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Ostraus Pfarrer lässt das Bauen nicht

Reinhard Mehnert geht nach 36 Jahren in den Ruhestand. Angst vor aufkommender Langeweile hat er nicht.

Pfarrer Reinhard Mehnert steht vor der Orgel in der Ostrauer Kirche. Er geht nach 36 Jahren in den Ruhestand.
Pfarrer Reinhard Mehnert steht vor der Orgel in der Ostrauer Kirche. Er geht nach 36 Jahren in den Ruhestand. © Dietmar Thomas

Ostrau. Vor seiner Verabschiedung am Sonntag ist er überhaupt nicht aufgeregt, sagt Pfarrer Reinhard Mehnert. Ein Grund dafür dürfte wohl sein, dass er in 36 Jahren Dienst für die Kirchgemeinde Jahnatal so viel erlebt hat, dass ihn nichts aus der Ruhe bringt.

Der Abschiedsgottesdienst am Sonntag um 14 Uhr in der Kirche Ostrau dürfte aber sicherlich etwas anders laufen als im Normalfall. „Wenn das Wetter mitspielt, ist der Gottesdienst draußen, damit wir genügend Abstand halten können. Und hinterher gibt es Kaffee und Kuchen“, sagt Mehnert. Der stellvertretende Superintendent Rafael Schindler wird da sein und der Döbelner Posaunenchor sorgt für die musikalische Umrahmung.

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Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Reinhard Mehnert sagt, dass er seine Arbeit gern gemacht hat. Aber es fällt ihm auch nicht schwer, loszulassen. Das liegt auch daran, dass er privat ein Projekt angeschoben hat, dessen Vollendung er nun anstrebt. „Wir haben uns einen Bauernhof in Zschaitz gekauft, den wir gerade ausbauen. Auch drei unserer vier Kinder werden dort mit einziehen“, so Mehnert.

Damit setzt der Pfarrer fort, was ihn auch während seiner Amtszeit immer begleitet hat. Ständig gab es an den Kirchen, Pfarrhäusern, Friedhöfen und Außenanlagen seiner Kirchgemeinde etwas zu bauen. Erst in den letzten Monaten entstanden zwei Parkplätze in Zschaitz, einer an der Kirche, einer am Friedhof. Außerdem wurde der Erdkeller mit einem Eingang versehen und ein Taufstein restauriert. „Alle begonnenen Maßnahmen sind abgeschlossen, darüber bin ich froh“, sagt Mehnert.

Ostrauer Kirche nächster Bauschwerpunkt

Das heißt aber nicht, dass es in der Kirchgemeinde Jahnatal nichts mehr zu tun gäbe. „Die Ostrauer Kirche ist der nächste Schwerpunkt, an der muss dringend etwas gemacht werden“, weiß der scheidende Pfarrer. Die Kirche weist Trockenrisse auf, die Mehnert auf die Klimaveränderung schiebt. Die Baupläne für das Projekt sowie eine Kostenschätzung liegen vor. 

„Der neue Kirchenvorstand, der im September gewählt wird, muss die nötigen Entscheidungen treffen“, so Mehnert. Denn auch das gehört zu seinem Gang in den Ruhestand, dass er damit als Vorsitzender des Kirchenvorstandes ausscheidet. Dass gerade im September eine Neuwahl ansteht, ist Zufall. Der Vorstand wird alle sechs Jahre gewählt.

So sah die Kirche in Ostrau im Jahr 2010 aus.
So sah die Kirche in Ostrau im Jahr 2010 aus. © Archiv/Jörg Blobelt

Reinhard Mehnert stammt aus einer Bauernfamilie in Schönberg bei Waldheim. Obwohl Vater und Großvater jeweils im Kirchenvorstand des Ortes mitgewirkt haben, hatte Reinhard Mehnert das zunächst nicht vor. Er lernte Schlosser, wollte in der Landwirtschaft arbeiten. Doch die Erfahrungen in der kollektiven Landwirtschaft schreckten ihn ab. Er habe diese mithilfe des Glaubens verarbeitet, sagt Reinhard Mehnert, der sich selbst als „normalen Durchschnittschrist“ bezeichnet.

So studierte er in Berlin Theologie und übernahm 1984 das Amt des Pfarrers in Ostrau. „Nachdem die Stelle lange vakant gewesen war, bin ich dankbar aufgenommen worden“, erinnert er sich. Sein Pfarramt habe er wie ein Bauer geführt. „Selbstständig, eigenverantwortlich und nicht immer im Einklang mit meiner Kirche“, so Mehnert. So manches Mal hätten die Vorgesetzten in der Landeskirche die Stirn in Falten gezogen.

Dabei erinnert sich der Pfarrer durchaus gern an die DDR-Zeit. „Mit Worten und Gemeinsamkeit und Ideen konnte man einiges bewegen, weil die Leute hingehört haben“, sagt Mehnert. Daraus sei auch die Stimmung entstanden, die zu den Veränderungen 1989 führten. Diese Stimmung habe sich auch in den ersten Jahren nach der Wende gehalten. Doch heute könne man mit Worten nicht mehr viel bewirken. „Man kann sagen, was man will, es interessiert keinen.“

Famielienrückhalt wichtig

Bis heute hält Reinhard Mehnert die Strukturreform von 1999 für unausgewogen. Er musste damals neben Ostrau auch die Pfarrstellen Mochau/Beicha, Zschaitz und Jahna übernehmen. „Das wurde uns aufs Auge gedrückt, aber gesagt, wie es geht, hat uns keiner“, so Mehnert. Aufgrund dieser Strukturreform hätte vieles im Gemeindeleben beerdigt werden müssen, weil es nicht mehr zu leisten war. So sei zum Beispiel die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen teilweise weggefallen.

Trotz allen Einsatzes für die Kirchgemeinde ist Reinhard Mehnert die Familie wichtig. „Als Pfarrer ist man auch am Wochenende im Einsatz. Ich bin froh, dass mir meine Frau Karen den Rücken freigehalten hat“, so Mehnert. Einmal im Jahr ging es mit der gesamten Familie auf Urlaubsfahrt mit dem T4 Camper. „Wir waren in ganz Europa unterwegs, von Griechenland bis Norwegen“, schwärmt Mehnert. Nur in den vergangenen beiden Jahren seien die Reisen aufgrund des Baus am neuen Grundstück etwas zu kurz gekommen.

Er werde nicht für den neuen Kirchenvorstand kandidieren und auch keine Gottesdienste mehr halten. „Aber ich bleibe Mitglied der Gemeinde, und von daher kann man mich schon mal anrufen“, sagt Reinhard Mehnert. Die Konfirmation, die aufgrund der Corona-Krise verschoben wurde, will er aber noch durchführen. Ansonsten freut sich der 65-Jährige auf den neuen Lebensabschnitt. „Ich habe viele Ideen, die ich noch umsetzen möchte“, sagt er.

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