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Die ersten Gäste nach Cornona

Im Schullandheim Reichwalde ist mit Budo- Fitness aus Cottbus endlich wieder ein Verein angereist. Noch aber gelten viele Sonderregeln.

Trainer Jens Steiner (links) und Frank Neumann im Zweikampf mit dem Bo, einem 1,80 Meter langen Bambusstock.
Trainer Jens Steiner (links) und Frank Neumann im Zweikampf mit dem Bo, einem 1,80 Meter langen Bambusstock. © Constanze Knappe

Bevor es an den Zweikampf mit dem Bo geht, schauen die Männer und Frauen auf ihren Trainer. Jens Steiner führt die Katas, also die Bewegungsabfolgen der japanischen Kampfkunst Bo-Jutsu, vor. Man braucht schon ein gewisses Gefühl für den 1,80 Meter langen Stock aus Bambus. Konzentriert sind sie alle bei der Sache.
Einige Meter weiter üben sich Kinder in Selbstverteidigung. Nachdem die Sommerferien in Brandenburg bereits begonnen haben, verbringt der Verein Budo-Fitness Cottbus diese Woche sein Trainingslager im Schullandheim Reichwalde. Nicht zum ersten Mal. Trainerin Adina Lenz ist des Lobes voll – über die tolle Anlage, die beste Trainingsbedingungen bietet, über die Finnhütten, wo den Kampfkünstlern ein eigener Bereich zur Verfügung steht, und über das Personal, welches sich „super auf unsere Gewohnheiten einstellt“. Und dennoch ist diesmal alles ein bisschen anders.

Endlich wieder Leben im Haus

Bis zuletzt haben die Cottbuser gezittert, ob es mit dem alljährlichen Sommercamp wegen Corona überhaupt etwas wird. Einige Eltern hätten deswegen abgesagt, was Adina Lenz schade findet. Aber es sei eben der Unsicherheit geschuldet. Umso erleichterter ist man in dem Verein für Kampfkünste und Fitness, dass in Brandenburg wie in Sachsen weitere Einschränkungen gelockert wurden. „Bisher durften wir ja nur auf Abstand trainieren. Aber jetzt geht das Training wieder richtig los.“ Die Freude darüber ist Adina Lenz anzumerken.

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Mindestens genauso froh ist Christine Neumann, die pädagogische Leiterin des Schullandheims. „Endlich wieder Leben im Haus“, sagt sie. Von jetzt auf gleich seien mit einer Allgemeinverfügung des Freistaats sämtliche Klassenfahrten gestrichen worden. Vorerst bis Schuljahresende. Und so warte man im Förderverein der Einrichtung sehr gespannt auf den 17. Juli, wenn das sächsische Kabinett seine nächste Verfügung zu Corona erlässt.

„Wir tasten uns langsam ran“, sagt sie. Seit Ende Mai ist das Haus wieder offen. Zuvor musste den Gesundheitsbehörden ein Hygienekonzept vorgelegt werden. An mehreren Stellen im Haus stehen Desinfektionsspender; zum Essen früh und abends darf es kein Buffet geben, und natürlich ist immer und überall auf Abstand zu achten. Die Gäste werden bei Anreise darüber informiert. Denn bei alldem ist jeder auch ein Stück weit selbst verantwortlich. Vollbelegung ist nicht erlaubt. Pro Zimmer darf jeweils ein Familienstand, wie es behördlich heißt, übernachten. Noch sei unklar, was das für die zwei Feriencamps mit jeweils 25 Kindern bedeutet. Da diese erst Anfang August stattfinden, habe man aber noch Zeit, sich darauf einzustellen.

