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Freiwillige: Auf dem Weg zum neuen Ich

Junge Leute wollen wissen, welcher Beruf zu ihnen passt - und können das bei der Diakonie St. Martin. Ältere Interessenten möchten noch gebraucht werden.

Julian Ay ist gerade 18 geworden. Im Brüderhaus des Rothenburger Martinshofes will er nun erfahren, ob der Sozialbereich beruflich etwas für ihn sein könnte.
Julian Ay ist gerade 18 geworden. Im Brüderhaus des Rothenburger Martinshofes will er nun erfahren, ob der Sozialbereich beruflich etwas für ihn sein könnte. © André Schulze

In vielen Bereichen sind sie unverzichtbar. Gerade was das Soziale betrifft. Hilfe für ältere Menschen, Beschäftigung der Jüngsten in den Kitas - für Interessenten, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder den Bundesfreiwilligendienst (BFD) absolvieren wollen, gibt es viele Möglichkeiten. Auch im Landkreis Görlitz. Der Rothenburger Martinshof ist nicht nur selbst Einsatzstelle, sondern tritt auch als Vermittler auf.

Ob Julian Ay unter normalen Umständen als "Bufdi" im Martinshof gelandet wäre, weiß er nicht. Fest steht: Der 18-Jährige hat seine Elektriker-Lehrstelle gekündigt und war plötzlich wieder "auf dem Markt". "Ich musste mir überlegen, was nun werden soll. Und da für mich neben Elektriker auch Sozialpädagoge eine Option war, habe ich mich neu orientiert", erzählt der Rothenburger. Praktisch für ihn, dass die Vermittlungsstelle der Freiwilligendienste im Martinshof quasi um die Ecke liegt. Seit November vergangenen Jahres ist der junge Mann nun im Brüderhaus und testet - sich selbst und das, was er hier macht. "Ich will sehen, ob das zusammenpasst."

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Freiwilligendienst als Testfeld für Berufspläne

Wie es aussieht, könnte aus dem Test ein Dauerzustand werden. Denn Julian fühlt sich in der neuen Umgebung beruflich wohl. Und hat verschiedene grundsätzliche Erfahrungen gemacht, mit denen er zuvor noch Schwierigkeiten hatte. "Telefonieren, auf Leute zugehen - das war nicht meins. Jetzt aber ist der Umgang mit Menschen kein Problem mehr für mich." Auch weil er im Martinshof Kontakt zu allen nur möglichen Bevölkerungsgruppen hat: Behinderte, deren Familienangehörige, aber auch Mitarbeiter und im Brüderhaus wohnende Tagesgäste. Julian will sich zum Sozialpädagogen ausbilden lassen - zuerst das Fachabitur machen, dann soziale Arbeit studieren. "Der Bundesfreiwilligendienst ist eine Art Türöffner für mich."

Anna-Magdalena Schubert hält die Fäden in der Hand. In der Diakonie St. Martin ist sie zuständig für rund 100 Einsatzstellen im ganzen Kreisgebiet. Aktuell gibt es hier etwa 70 Freiwillige. 300 Plätze in Ostsachsen und Südbrandenburg könnte sie insgesamt vermitteln. Aber es ist nicht leicht, passende, neue Interessenten zu gewinnen. Gegenüber den vergangenen Jahren sei es noch einmal schwieriger geworden, erklärt die kleine agile Frau. "Grund ist vor allem der Arbeitsmarkt. Wenn die Leute Jobs haben, suchen sie bei uns keine Alternative", hat sie festgestellt. Zudem würden sich junge Leute immer später bewerben. "Wir müssen sehen, welche Veränderungen sich in diesem Jahr durch die Corona-Krise ergeben."

Tätigkeiten, für die das Personal keine Zeit findet

Unter 27-Jährige machen inzwischen nur noch ein Drittel aller Teilnehmer aus. Der Rest sind Ältere, die sich mit Hilfe des Freiwilligenjahres umorientieren oder - wenn sie schon in den 50ern sind - noch nicht zum alten Eisen gehören wollen. Bei der Vielzahl der Einsatzstellen ist es fast unmöglich, nichts Passendes zu finden. So gibt es Angebote zum Beispiel im Ludwigsdorfer Lebenshof, bei der Initiative "Augen auf - Zivilcourage zeigen" in Löbau oder in verschiedenen Kirchgemeinden und Kindertagesstätten. Die Tätigkeiten dort sollen arbeitsmarktneutral sein. "Es sind also vor allem Dinge, für die das reguläre Personal keine Zeit findet", erklärt Anna-Magdalena Schubert. Mit Behinderten basteln, mit Senioren singen, Kinder durch ihren Tag in der Kita begleiten. "Das ganze Spektrum im Sozialbereich", fasst die Koordinatorin der Freiwilligendienste zusammen.

Für manche wird das Jahr zum Sprungbrett für den weiteren beruflichen Weg. "Wir hatten schon viele Frauen, die im Kindergarten waren und sich dann zur Erzieherin umschulen ließen. Berufsbegleitend ist ja heute sehr viel möglich", weiß Schubert. Sie sieht die Freiwilligendienste auch als Chance für die Integration. "Jedes Jahr sind bei uns mindestens fünf Leute mit Flüchtlingsbezug dabei. Sie profitieren dreifach: Sie lernen den Arbeitsalltag in Deutschland kennen, verbessern sich in der deutschen Sprache und knüpfen Kontakte, um sich im neuen Land besser einzufinden."

Diakonie wirbt auch in Polen und Tschechien

Um die Einsatzstellen noch lückenloser besetzen zu können, geht die Diakonie St. Martin seit Kurzem neue Wege. Auch im polnischen und tschechischen Grenzgebiet wird um Interessenten geworben. "Polen und Tschechen nehmen den Deutschen keine Plätze weg. Wir wollen den Sozialberuf vielmehr bekannter machen. Denn fest steht doch, dass uns gerade hier Arbeitskräfte fehlen", begründet Anna-Magdalena Schubert die Initiative.

Interessenten für Bundesfreiwilligendienst und Freiwilliges Soziales Jahr können sich in der Diakonie St. Martin wie folgt melden: 035891 38147 oder [email protected]

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