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Kein Platz für ein Hygienekonzept

Der Meißner Sachsenkeller kann nicht wiedereröffnen, passende Fördermittel gibt es auch nicht. Jetzt kommt es auf die vielen Rettungsversuche des Inhabers an.

Ohne Spenden wäre im Sachsenkeller schon lange das Licht aus.
Ohne Spenden wäre im Sachsenkeller schon lange das Licht aus. © Claudia Hübschmann

Meißen. Herrlich eng und gedrängt wäre es schon im Eingangsbereich des Sachsenkellers. Genau der richtige Charme für den Kellerclub in Bohnitzsch. Doch in Zeiten von Hygieneverordnungen macht genau das den Unterschied zu anderen Kneipen und Bars. "Nach einem Blick auf die amtliche Hygieneliste, habe ich mir bei meinem kleinen Musikclub gar nicht erst Gedanken über ein Hygienekonzept gemacht", erklärt Inhaber Jörg Seidel. Die letzte Veranstaltung liegt deshalb schon fast fünf Monate zurück. Schwer vorstellbar, dass sich in den nächsten Monaten daran etwas ändert. Das fängt schon bei der vier Meter langen Bühne an - nicht einmal Bands könnten da Abstand halten.

Innerhalb von vier Jahren hat sich Seidel dort im Alleingang eine Art Jugendclub aufgebaut. Am Wochenende spielen hier vornehmlich Punkbands. An guten Tagen kommen bis zu 40 Gäste. Im November hätte hier sogar die Leipziger Band 'die Art' auf der kleinen Bühne gestanden, doch auch diesen weit entfernten Auftritt hat Seidel innerlich schon abgeschrieben. An freien Tagen kann die Meißner Jugend seinen Keller mieten, um Partys zu feiern.

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Was Seidel hier ganz alleine auf die Beine stellt, ist sein Hobby - allerdings eins mit Steuernummer. Für solche speziellen Fälle gebe es kaum passende Coronahilfen oder Fördermittel. Schließlich hängen am Sachsenkeller keine Arbeitsplätze - nicht einmal um Seidels Existenz geht es. Für ihn steht etwas anderes auf dem Spiel: "Wenn es den Sachsenkeller nicht mehr gibt, dann gibt es gar nichts mehr in Meißen."

Im Sachsenkeller ist für ein Hygienkonzept einfach kein Platz.
Im Sachsenkeller ist für ein Hygienkonzept einfach kein Platz. © Claudia Hübschmann

Schon mit normalen Öffnungszeiten sei die Miete nur mit Ach und Krach reingekommen. Damit es auch so weitergehen kann, hat sich Seidel einiges einfallen lassen. Die Miete der letzten Monate hat Seidel nur mit der Hilfe von Spenden bezahlen können.  "Das hat jetzt schon fünf Monate geklappt", erzählt Seidel glücklich. 

Viele Freunde und sogar Bands, die einmal im Sachsenkeller gespielt haben, hätten gespendet: "Aber noch mal fünf Monate? Das wird richtig schwer." Seine Unterstützer könnten auch nicht ewig spenden. Schließlich seien viele von ihnen selber in Kurzarbeit.

Weitergehen soll es mit Freiluftkonzerten im Tierpark Hebelei. Am Freitagabend gab es bereits das erste Dudelsackpunkrock-Konzert. Provisorisch wurden ein paar Bänke aufgebaut und das Eselsgehege zur Bühne umgebaut. 

Für den neuen Veranstaltungsort hat der Meißner für Anfang September sogar die Szeneband Rummelsnuff aus Großenhain gewinnen können. Die würde auch in der abgelegeneren Location ein breites Publikum anziehen. Nach Bohnitzsch wären wahrscheinlich trotzdem noch mehr Gäste gekommen.

Zusätzlich hat er über seine Webseite einen T-Shirt Verkauf-eingerichtet. Auch das lief am Anfang ganz gut, doch mittlerweile seien die Verkäufe eingebrochen. Beschweren möchte er sich nicht, betont Seidel immer wieder. 

Am liebsten möchte er es  aus dieser Situation alleine schaffen, schließlich stand er in den letzten vier Jahren schon vor ganz anderen Herausforderungen. "Und wer weiß? Vielleicht wächst dadurch ja ein jährliches Open-Air", hofft Seidel, der auch in dieser äußerst angespannten Situation optimistisch bleibt.

Nur um bis Februar durchzuhalten, wären 7.000 Euro nötig, allein um Miete, Nebenkosten und die Versicherung zu decken. Dabei würde Seidel die Zeit gerne nutzen, um seinen Laden umzubauen - jetzt wo er mal die Zeit dafür hätte. Denn seit der Zwangspause hat Seidel auf einmal "viel zu viel Freizeit." Doch daran und vor allem an die damit verbundenen Kosten ist gar nicht erst zu denken.

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Seidel ist sein Projekt so wichtig, dass er bereits Tausende Euros an privatem Geld in den Club gesteckt hat: An manchen Monaten musste er mal was zur Miete dazulegen, an anderen die druckvolle Musikanlage aus der eigenen Tasche bezahlen. Selbst in dieser prekären Zeit hört Seidel nicht damit auf und hat für die Konzerte in der Hebelei in eine neue Anlage investiert.  Seine Gäste fragen ja schließlich schon, wann es endlich wieder weitergeht.

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