Großes Foto: Wie man sich am besten selbst verteidigt, bringen Adina Lenz und Alexander Pauli den Kindern im Camp bei. Hannes (Mitte) und die anderen sind voll bei der Sache.
Großes Foto: Wie man sich am besten selbst verteidigt, bringen Adina Lenz und Alexander Pauli den Kindern im Camp bei. Hannes (Mitte) und die anderen sind voll bei der Sache. © Constanze Knappe

Ohne Gäste kein Einkommen

„Eigentlich wäre jetzt Hochsaison“, sagt Christine Neumann und verweist auf die Schulabschlussfahrten der Viertklässler. Im Mai und Juni sind meist drei bis vier Klassen gleichzeitig da. Darüber nachdenken will sie lieber nicht so sehr. An die 40 Klassen sind in der Saison ausgefallen, ebenso die Besucher zu Pfingsten oder Himmelfahrt. Zu tun gab es auch ohne Gäste. Das großzügige Außengelände bedurfte während der Corona-Schließzeit einer intensiven Pflege. Es wurden Bänke gestrichen und anderes mehr. Doch ohne jegliche Einnahmen konnte der Förderverein allein die Misere nicht auffangen. Wenigstens sind mit der Soforthilfe des Bundes die laufenden Betriebskosten zu bezahlen. Die neun festangestellten Mitarbeiter des Hauses wurden in Kurzarbeit geschickt. Das sind sie noch immer, kommen nur bei Bedarf ins Schullandheim. Dennoch sind sie „froh, dass sie ihren Job behalten“. Denn der Saisonbetrieb bedeutet selbst unter Normalbedingungen den Winter über den Gang zum Arbeitsamt. Unterstützt werden die Mitarbeiter von zwei Ein-Euro-Jobbern und einer FÖJlerin, deren Einsatzjahr sich bald dem Ende neigt.en

Viele Partner sind selber betroffen

Christine Neumann arbeitet seit 2002 in der Einrichtung. Über eine geförderte Maßnahme kam sie einst ins Schullandheim Reichwalde – und durfte bleiben. Die gelernte Kindergärtnerin, die sich nach der Wende zur Erzieherin qualifizierte, kennt beide Seiten. Es sei schön, wenn man über Jahre hinweg die Entwicklung der Kinder miterlebt, erzählt sie. Im Schullandheim sei es aber auch schön, jede Woche mit neuen Kindern zu arbeiten, auf deren Wünsche man sich jedes Mal neu einstellen müsse. Zudem arbeite sie in einem guten Team. „Das passt“, sagt sie.
Derzeit liegt das gesamte pädagogische Programm auf Eis – wie etwa das Keschern mit den Mitarbeitern des Biosphärenreservats im nahen Teich oder die Wolfsvorträge des Wolfsbüros in Rietschen. „Alle unsere Partner sind ja ebenso von den Corona-Einschränkungen betroffen“, erklärt Christine Neumann. Etwa der Bauernhof Ladusch: Viertklässler aus Brandenburg wollen meist dorthin. Oder das Safariwildgehege in Uhyst. Die pädagogischen Angebote könnten aber jederzeit wieder schnell aktiviert werden. Sobald man darf.

Neustart nach den Sommerferien

Im Schullandheim freut man sich, „dass es langsam wieder losgeht“. Und auch für den Ort Reichwalde wäre es gut, „wenn das Haus wieder läuft“ und die Gästekinder das Freibad nutzen. Am vorigen Wochenende übernachteten die ersten Familien im Dachgeschoss. Mit den Cottbuser Sportlern ist nun auch der erste Verein nach der langen Schließzeit angereist. Über die weitere Saison „kleckert es sich so dahin“, heißt es beim Förderverein. Noch seien Interessenten unsicher. Für einige Wochenenden ist reserviert, nächste Woche reist eine Tagesgruppe mit 15 Personen an. Vier solcher Gruppen könnte man unterbringen.
Brandenburger Schüler dürfen nach den Sommerferien wieder auf Klassenfahrt gehen – vorausgesetzt, ihre Eltern stimmen zu. Reserviert haben drei Klassen aus Cottbus mit etwa 70 Kindern und Betreuern. Die Freude darüber mischt sich im Schullandheim mit der Sorge, ob sie denn auch wirklich kommen. Normalerweise geht die Saison im Schullandheim mit der Lausitz-Rallye zu Ende. Dann ist das Haus voller Streckenposten. Ob das auch 2020 so sein wird, kann noch niemand sagen.
Nach dem Ausfall in diesem Jahr lassen sich einige Schulen für 2021 vormerken. In der Vor-Corona-Zeit haben manche Lehrer von Viertklässlern schon für die nächste Abschlussfahrt in vier Jahren reserviert. Christine Neumann würde sich wünschen, dass die Cottbuser Sportler auch 2021 ihr Sommercamp in Reichwalde verbring

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