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„Das Gebäude ist durch“

An die Johannes-R.-Becher-Straße schickt der Eigentümer höchstens noch die Abrissbirne. Erst wenn dort Ordnung ist, widmet er sich der Bastei.

Eigentümer Sven Weißflog sieht keine Chance mehr, den noch verbliebenen, unsanierten Klinkerbau der ehemaligen Stuhlfabrik an der Johannes-R.-Becher-Straße zu retten.
Eigentümer Sven Weißflog sieht keine Chance mehr, den noch verbliebenen, unsanierten Klinkerbau der ehemaligen Stuhlfabrik an der Johannes-R.-Becher-Straße zu retten. © Dietmar Thomas

Leisnig. Stuhlfabrik, Kratzenfabrik, Nudelfabrik – an der Johannes-R.-Becher-Straße hat sich zu DDR-Zeiten ein Betrieb an den anderen gereiht. Viel ist davon nicht mehr übrig geblieben. Und wenn es nach dem Döbelner Bauunternehmer Sven Weißflog geht, dann wird es bald noch weniger sein.

Weißflog hat vor ein paar Jahren nicht nur das ehemalige Hotel Bastei an der Muldenstraße 1 gekauft. Schon viel länger gehören ihm auch mehrere Immobilien, die einmal Produktionshallen der Leisniger Stuhlfabrik waren. Den Backsteinbau an der Ecke Georg-Friedrich-Händel-Straße hat er längst sanieren und übewiegend zu Wohnungen umbauen lassen.

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Genau das hatte er auch für das zweite verbliebene Produktionsgebäude im gleichen Baustil vor. Doch davon hat sich der Geschäftsmann inzwischen gedanklich verabschiedet. „Ich habe schon mehrmals bei der Kommune Abrissanträge eingereicht“, erzählte er vor ein paar Tagen Hansjörg Oehmig. Der CDU-Stadtrat war in der Innenstadt von Leisnig unterwegs, sah die Tür des Hotels Bastei offenstehen, und sprach den Besitzer dieser und der Immobilie Stuhlfabrik einfach mal an.

Zumindest in den unteren Etagen ist mit ein wenig Fantasie noch vorstellbar, dass aus der Werkhalle Wohnungen mit Industriecharme hätten werden können.
Zumindest in den unteren Etagen ist mit ein wenig Fantasie noch vorstellbar, dass aus der Werkhalle Wohnungen mit Industriecharme hätten werden können. © Dietmar Thomas

Weißflogs Kritik, dass er von der Verwaltung auf seine Abrisswünsche hin keine Rückmeldung bekam, hat Oehmig an den Bürgermeister weitergegeben. Im Moment plant der Geschäftsmann den inzwischen fälligen Abriss mit eigenen Mitteln. Unterstützung, die es beispielsweise über das Brachflächenrevitalisierungsprogramm geben könnte, würde ihm allerdings helfen, das Gelände in ordentlichem Zustand zu hinterlassen. Derartige Hilfe gab es unter anderem für den Abbruch eines Teils des ehemaligen Gasthofes „Goldenes Schiff“.

„Ich will erst das dort unten zu Ende bringen, ehe ich mir weiter Gedanken über die Bastei mache“, sagte Weißflog. Da beides im Interesse der Stadt ist, kündigte Bürgermeister Tobias Goth (CDU) an, dass die Kommune das Gespräch mit Sven Weißflog suchen will – wegen beider Objekte.

Dass bei jungen Leuten in den Großstädten das Wohnen im Industrieflair gerade total gefragt ist, das weiß der Geschäftsmann sehr wohl. Trotzdem kann er nicht warten, bis die Jugend nach Wohnraum im sogenannten „Speckgürtel“ Ausschau hält und Leisnig bei deren Wohnungssuche eine Rolle spielt. „Das Gebäude ist durch“, beurteil der Bauunternehmer. Auch mit Dachreparaturen hatte er über lange Zeit versucht, die Bausubstanz so zu erhalten, dass eine Sanierung noch möglich ist. Dieser Zug ist abgefahren, das Dach teilweise schon eingestürzt.

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Dass das Konzept durchaus aufgehen kann, zeigen Weißflogs Industrielofts in Döbeln, die überwiegend treue Mieter gefunden haben. „Hier in Leisnig wechselt die Mieterschaft öfter mal“, sagt er. Das sei einer von mehreren Gründen gewesen, die ihn von weiteren Investitionen in den Stuhlfabrik-Komplex abgehalten haben.

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