merken
PLUS Fahrrad

Sachsens schönste Radtouren - Teil 2

Grüne Flussauen, ein großer Badesee und schmucke Umgebindehäuser – wer von Görlitz aus in Richtung Hirschfelde radelt, erlebt eine entspannte Landschaft. 

Das Kloster St. Marienthal ist einen Abstecher wert.
Das Kloster St. Marienthal ist einen Abstecher wert. © Julian Nitzsche, CC BY-SA 4.0

Von Reinhard Schubert

Auf der Straße nach Süden – so ließe sich diese Strecke auch betiteln, allerdings ist es eine Rundtour, das heißt, dass das, was gen Süden geradelt wird, auch wieder gen Norden reingefahren werden muss. Los geht’s am Görlitzer Bahnhof, rechts die Bahnhofstraße entlang bis zum Kreisverkehr am Kino. 

Die dritte Ausfahrt ist die richtige, um die Schienen zu unterqueren. Gegenüber der Unterquerung folgt man einem kleinen Weg an einem Spielplatz entlang. Vor dem Radfahrer erhebt sich die Kathedrale St. Jakobus, die Bischofskirche des Bistums Görlitz. Wenig später, am Ende des Weges, kommt man an der kleineren, evangelischen Heilig-Geist-Kirche vorbei, bevor es weiter auf der Zittauer Straße gen Süden geht. Es dauert nicht lang und auf der linken Straßenseite taucht ein Radweg auf. 

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint

Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Nach der Gaststätte „Zeltgarten“ dreht die Route nach links und folgt ab sofort dem Oder-Neiße-Radweg D12, der in der Nähe des tschechischen Jablonec an der Neißequelle startet und Radfahrer bis an die Ostsee

bringt. Wer immer mal auf die Markierungen achtet, kommt auf den nächsten Kilometern also garantiert nicht von der Strecke ab. Zunächst rollt man durch den Görlitzer Ortsteil Weinhübel, der sich noch etwas seines einstigen dörflichen Charakters bewahrt hat. 

Vorbei an der Gaststätte „Zur Landeskrone“ verlässt die Tour langsam Görlitz und verläuft ruhig und entspannt durch die Flussauen der Neiße links von der B99. Rechterhand lässt sich der schöne Berzdorfer See erahnen, doch die Strandpause steht erst auf der Rückfahrt auf dem Programm. Die Neiße dagegen versteckt sich oft vor Radfahrerblicken. Allerdings gibt es so einige kleine Stichwege hin zu ihrem Ufer, sodass das kühle Nass schell erreichbar ist. 

Natur statt Tagebau

Nach zehn Kilometern erreicht die Tour Hagenwerder. Einst prägten vier große Kühltürme des Braunkohlekraftwerks „Völkerfreundschaft“ das Bild der Gegend, in der der Rohstoff abgebaut wurde. Heutzutage hat sich die Natur viel zurückgeholt, kaum noch etwas erinnert an die Zeit des aktiven Tagebaus. Abgebaut wird allerdings immer noch etwas – wenn auch nur Kies, wie man linkerhand nach der Überquerung der Pliesnitz sehen kann. Der nächste Ort auf der Strecke ist Ostritz. 

Die Radwegmarkierung bringt den Radfahrer bis auf den Markt des Ortes. Hier bietet sich ein kleiner Abstecher nach links zu der deutlich sichtbaren katholischen Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt an. Vor der Kirche laden Fahrradständer, Sitzgruppen sowie eine Wasserstelle zur Rast unter den hohen Bäumen ein. Die Kirche ist tagsüber geöffnet, Informationen liegen aus. Im Mai 2015 wurde die Kirche zur ersten katholischen Radwegekirche in Sachsen ernannt. 

Wer jetzt schon eine Stärkung benötigt, dem sei 150 Meter vor dem Markt an der Strecke die Konditorei und das Café Giersch empfohlen. Bei schönem Wetter lässt es sich auch draußen gut aushalten. Das nächste Highlight der Tour wartet ein paar Kilometer weiter den Radweg hinunter: die herrliche Anlage des bis heute aktiven Klosters St. Mariental. Es ist das älteste Frauenkloster des Zisterzienserordens in Deutschland, das seit seiner Gründung im Jahr 1234 ununterbrochen besteht. Wer etwas mehr Zeit hat, sollte sich einer Führung anschließen. Und natürlich lockt auch in St. Marienthal eine gastronomische Einrichtung – die Klosterschenke.

Frisch gestärkt geht es weiter nach Süden, immer noch der Radwegmarkierung des NeißeRadwegs folgend. Jetzt ist auch öfter der Blick frei auf den Fluss, der sich hier entlangwindet und als Grenzlinie zwischen Deutschland und Polen fungiert. Nach reichlich 27 Kilometern ist der Umkehrpunkt der Tour erreicht, die Gemeinde Hirschfelde. 

