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Görlitz

Der teure Trick einer polnischen Tankstelle

Deutsche Kunden sind unverzichtbar für die Tankstellen in Zgorzelec. Eine hat nun einen Weg gefunden, noch ein wenig mehr Geld zu verdienen.

Die Stacja Paliw lockt mit günstigen Preisen - Kartenzahler aus Deutschland sollten sich jedoch vorsehen.
Die Stacja Paliw lockt mit günstigen Preisen - Kartenzahler aus Deutschland sollten sich jedoch vorsehen. © André Schulze

Sie ist Görlitz' bekannteste Tankstelle. Auf der polnischen Seite, kurz hinter der Stadtbrücke rechts, liegt die Stacja Paliw. Sie ist bestens bekannt für ihre charmant direkte Werbung: "Billige Zigaretten" und "Niedrige Preise, wir laden Sie ein". Beste Lage, bestes Angebot, könnte man meinen.

Doch das stimmt nicht ganz. Auf Google gibt es zum Beispiel zwei negative Bewertungen verärgerter deutscher Autofahrer, die beide angeben, abgezockt worden zu sein. "Jedem, der vorhat mit Karte an dieser Tankstelle zu zahlen, kann ich nur raten diese zu meiden", schreibt der Nutzer "Arno Nühm". Was ist da los?

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Normalerweise wird im Ausland gefragt, ob man in der jeweiligen Landeswährung oder in Euro bezahlen möchte. Viele entscheiden sich dabei für Euro, oder auch "mit Umrechnung", einfach weil es bekannt wirkt. Das ist aber ein Fehler, sagt Andrea Heyer von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Wir empfehlen in fast allen Fällen, ohne Umrechnung zu zahlen", sagt sie.

Ein schlechter Umrechnungskurs

Das Problem: Der jeweilige Dienstleister verlangt für die Umrechnung von Landeswährung in Euro Gebühren, auch ist der Kurs ein anderer. Der Unterschied kann bis zu zehn Prozent ausmachen. Zwar verlangen auch Banken eine Gebühr, der Prozentsatz liegt aber mit etwa 1,5 Prozent weit darunter.

Was die Stacja Paliw nun tut, ist simpel: Sie lässt den Kunden nicht auswählen. Jeder der seine Kreditkarte im kleinen Kassenhäuschen in ein Gerät schiebt, zahlt automatisch die Umrechnung in Euro und damit einen Kurs von einem Euro zu 4,02 Zloty. Zum Vergleich: der offizielle Wechselkurs liegt bei 4,27 Zloty, was ein Unterschied von über fünf Prozent ist. Das Geld geht an den Dienstleister "Polskie ePlatnosci", wie viel die Tankstelle mitverdient, ist unklar.

Nun ließe sich das noch mit Bauernfang erklären, stünde nicht in englischer Sprache auf dem Kassenzettel: "Ich akzeptiere, dass mir eine Wahl der Währung zum Bezahlen gegeben wurde." Das stimmt nicht. Auch die sekündlich wechselnden Preise an der Leuchtanzeige in Zloty und Euro sind in diesem Fall nicht mehr korrekt: Sie zeigen einen viel günstigeren Umrechnungskurs, als dem Kunden bei Kartenzahlung in Euro zugesprochen wird.

"Ich akzeptiere, dass ich meine Währung zum Bezahlen wählen konnte" - mindestens in diesem Fall und mehreren weiteren dokumentierten war dies nicht der Fall.
"Ich akzeptiere, dass ich meine Währung zum Bezahlen wählen konnte" - mindestens in diesem Fall und mehreren weiteren dokumentierten war dies nicht der Fall. © Maximilian Helm

Betrug? "In Deutschland wäre so etwas unzulässig, die Einwilligung auf dem Kassenbeleg ist eine untergeschobene Regelung", sagt Erk Schaarschmidt, Finanzexperte bei der Verbraucherzentrale Brandenburg (VZB). Doch: Obwohl die VZB in Deutschland die erste Ansprechspartnerin bei polnischen Verbraucherthemen ist, dieser Fall ist für sie völlig neu.

Ein alter Bekannter

Die Angestellten an der Tankstelle scheinen das Phänomen jedenfalls zu kennen. Auf unsere Nachfrage folgt erst die Erklärung, dass es sich um eine "Euro-Kreditkarte" handele, was aber keinen Sinn ergibt. Danach gibt uns die Verkäuferin zu verstehen, dass das Ende ihrer Sprachkenntnisse erreicht sei und die folgenden Kunden langsam mürrisch würden. Ein anderer Kunde berichtet von exakt der gleichen Strategie, als er seine Zahlung reklamieren wollte.

Nachfragen bei der Betreiberfirma des Zahlungsterminals laufen ins Leere, ebenso ist der Tankstellenbesitzer in keiner Form zu erreichen. Letzterer ist in Görlitz und vor allem Zgorzelec wohl bekannt. Es handelt sich um niemand Geringeren als Christos Papanaum, den aus Griechenland stammenden Millionär, dem zahlreiche Gebäude in Zgorzelec gehören. Papanaum gilt als öffentlichkeitsscheu, obwohl er einer der wichtigsten Personen in der Stadt ist, tritt er nur sehr selten in Erscheinung.

Hilft die Europäische Union?

Wie viele Bauten genau in seinem Besitz sind, ist nicht bekannt. In Görlitz gehörte ihm lange Zeit das Hotel "Monopol" am Postplatz. Eröffnet hat er es nie. In Zgorzelec besitzt er das verwaiste Einkaufszentrum direkt hinter der betreffenden Tankstelle sowie das äußerlich fertige, aber innen leere Ensemble am Plac Postowy, in bester Lage, direkt hinter der Altstadtbrücke. 

Das Häuserensemble am Plac Postowy in bester Lage steht leer. Hier sollen ein Hotel und Wohnungen entstehen - doch seit Jahren tut sich nichts.
Das Häuserensemble am Plac Postowy in bester Lage steht leer. Hier sollen ein Hotel und Wohnungen entstehen - doch seit Jahren tut sich nichts. © Maximilian Helm

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Mit den unlauteren Zahlungsmethoden an der Tankstelle könnte jedoch bald Schluss sein. "Die EU hat eine Allgemeinverfügung erlassen, damit müssen Kunden künftig sehr viel genauer informiert werden", sagt VZB-Finanzexperte Schaarschmidt. Künftig müssen Kosten mehrfach offengelegt und in Prozent angegeben werden, sonst drohen Strafen. Ab dem 19. April soll die Richtlinie gelten - ob sie von den EU-Mitgliedsländern dann auch zeitnah umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

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