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Dem Autoverkäufer mit Mord gedroht?

Er werde ihn überall finden und ihn köpfen lassen, soll der Angeklagte gedroht haben. Er fühlt sich betrogen.

Von Jürgen Müller
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Der Autokäufer muss sich vor dem Amtsgericht verantworten.
Der Autokäufer muss sich vor dem Amtsgericht verantworten. © Egbert Kamprath

Meißen. Der Angeklagte ist pikiert, sogar beleidigt. Denn das Gericht hat ihm die Anklageschrift auf Arabisch zugestellt. Das ist nicht verwunderlich, denn der Mann ist Syrer.

„Da wird man doch gleich in eine bestimmte Ecke gestellt“, moniert der 50-Jährige. Mit seinen Landsleuten, die seit 2015 zu Hunderttausenden nach Deutschland strömen, will er nicht auf eine Stufe gestellt werden. Er hält sich wohl für etwas Besseres, denn er ist seit 33 Jahren hier, hat einen Abschluss als Diplom-Ingenieur, führt eine Firma. 

Und steht nun wegen Bedrohung vor dem Meißner Amtsgericht. „Egal, wo Sie sind, ich werde Sie finden und köpfen lassen. Wir Araber haben unsere eigenen Gesetze“, soll er telefonisch einem Verkäufer eines Autohauses gedroht haben. Er fühlt sich von dem Verkäufer betrogen.

Der Angeklagte kaufte in dem Autohaus für seine Firma ein Fahrzeug auf Kredit. Doch die Bank spielte nicht mit. Sie verlangte einen zweiten Darlehensnehmer und Bürgen. Der Verkäufer informierte den Mann darüber. Dieser kam ins Autohaus, unterschrieb den Vertrag. Der Kreditvertrag kam zustande, das Fahrzeug wurde ausgeliefert, doch die Raten nicht bezahlt. 

Der Aufforderung, das Fahrzeug wieder abzuliefern, kam der Angeklagte nicht nach. Schließlich beauftragte die Bank ein Inkassounternehmen, welche das Fahrzeug beschlagnahmte. Das Autohaus hat das Auto wieder verkauft. Nach Angaben des Angeklagten kostete es 28.000 Euro, verkauft worden sei es für 18.000 Euro. Die Differenz von 10.000 Euro habe er bezahlen müssen.

Als der Angeklagte Handyverträge für seine Kinder abschließen will, werden ihm diese verwehrt. Denn die Bank hat einen Schufa-Eintrag veranlasst. Für ihn ist daran der Autoverkäufer schuld. Er ruft ihn an. Doch mit Mord will er nicht gedroht haben. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm das im Leben nicht verzeihen werde“, so der Mann. Den Satz, dass Araber ihre eigenen Gesetze haben, gibt er zu. Er habe nur damit gedroht, eine Kläranlage, die seine Firma im Autohaus eingebaut habe, abzuschalten. 

Verteidiger Andreas Suska möchte offenbar, dass der Zeuge nicht gehört wird. Er will, dass das Verfahren im Hinblick auf eine andere Verurteilung eingestellt wird. Immerhin sei sein Mandant schon in dieser Sache wegen veruntreuender Unterschlagung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Auch wegen falscher Verdächtigung und Beleidigung erhielt der Syrer schon Geldstrafen.

Staatsanwältin Sabine Greiffenberg lässt sich nicht darauf ein. Der Zeuge wird gehört - und ist sehr glaubwürdig. Er bestätigt die Drohung, die der Angeklagte drei Tage vor Weihnachten machte. „Wenn er mich nur beleidigt hätte, hätte ich einfach aufgelegt. Ich bin ja kein ängstlicher Mensch. Aber er hat mir mit Mord gedroht. Das waren keine schönen Weihnachten“, sagt der 51-Jährige.

Fragen des Angeklagten zu dem Kreditvertrag will er nicht beantworten. „Das ist ein Vertrag zwischen Ihnen und der Bank, wir als Autohaus sind da draußen. Ich sitze hier, weil Sie mir mit Mord gedroht haben“, sagt er. Bis heute habe sich der Angeklagte nicht entschuldigt.

„Das ist das Erbärmlichste, was ich je erlebt habe“, so der Verkäufer. Er ist empört, dass der Angeklagte den Vorwurf abstreitet: „Glauben Sie wirklich, dass ich mir das alles ausgedacht habe, dass ich zur Polizei gehe und mir eine Gerichtsverhandlung antue, wenn Sie es nicht gesagt hätten“, fragt er. Er selbst, der nach dem Anruf kreidebleich und fix und fertig gewesen sei, habe zunächst keine Anzeige machen wollen, doch seine Chefin habe ihm dringend dazu geraten.

Er habe schließlich das Auto bar bezahlen wollen, so der Angeklagte. Das sei kein Problem gewesen: „Ich habe gerade erst ein Schloss für zwei Millionen Euro gekauft“, prahlt er. Der Zeuge schüttelt den Kopf: „Ein Schloss für zwei Millionen, aber 240 Euro Monatsrate könne Sie nicht aufbringen?“ 

So steht Aussage gegen Aussage. Im Zweifel für den Angeklagten? So leicht macht es sich das Gericht nicht. Richter Michael Falk will weitere Zeugen hören, die zum Zustand des Verkäufers nach dem Anruf etwas sagen können. Am 26. November geht es weiter.