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„Das Beste, was mir passieren konnte“

Der Freiwilligendienst aller Generationen ist eine große Bereicherung.

Freiwilligendienste sind nicht nur für junge Erwachsene, sondern für jede Altersstufe.
Das Ehepaar Roland und Monika Mürke hat den Freiwilligendienst aller Generationen absolviert. Ein Arbeitsplatz war die Krabatmühle in Schwarzkollm.
Freiwilligendienste sind nicht nur für junge Erwachsene, sondern für jede Altersstufe. Das Ehepaar Roland und Monika Mürke hat den Freiwilligendienst aller Generationen absolviert. Ein Arbeitsplatz war die Krabatmühle in Schwarzkollm. © Foto: Juliane Mietzsch

Schwarzkollm. Dass einen Freiwilligendienst nicht nur junge Menschen absolvieren können, wird oft vergessen. Der sogenannte Freiwilligendienst aller Generationen (FdaG) bietet für jeden ab 18 Jahren bis ins Rentenalter die Möglichkeit, tätig zu werden. Die Einsatzgebiete sind ebenso zahlreich wie bei ähnlichen Formaten.

Für Monika Mürke haben die letzten zwei Jahre im FdaG eine besondere Bedeutung. Vor allem hat es etwas mit Wertschätzung zu tun, denn sie hat in dieser Zeit erfahren, wie gut es ist, gebraucht zu werden. Die 57-Jährige aus Lauta war über den Träger Awo Landesverband Sachsen in einer Kindertagesstätte in ihrem Wohnort eingesetzt. Vor dieser Tätigkeit hat die gelernte Anlagentechnikerin mehrere Jahre lang ihre Mutter gepflegt. Auch da war sie sehr wichtig. Damals lebte die Familie mit vier Generationen unter einem Dach.

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Bei ihrer Tätigkeit in der Kita mochte sie die Lebendigkeit. Hauptsächlich hat Monika Mürke in der Küche und in der Hauswirtschaft geholfen. Ihre Vorgängerin im FdaG konnte nach einer Schulung zur Tagesmutter im Haus bleiben. Aber mehr Verantwortung gegenüber den Kindern traut sich Monika Mürke nicht zu.

Im Verlauf des FdaG werden durch den Träger auch Bildungstage angeboten, die in regelmäßigen Abständen stattfinden. Martina Kunert, Koordinatorin für den FdaG, ist es mittlerweile spürbar, dass bei den Seminaren eine Vernetzung zwischen den Teilnehmenden entsteht. „Dieser Raum für soziale Kontakte wird besonders geschätzt.“ Auch Monikas Mann Roland Mürke schaut dankbar auf diese Erlebnisse zurück, denn auch er absolvierte ein FdaG. Seine Einsatzstelle ist die Krabatmühle in Schwarzkollm gewesen. Dort hat der gelernte Maurer jegliche Hausmeistertätigkeiten unterstützt. Egal, ob es um Reparaturen ging oder bei einem der Bauvorhaben Hilfe benötigt wurde. Der 59-Jährige stand immer mit Rat und Tat zu Seite.

Und so kam es, dass das Ehepaar Mürke gemeinsam an Bildungstagen teilnahm. Sie besuchten beispielsweise eine Rundfunkanstalt, ein Gefängnis, einen Tagebau oder auch den Landtag. Auch eine Kräuterwanderung ist im Gedächtnis geblieben. Für Martina Kunert ist es zum einen wichtig, Türen zu öffnen, aber weiterhin auch Angebote vor der eigenen Tür aufzuzeigen. Ihr bedeutet der regionale Bezug viel. Nach dem Ende des FdaG fehlt Monika Mürke vor allem, dass sie „rauskommt und anderes hört und sieht“. Doch diesen Austausch kann sie weiterführen, denn für 20 Stunden im Monat ist sie weiterhin ehrenamtlich in der Küche der Kita tätig. Einen neuen FdaG könnte sie erst nach fünf Jahren Wartezeit antreten.

Dass sie und ihr Mann darin eine so große Bereicherung erfahren, hätten sie anfangs nicht gedacht. Laut Martina Kunert legen sich die meisten Freiwilligen in diesem Format zunächst für ein halbes Jahr fest, aber der Großteil verlängert auf die Höchstdauer von zwei Jahren.

Monika Mürke schaut auf diese Zeit zurück und weiß, dass der Freiwilligendienst aller Generationen „das Beste war, was mir passieren konnte.“ Wie es nun beruflich für sie weiter geht ist unklar, aber Anschluss hat sie allemal gefunden.

Martina Kunert bedauert ebenfalls, dass sie nach dem Dienst nicht mehr für die Freiwilligen tun kann, aber „das ist nicht unsere Aufgabe.“ Für sie zeigen die meisten Freiwilligen durch diese Tätigkeit viel Engagement und Flexibilität, was auf dem weiteren Weg nützlich sein kann. Und bestenfalls haben sie während des FdaG ein Netzwerk und Beziehungen aufgebaut sowie neue Kenntnisse erlangt.

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