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Großenhain

Der Mathedoktor

Dr. Frank Schieritz stammt aus der Alten Schmiede Zabeltitz und machte vor 50 Jahren Abitur. Er wurde Berlins Krankenhausplaner.

Frank Schieritz ist 68 Jahre und wohnt in Berlin.
Frank Schieritz ist 68 Jahre und wohnt in Berlin. ©  Anne Hübschmann

Zabeltitz/Berlin. Wenn Frank Schieritz jemandem eine wirklich große Freude machen will, dann schenkt er ihm eine Nacht in Zabeltitz. Eine Nacht in der Pension Alte Schmiede. Die gehörte seinem Großvater Johannes Gebhardt, der selbst schmiedete und 1966 gestorben ist. „Ich sollte auch Schmied werden, denn hier verbrachte ich meine Kindheit, nicht im Kindergarten“, erinnert sich Frank Schieritz.

Doch der heutige Berliner, Jahrgang 1951, machte vor 50 Jahren in Großenhain Abitur mit Berufsausbildung. Dann studierte er in Dresden an der TU Mathematik. „Ich freue mich sehr, dass mein Elternhaus so liebevoll und gekonnt restauriert und erhalten wurde“, sagt Schieritz. 

Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Im grünen Herzen des waldreichen Landschaftsschutzgebietes Oberlausitzer Bergland sprudelt ein ganz besonderer Schatz: Oppacher Mineralwasser, das überall dort zu Hause ist, wo Menschen ihre Heimat genießen.

Wenn er in der Gegend ist, übernachtet er auch selbst in der Zabeltitzer Pension. Die wird heute von Marek Börner geführt, dem Sohn seines Jugendfreundes Harald. Gemeinsam versteckten Frank Schieritz und Harald Börner nach einer Verschönerung 1969 eine Flaschenpost in der Backofenwand auf dem Grundstück. Sie kam bei der Sanierung des Dreiseithofes 2012 wieder zum Vorschein.

Zum jährlichen Familientreffen und zur Grabpflege kehrt der Berliner regelmäßig in seine alte Heimat zurück. Zur Entwicklung seines Geburtsortes befragt – Schieritz kam im Landambulatorium zur Welt – sagt er spontan: „Ganz toll.“ Großenhain hätte gut daran getan, Zabeltitz einzugemeinden und mit dem Barockpark einen Schwerpunkt zu setzen. Auch aus Berliner Sicht habe das Barockdorf einen ganz eigenen Charme.

Frank Schieritz stammt aus der Alten Schmiede Zabeltitz, die heute vom Ehepaar Börner als Pension betrieben wird.
Frank Schieritz stammt aus der Alten Schmiede Zabeltitz, die heute vom Ehepaar Börner als Pension betrieben wird. ©  Anne Hübschmann

Pfarrer Ellinger beeindruckte ihn

In seiner Jugend war Frank Schieritz Beatlesfan und hatte lange Haare. Ihn prägten die Junge Gemeinde Zabeltitz, Pfarrer Ellinger, der unglaublich spannend Geschichten erzählen und vorlesen konnte, Rüstzeiten und natürlich seine Mathelehrer. Seine Berufsausbildung machte der Zabeltitzer als Elektriker in der PGH 1. Mai Großenhain: drei Wochen Schule, eine Woche Praxis. Mit Alfred Schulze vom DRK Zabeltitz fuhr er in den Ferien an die Ostsee – gemeinsam mit vielen weiteren Kindern. 

„Deshalb wollte ich auch ins Gesundheitswesen“, sagt der Mathematiker. Er wurde 1973 nach Berlin vermittelt, an die Akademie für ärztliche Fortbildung. Bis zur Wende arbeitete er dort. Sein Aufgabengebiet: statistische Grundlagen für die Planungen im Gesundheitswesen. Nach dem Mauerfall zog es ihn erst mal zwei Jahre in den Westen, nach Frankfurt/Main. Als Frank Schieritz zurückkam, heuerte er in der Senatsverwaltung für Gesamtberlin an, wo er dann später für die Krankenhausplanung der ganzen Hauptstadt zuständig wurde.

„Als Arbeitsgruppenleiter war ich für die inhaltliche Ausrichtung aller Häuser zuständig“, erzählt Statistiker Schieritz, der inzwischen im Ruhestand ist. Objektivität sei nicht immer leicht gewesen, weil sich jede Klinik entwickeln wollte, aber manchmal nicht durfte. Alle fünf, sechs Jahre wurde ein neuer Krankenhausplan aufgestellt. Verbindlich für die Krankenhäuser wird er durch Verwaltungsakte. Dabei gab es nicht selten auch Gerichtsverfahren. „Aber ich habe meinen Job gern gemacht“, sagt Frank Schieritz.

Im Herbst großer Klassentreff

Familie Schieritz wohnt in der Nähe vom Tierpark, hat zwei Kinder und freut sich über drei Enkel. Der ehemalige Zabeltitzer treibt noch heute gern Sport – wie damals. Hört aber jetzt nicht mehr Beatles, sondern eher klassische Musik. Zur Wendezeit engagierte er sich politisch und trat in die SPD ein. Nebenbei bemerkt: Seine Schwägerin Jutta Seidel war 1989 Mitbegründerin des Neuen Forums.

Im Herbst wird der Berliner zum Klassentreffen nach Großenhain kommen. Nach 50 Jahren freut er sich auf ehemalige Mitschüler: Arzt Frank Streibhardt, Sigrun Kirmes von der gleichnamigen Drogerie am Frauenmarkt, Christine Schneidewind, heute Tribulowski oder Ulrich Sardisong aus Lampertswalde. „Der hat als Physiker am Abbau des Atomkraftwerkes Rheinsberg mitgearbeitet“, weiß Frank Schieritz. Er weiß auch, wo er im Herbst übernachten wird: freilich in der Alten Schmiede.

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