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Der Kümmerer auf dem Kupferberg

Ministerpräsident Michael Kretschmer macht bei einem Bürgerfest in Großenhain Wahlkampf für seinen CDU-Kollegen Sebastian Fischer.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Großenhains CDU-Landtagsabgeordneter Sebastian Fischer nahmen sich Zeit für Gespräche, wie hier mit Martina Köpke und Manfred Berge aus Diesbar-Seußlitz.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und Großenhains CDU-Landtagsabgeordneter Sebastian Fischer nahmen sich Zeit für Gespräche, wie hier mit Martina Köpke und Manfred Berge aus Diesbar-Seußlitz. © Kristin Richter

Großenhain. Sich unter Christdemokraten zu tummeln gilt für Jugendliche auch in Sachsen eher als uncool. Mary Goldbach (16) und Ruben Ritter (14) stört das nicht. Ganz unverkrampft bewegen sich die beiden Schüler aus Ebersbach beim Bürgerfest des CDU-Direktkandidaten Sebastian Fischer zwischen Politikern und lokalen Honoratioren. 

Selbst Ministerpräsident Michael Kretschmer, der seinem christdemokratischen Parteikollegen im Wahlkampf beispringt, wird in ein Gespräch verwickelt. „Der schaltet nicht auf Durchzug, wenn man mit ihm redet“, sagt Mary anerkennend. „Man traut ihm zu, dass er das, was er sagt, anschließend auch macht“, findet Ruben.

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 Die beiden dürfen zwar noch nicht wählen, aber wenn sie das Wahlalter erreicht hätten, würden sie ihr Kreuz wohl bei den Christdemokraten machen. Warum sie nicht, wie viele ihrer Generation, eher auf die Grünen stehen? „Die kümmern sich nur um die Großstädte“, sagt Ruben. „Die CDU-Leute kommen zu uns nach Ebersbach und hören uns zu.“

Allerdings ist auch Ebersbach keine christdemokratische Insel der Glückseligen. Die AfD kam hier bei der Europawahl auf fast 39 Prozent der Stimmen, die CDU nur auf knapp 27. Das hängt zum einen sicher mit der Bundespolitik zusammen, zum anderen mit den hohen Abwassergebühren, die viele Bürger ins Lager der Protestwähler trieben. 

Aber immerhin wird die Kommune im Osten des Landkreises von einem jungen, engagierten CDU-Bürgermeister regiert, und auch im neuen Gemeinderat sind die von der Union aufgestellten Volksvertreter stärkste Kraft. Das sieht in den Nachbargemeinden deutlich anders aus; dort liefen unabhängige Wählervereinigungen den Platzhirschen den Rang ab.

Um dem Popularitätsschwund zwei Wochen vor der Landtagswahl noch einmal entgegenzuwirken, hatte CDU-Direktkandidat Sebastian Fischer am Montag zu einem Bürgerfest auf den Großenhainer Kupferberg eingeladen. Der Ministerpräsident diente quasi als Zugnummer. 

Die Rechnung ging auf: An die 300 Leute kamen auf die Naherholungsinsel am Stadtrand, um Kretschmer zuzuhören und gehört zu werden. Der 44-Jährige versucht sich schon seit Längerem als Kümmerer für die Leute im ländlichen Raum – und das durchaus mit Erfolg. 

Wie er zu einer Umgehungsstraße für die Großenhainer B 101-Ortsdurchfahrt stehe, fragt Jörg Heller von der Tunnel-Bürgerinitiative. Die müsse gebaut werden, sagt Kretschmer, schon wegen des geplanten Flugplatz-Industriegebiets. Großenhain könne sich drauf verlassen, dass er da dranbleiben wird.

Wie er es mit Windkraftanlagen halte? Am besten, man schaffe die Regionalpläne ab und lege 2000 Meter Abstand zur nächsten Wohnbebauung fest, so der Christdemokrat. Man muss ihm zugestehen, dass er den Leuten in Großenhain durchaus nicht nur nach dem Mund redet. Als Kretschmer gefragt wird, ob ihm der Zuzug aus Ost- und Südosteuropa nicht Sorgen bereite, antwortet er anders als vielleicht erwartet.

 Sachsen brauche Fachkräfte aus dem Ausland. In diesem Jahr sei die Zahl derjenigen, die in Rente gehen, doppelt so hoch wie derjenigen, die ins Erwerbsleben eintreten. Warum also sollte man nicht qualifizierte Arbeitskräfte aus Polen, Litauen oder der Ukraine holen?

 Und wenn sich diese mit ihren Familien hier ansiedelten, belebe das nicht nur die Wirtschaft, sondern wirke auch dem Einwohnerschwund auf dem Lande entgegen. Zwischen Fachkräftezuwanderung und Asyl gebe es einen grundlegenden Unterschied.

Den Landtagswahl-Kontrahenten SPD fasst Sachsens oberster Christdemokrat in Großenhain geradezu mit Samthandschuhen an. Alles, was er in den vergangenen anderthalb Jahren auf den Weg gebracht habe, wäre ohne den Koalitionspartner nicht möglich gewesen. 

Und das, obwohl die Sozialdemokraten hier ziemlich links ausgerichtet seien. Eine Minderheitsregierung? Da müsse man, um etwas bewegen zu können, den Abgeordneten anderer Parteien unmoralische Angebote machen. Die AfD aber werde in Sachsen keinesfalls regieren, legt sich Kretschmer erneut fest und schaltet knirschend in den Wahlkampfmodus. 

Jede Stimme für die Partei sei quasi eine verlorene Stimme. Sebastian Fischer, um dessen Direktmandat für den Landtag es auf dem Kupferberg eigentlich ging, blieb eher im Hintergrund und beschränkte sich auf seine Rolle als sympathischer Koch aus Gävernitz.

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