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Darum hat die Grenzschänke jetzt zu

Mit dem Gasthaus in Friedersdorf schließt nach 250 Jahren eine echte Institution. Die Wirtsleute erzählen, wie es zu dieser Entscheidung kam.

Heike und Frank Brendel waren über 30 Jahre die Wirte der Grenzschänke.
Heike und Frank Brendel waren über 30 Jahre die Wirte der Grenzschänke. © Rafael Sampedro

So ganz hat es sich wohl noch nicht herumgesprochen. Am letzten Sonntag jedenfalls stand noch eine Traube Leute vor der Türe und wollte Mittagessen in der Grenzschänke, erzählt Gastwirtin Heike Brendel. Doch ihre Küche bleibt kalt, die Gaststätte ist geschlossen. Heike Brendel und ihr Mann Frank geben die Grenzschänke in Friedersdorf auf - nach 31 Jahren. Für viele Gäste war das ein Schock, erzählen Brendels. 

Doch auch für das Wirtsehepaar war es keine leichte Entscheidung. Aber eine, die sich nicht mehr aufschieben ließ. Brendels müssen aus gesundheitlichen Gründen den Gastronomieberuf aufgeben, erklären sie. 

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Inzwischen haben sie sich schon etwas mit dem Gedanken angefreundet, nicht mehr am Herd beziehungsweise am Tresen zu stehen. So war in den letzten Jahrzehnten ihre Arbeitsaufteilung: Heike Brendel zauberte in der Küche schmackhafte Hausmannskost, ihr Mann Frank bediente in der Gaststube mit Humor und Oberlausitzer Gemütlichkeit die Gäste. Das kam gut an, Brendels hatten viele Stammgäste, die sogar aus dem Dresdner Raum, aus Bautzen oder Pirna bis nach Friedersdorf kamen. "Vor allem die gute, frisch gekochte Hausmannskost hat die Leute hergelockt", sagt Frank Brendel mit stolzem Blick in Richtung seiner Frau, die 31 Jahre in der Grenzschänken-Küche stand. Heike Brendel winkt ab. "Es ist das Zusammenspiel von allem, das Essen, die Atmosphäre, die Stimmung." Vor allem aber betont sie: "Wir haben es immer gern gemacht. Und das merken die Leute." 

Deswegen flossen auch viele Tränen - bei den Gastwirten wie bei den Gästen. "Die letzten Tage waren sehr emotional", erzählt Frank Brendel. Mehrfach standen Gäste bei ihr an der Küchentür und bedankten sich unter Tränen für ihre Arbeit, sagt seine Frau Heike. Brendels freuen sich über den Zuspruch und sind dankbar für die Treue, die ihre Gäste ihnen über die Jahrzehnte gehalten haben. "Wenn man die Leute so unglücklich macht, wenn man aufhört, kann man nicht alles falsch gemacht haben", sagt Frank Brendel und lacht verschmitzt. Trotz gesundheitlicher Probleme und des schmerzlichen Aus' der Gaststätte hat er seinen Humor nicht verloren. 

Das Gasthaus an der Spree ist seit Jahresbeginn geschlossen. Darauf weist auch ein Schild die Gäste hin.  
Das Gasthaus an der Spree ist seit Jahresbeginn geschlossen. Darauf weist auch ein Schild die Gäste hin.   ©  Rafael Sampedro

Vor 31 Jahren übernahm er mit seiner Frau das Gasthaus in Friedersdorf. Das Ehepaar stammte aus Görlitz und suchte eine Gaststätte in der Region. In das urige, alte Haus an der Spree haben sie sich sofort verliebt, erinnert sich Heike Brendel. Sie machten es zu einem beliebten Ziel. "Ich hänge an dem Haus", sagt Frau Brendel. "Wenn man jeden Balken selbst abgeschliffen hat und jeden Nagel kennt, dann ist es eben nicht einfach, das aufzugeben." Mit viel harter Arbeit haben sie die Grenzschänke zu dem gemacht, was sie war: ein uriges Oberlausitzer Lokal. Als sie das Haus übernahmen, hatte die DDR-Architektur schlimme Spuren hinterlassen: Die Wände waren mit Press-Spanplatten verkleidet, an der Decke hingen Leuchtstoffröhren. "Wir haben vorsichtig Löcher in die Platten gebohrt, um zu sehen, was dahinter ist." Zum Glück versteckten sich dahinter intakte Holzbalken, die sie wieder freilegten. Auch sonst haben sie das Gasthaus beinahe in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Seit 1768 war die Grenzschänke durchgängig als Lokal betrieben worden und zählt damit zu den ältesten Gaststätten in Sachsen. "Auch wir hätten das gern noch ein paar Jahre gemacht, bis zur Rente bestimmt", sagt Brendel. Die Vorstellung, sagen beide, dass hier 250 Jahre lang sich Menschen trafen und kennenlernten, miteinander diskutierten und lachten, sei schon gigantisch. "Im Vergleich dazu sind unsere 30 Jahre ja nur ein kleiner Abschnitt." 

Trotz aller Wehmut freut sich das Ehepaar jetzt aber auch auf sein neues Projekt. Denn sie haben große Zukunftspläne, beruflich wie privat. Sie ziehen zu ihrer Tochter, die einen Hof nahe des Bärwalder Sees gekauft hat. Dort wollen Brendels eine Pension aufbauen. Vor allem freuen sie sich, künftig viel Zeit mit der Familie verbringen zu können. "Wir werden unseren Enkel aufwachsen sehen, darauf freue ich mich riesig", sagt Heike Brendel. Sie möchte außerdem ihr zweites Standbein als Heilpraktikerin für Tiere wieder verstärkt aufnehmen und ausbauen. "Und wenn ich ganz viel Zeit habe, schreibe ich mal ein Buch über Kneipengeschichten", scherzt sie. Lustige Anekdoten gebe es genügend - vom hauseigenen Dackel, der heimlich die Stiefel der Aushilfskellnerin anknabberte, bis zu hitzigen Bürgerversammlungen.

Auch für die Grenzschänke selbst wird es wohl eine Zukunft geben. Zwar nicht mehr als Gaststätte. Sie solle aber weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Brendels stehen in Verhandlungen mit Interessenten, die Pläne für das Haus haben. Nun hoffen sie, dass alles klappt und sie die Grenzschänke verkaufen können. Dann wollen sie Ende März Friedersdorf verlassen und im Norden des Landkreises neu anfangen. 

Auch Uwe Steimle war hier zu Gast:

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