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Pulsnitz: Das passiert jetzt am Waldschlößchen

Die ehemalige Gaststätte wird abgerissen. Lange Zeit stand das Haus leer, niemand wollte die Immobilie haben. Dann ging alles ganz schnell.

Der Abriss der ehemaligen Gaststätte Waldschlößchen in Pulsnitz hat begonnen. Adamo Böhm von der Firma ESG Guttau beräumt die Flächen am Gebäude.
Der Abriss der ehemaligen Gaststätte Waldschlößchen in Pulsnitz hat begonnen. Adamo Böhm von der Firma ESG Guttau beräumt die Flächen am Gebäude. © Matthias Schumann

Pulsnitz. Ein großer Abrissbagger steht am Waldschlößchen in Pulsnitz. Ein hoher Bauzaun trennt das Gebäude von der viel befahrenen Staatsstraße.  Am Montagvormittag war schon kein Dach mehr auf dem Haus. Die ehemalige Gaststätte am Pulsnitzer Ortseingang wird abgerissen.

Schon seit einer Woche tauchen in den sozialen Netzwerken Fragen nach dem Waldschlößchen auf. Wird es abgerissen, entkernt oder saniert? Schließlich war das Haus lange Zeit eins der markantesten in der Stadt. Es interessiert die Leute, was mit dem Gebäude wird. 

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Bekannt ist das Waldschlößchen als Gaststätte mit gutbürgerlicher Küche. Bis Mitte 2011 wurde es von Volker Schubert aus Friedersdorf betrieben. Zur Gaststätte gehörten ein kleiner Saal, ein Biergarten sowie ein Anbau für Vereinsaktivitäten, Toiletten und Wirtschaftsräume. 27 Jahre hatte Schubert als Mieter die Gaststätte betrieben, die sich auch noch nach der Wende in einem gewissen DDR-Ambiente präsentierte. 2011 war Schluss, weil zum einen zu wenig Gäste einkehrten und zum anderen der Zustand des Hauses eine Sanierung erforderte. Der Mieter kündigte den Vertrag.

Am Montag war die Aufschrift Waldschlößchen am Gebäude in Pulsnitz noch zu erkennen. Doch die Tage des Hauses sind gezählt.
Am Montag war die Aufschrift Waldschlößchen am Gebäude in Pulsnitz noch zu erkennen. Doch die Tage des Hauses sind gezählt. © Matthias Schumann

Das Grundstück mit dem Gebäude gehört der Städtischen Wohnungsgesellschaft Pulsnitz (SWG). Die Stadt hatte es nach der Wende in das Eigentum der SWG überführt.  Damit wäre die Gesellschaft für notwendige Arbeiten verantwortlich gewesen. "Das Geld für eine aufwendige Sanierung hatten wir nicht", erklärt SWG-Geschäftsführer Matthias Mietzsch rückblickend. 

Also blieb das Haus leer. Eine Sanierung hätte sich nach Aussagen von Matthias Mietzsch nicht gelohnt, und  es habe auch keinen Gastwirt gegeben, der den Enthusiasmus aufgebracht hätte, das Waldschlößchen wieder zu betreiben. 2015/2016 gab es dann schon erste Überlegungen, das Grundstück zu verkaufen. Zwei Jahre später wurden diese intensiviert. "Wir wollten definitiv alles verkaufen und wenigstens den Verkaufswert des Grundstückes erzielen", so Matthias Mietzsch. Über eine Maklerin wurde das Waldschlößchen beworben.      

Interessenten habe es eine ganze Menge gegeben. Über die Jahre habe er an die 50 Besichtigungen durchgeführt, berichtet der Geschäftsführer. Es habe Ideen für ein Bürogebäude oder auch für Seniorenbetreuung gegeben. Letztlich sei von allen Interessenten eine Absage gekommen, weil der Sanierungsbedarf einfach zu hoch sei. "Wir sind mit dem Preis runtergegangen, aber verschenken kam nicht infrage", so Mietzsch. Bis 2019 scheiterten alle Verkaufsbemühungen. 

Grundstück als Bauland angeboten.

Die SWG musste sich etwas überlegen. "Wir haben versucht, das Grundstück als Bauland zu veräußern, was natürlich den Abriss des Waldschlösschen bedeutet." Auch an die Möglichkeit der Teilung in zwei Grundstücke wurde gedacht. Immerhin handelt es sich insgesamt um ein Areal von knapp 1.700 Quadratmetern. Die SWG habe schließlich sogar angeboten, bei einem Verkauf den Abriss  zu übernehmen. 

So kam es letztlich auch - und in diesem Jahr ging alles ganz schnell. Die SWG fand einen Käufer. Es handelt sich um eine Privatperson, die derzeit in Radebeul lebt und auf dem Grundstück ein Einfamilienhaus errichten will. Der Verkauf ging im Juni notariell über die Bühne mit der Auflage, dass die SWG den Abriss übernimmt.

Allerdings geht nicht das gesamte Grundstück an den neuen Käufer. Der vordere Bereich - etwas 200 Quadratmeter - bleibt vorerst noch Eigentum der Wohnungsgesellschaft. Dabei handelt es sich um den Streifen, der jetzt unter anderem für die Bushaltestelle genutzt wird. Diese soll auch dort bleiben. Das kleine Stück Land wird die Stadt Pulsnitz kaufen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist das noch nicht passiert. Der Vertrag liegt beim Notar.

Die SWG hat jetzt den Auftrag zum Abriss des Haupthauses und des Anbaus an die Firma ESG Guttau vergeben. Die Arbeiten begannen Anfang Juli. Das Unternehmen will bis Ende August damit fertig sein. Erst dann geht das Grundstück offiziell an den neuen Eigentümer über. 

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