Am Anfang des Ortes gibt es wieder eine schöne Möglichkeit der Stärkung, die Fleischerei der Familie Engemann mit der Gaststätte „Alte Wäscherei“ direkt am Radweg. Wer vorher noch nicht zugeschlagen hat, sollte es hier tun, denn nach wenigen Kilometern ist es vorbei mit dem flachen Radeln am Fluss entlang. 

Hirschfelde wurde viele Jahre lang durch die Leinenweberei geprägt, später kam – für die ganze Region typisch – der Braunkohletagebau und die damit verbundenen Kraftwerke hinzu. Das Kraftwerk Hirschfelde ist heute ein Industriedenkmal, allerdings nur unregelmäßig geöffnet. Sehenswert ist zudem die Kirche St. Peter und Paul, das älteste Gotteshaus der Region. 

Jetzt geht’s bergauf

Bei Kilometer 29,6 verlässt die Route den Neiße-Radweg und biegt links in die August-Bebel-Straße ein. Wer mit dem Radweg auf die B99 nach Zittau stößt, ist zu weit gefahren und muss rund 100 Meter zurückradeln. Rollte es bisher recht relaxt den Weg entlang, ist nun mehr Krafteinsatz gefragt, denn es geht stramm bergauf, durch reizvolle und gepflegte Dörfer mit schönen Ausblicken ins Iser- und Riesengebirge und ins Lau

sitzer Bergland entlang ruhiger Landstraßen. Aus Hirschfelde hinaus gelangt man nach Dittelsdorf. Viele Umgebindehäuser prägen das Bild des Ortes, auch die Matthäuskirche ist sehenswert. Auch die Johanniskirche des Nachbarortes Schlegel ist einen kleinen Abstecher wert. Als nächstes stehen Burkersdorf, Dittersbach auf dem Eigen auf der Karte. 

Auch hier wie in nahezu allen auf dem Rückweg bis hierher durchfahrenen Orten stehen malerische Umgebindehäuser. Als nächstes erreicht die Strecke Kiesdorf auf dem Eigen. Linkerhand erheben sich künstliche Hügel – die ehemaligen, jetzt begrünten Halden des früheren Braunkohletagebaus. Rechterhand tun Windräder ihren Dienst. In Tauchritz angekommen, geht es nach links in Richtung Dorfkirche.

Nach etwa 300 Metern kommt man ans sehenswerte Wasserschloss Tauchritz und direkt daneben an das reizvolle Gut am See. Hier dürfte kein Magen leer bleiben. Besonders im Sommer lässt es sich draußen wunderbar speisen. Wenn die Temperaturen hoch sind, winkt wenig später noch eine Pause am Berzdorfer

See. Einst ein Restloch des Tagesbaus, ist er heute ein wunderschöner Erholungs- und Badesee, um den sich ein Rundweg schlängelt. Diesem folgt die Route entgegen dem Uhrzeigersinn in Richtung Norden, entlang des Ostufers des Sees. Wasservögel, Stille, Wellengeplätscher, die Landeskrone am Horizont – hier lässt es sich aushalten.

Etwa in der Mitte des rechten Seeufers, an den wenigen verbliebenen Gebäuden des früheren Dorfes Deutsch-Ossig, gibt es wieder Möglichkeiten für einen kleinen Snack oder ein erfrischendes Eis aus regionaler Produktion. 

Weit ist es nun nicht mehr bis zurück nach Görlitz. Der Neiße-Radweg bringt die Radfahrer in die Stadt. Dafür muss man den Rundweg am Berzdorfer See an der nächsten Kreuzung nach Deutsch-Ossig geradeaus verlassen, bis zur B99 fahren und diese überqueren. Nun ist der Rückweg identisch mit der Strecke am Morgen, nur eben in die andere Richtung.

Weiterführende Artikel

Sachsens schönste Radtouren - Teil 3

Sachsens schönste Radtouren - Teil 3

Elbe, Wein und Steinbrüche – von Meißen nach Riesa begleiten den Radfahrer malerische Landschaften. Auch für Einkehr und Pausen ist genug gesorgt.

Länge: 62 km, Höhenmeter: 620 hm, Sehenswürdigkeiten: Altstadt Görlitz, Ostritzer Pfarrkirche, Kloster St. Marienthal, Hirschfelder Kirche, Berzdorfer See, Wasserschloss Tauchritz

Radtyp: Tourenrad, Familien

Schwierigkeit: 2/4

In Kooperation mit dem adfc Sachsen

Streckenkarte. 
Streckenkarte.  © Grafik: Sylvia Tietze

Mehr zum Thema Fahrrad