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Der Autohändler und der fliegende Amerikaner

Tony Wiechoreck hat ein Racing-Team aufgebaut. Mit seinem Star hat er sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt.

Tony Wieczoreck, Inhaber einer freien Werkstatt, kauft und repariert Autos. Doch sein Herz schlägt vor allem für Zweiräder.
Tony Wieczoreck, Inhaber einer freien Werkstatt, kauft und repariert Autos. Doch sein Herz schlägt vor allem für Zweiräder. © Claudia Hübschmann

Käbschütztal. Nein, für große Sprünge ist Tony Wieczoreck nicht bekannt. Der 34-jährige Familienvater führt eine freie Kfz-Werkstatt mit drei Angestellten in Niederjahna. Seit 2007 ist der gelernte Werkzeugmacher selbstständig, manche kennen ihn noch, als er seine Firma am Nicolaisteg gegenüber dem Meißner Amtsgericht hatte. Dort musste er raus, weil auf dem Gelände ein Supermarkt gebaut wurde. Vier Jahre war er dann in einem früheren Opel-Autohaus an der Niederauer Straße ansässig. Dort zog er aus, weil die Kaufverhandlungen scheiterten.

Seit knapp zwei Jahren ist er nun in Niederjahna, repariert, kauft und verkauft Gebrauchtwagen. Und obwohl die Werkstatt ein bisschen abgelegen ist gegenüber dem Herrenhaus, ist er mit der Resonanz zufrieden. „Fast die Hälfte sind Stammkunden, die uns die Treue gehalten haben“, sagt er. Auch Motorräder der Marke TM Racing aus Italien werden hier angeboten. „Das ist ein minimales Zubrot“, sagt er. Zwölf derartige Zweiräder - Handarbeit aus Italien, wie er betont - wechselten 2018 den Besitzer, 14 waren es im vergangenen Jahr.

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Doch gerade mit diesen Motorrädern setzt er nun doch zum ganz großen Sprung an. Im vergangenen Jahr gründete er das Wieczoreck Grand Prix Racing Team. Star ist Ty Cullings, ein Fahrer aus den USA. Seit November vorigen Jahres fährt der Amerikaner für das Team. Kennengelernt hat ihn Toni Wieczoreck auf der weltgrößten Motorradmesse in Italien. Und feiert mit ihm fleißig Erfolge. Beim Großen Preis von Polen gewann sein Fahrer vor 20 000 Zuschauern. Beim WM-Lauf in Riesa hat der Amerikaner alle drei Hauptrennen im Abendprogramm gewonnen. In der WM-Wertung führt er jetzt mit 15 Punkten Vorsprung. Das ist aber weniger, als man denkt. Pro Rennen gibt es 20 Punkte.

Ty Cullings bei der Motocross-WM in Riesa. Derzeit liegt der Amerikaner, der für das Niederjahnaer Racing-Team startet, bei der WM ganz vorn.
Ty Cullings bei der Motocross-WM in Riesa. Derzeit liegt der Amerikaner, der für das Niederjahnaer Racing-Team startet, bei der WM ganz vorn. © privat

Weitere Punkte wollen das Team und sein Fahrer bereits am Mittwoch holen. Dann steigt im spanischen La Coruna der dritte Weltmeisterschaftslauf. Insgesamt gibt es in der Hallensaison, die von Dezember bis März läuft, fünf Rennen. Im Februar geht es nach Budapest, den Abschluss findet die Rennserie Anfang April im polnischen Lodz.

Viel Arbeit für das Team, dem Mirko Schubert aus Riesa als Techniker, Brandon Krause aus den USA und Mike Schmitt angehören. „Das wäre natürlich sensationell, wenn wir den Titel gewinnen könnten. Neben dem Preisgeld, das der Fahrer bekommt, wäre es eine super Werbung für die Firma und für die Motorradmarke“, sagt der 34-Jährige, der selbst begeisterter Motorsportler war. Schon mit sechs Jahren sass er bereits auf einer 50-Kubikzentimeter Motocross-Automatic-Maschine. Bei den Landesmeisterschaften holte er 2001 den 10. Platz in der 125-ccm-Klasse, bei der Enduro-WM 2003 in Zschopau wurde er Sechster, nahm auch an der Deutschen Meisterschaft im Motocross teil. 2009 fuhr er sein letztes Rennen.

Die ganze Familie ist zweiradbegeistert. Vater Bernd hat in Neumohlis eine Motorradwerkstatt mit Verkauf, die seit einigen Jahren Tonis Schwester Kristin führt. Seine Leidenschaft für Zweiräder hat er auf seine Kinder vererbt, zumindest auf seinen Sohn. Zum dritten Geburtstag bekam der im vergangenen Jahr ein Elektro-Moto-Cross-Rad geschenkt. „Er stellt sich gar nicht so schlecht an bei seinen Fahrten durch den Garten“, sagt er und lacht.

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Bis der Sohn aber Motorsportler ist, dauert es noch eine ganze Weile. Jetzt muss im Wettkampf erstmals Ty Cullins ran. Doch wie lange kann es sich Tony Wieczoreck leisten, ein solches Racing-Team zu führen? „Klar kostet das Zeit, viel Geld und auch jede Menge Enthusiasmus. Zum Glück haben wir viele kleine Sponsoren“, sagt er. Und trifft eine klare Aussage für die Zukunft. „Wenn es uns gelingt, bei der Hallen-Weltmeisterschaft den ersten oder zweiten Platz zu belegen, werden wir auch in der kommenden Saison mit unserem Team starten.“

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