomen auf ihre Lage aufmerksam. © Arvid Müller

Dresden. Alle Gaststätten um die Dresdner Frauenkirche sind geschlossen, die Sonnenschirme zusammengefaltet. Während das Sommercafé im Großen Garten Bockwurst für 3,30 Euro anbietet und mit Einbahnstraßenschildern die Abholer lenkt, fallen den meisten Wirten und Hoteliers im Zentrum alle Einkünfte weg.

Nur vor dem Restaurant „Dresden 1900“ gab es am Freitag für kurze Zeit Kaffee im Pappbecher – für die Wirte, die mehr als 500 Stühle zum Protest auf den Neumarkt stellten. Vor dem 11-Uhr-Läuten übergab Organisatorin Kathleen Parma von der Ice Rolls Factory einen Großküchenkochtopf voller Forderungen an den Landtagsabgeordneten Lars Rohwer (CDU). Einige Polizisten schauten zu, doch Parma forderte die rund 40 Teilnehmer mit Erfolg zum Abstandhalten auf – aus der Stuhl-Aktion sollte keine verbotene Versammlung werden.

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Danach luden die Gastronomen ihre Stühle wieder in Transporter mit Aufschriften wie Roter Hirsch, Zum Schießhaus und Hotel Saigerhütte. Mit hoher Kochmütze auf dem Kopf beteiligte sich David Mahn vom Schlosshotel Chemnitz, der im Dresdner Luisenhof gelernt hat. Er sagte, die 46 Angestellten seines Hotels seien in Kurzarbeit, doch allein für die 17 Lehrlinge fielen im Monat rund 20.000 Euro Kosten an. Um Ostern herum hätten Stammkunden rund 720 Portionen Essen abgenommen, auch Kaninchenkeule, doch die jetzt fehlenden Einnahmen ließen sich nicht nachholen. In Thüringen gebe es Zuschüsse, in Leipzig spezielle Hilfen für Lehrlinge – das sei ein „Flickenteppich“ und „Wettbewerbsverzerrung“.

Kathleen Parma von der "Interessengemeinschaft Sächsische Hoteliers, Gastronomen und Veranstalter" übergab am Freitag Forderungen an den Landtagsabgeordneten Lars Rohwer (CDU).
Kathleen Parma von der "Interessengemeinschaft Sächsische Hoteliers, Gastronomen und Veranstalter" übergab am Freitag Forderungen an den Landtagsabgeordneten Lars Rohwer (CDU). © Arvid Müller

Benjamin Unger, Inhaber des Hotels Blauer Engel in Aue, forderte kürzere Bearbeitungszeiten für Kreditanträge an Sachsens Aufbaubank. Der Dresdner Steuerberater Steffen Schmidt schlug Vorrang für die Gastronomen vor – sie könnten, anders als Handwerker, gar nicht arbeiten.

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Rund 580 Gastronomen und Veranstalter haben sich laut Kathleen Parma ihrer Interessengemeinschaft angeschlossen, die als Whatsapp-Gruppe begann. Sie unterstützen auch Forderungen des Verbandes Dehoga, dessen Sachsen-Chef Axel Klein schon am Tag zuvor mit Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Ministern sprach. Klein teilte danach mit, Zuschüsse für Azubis und Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld seien in Aussicht gestellt worden. Sachsen werde außerdem auf Bundesebene die Forderung der Wirte unterstützen, die Mehrwertsteuer in Gaststätten von 19 auf sieben Prozent zu senken.

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