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Derzeit kommen die meisten Flüchtlinge aus Venezuela

Jedes Jahr kommen weniger Asylbewerber nach Sachsen. Viele haben keine Perspektive auf ein Bleiberecht. Auftakt zu einer neuen Artikelserie auf Sächsische.de.

Eine syrische Familie vor einem Asylbewerberheim: In den vergangenen Jahren ist in Sachsen die Zahl der Asylbewerber aus dem Bürgerkriegsland zurückgegangen.
Eine syrische Familie vor einem Asylbewerberheim: In den vergangenen Jahren ist in Sachsen die Zahl der Asylbewerber aus dem Bürgerkriegsland zurückgegangen. © ZB

Dresden. Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Sachsen kommen, ist weiter rückläufig. Der Freistaat hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres etwa 1.590 Asylsuchende aufgenommen. Das geht aus Zahlen der zuständigen Landesdirektion hervor. Anfang des Jahres hielten sich demnach mehr als 22.200 Asylbewerber in Sachsen auf. Etwa 2.500 Personen sind in Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht.

Derzeit kommen die meisten Flüchtlinge aus Venezuela. Sachsen ist in Deutschland Schwerpunkt für Asylanträge von Menschen aus dem Land, das eine schwere politische und wirtschaftliche Krise durchmacht. 2019 kamen insgesamt 758 Venezolaner, bis Juni dieses Jahres 334. Schutz suchten in Sachsen unter anderem auch Flüchtlinge aus dem Libanon, Afghanistan und Pakistan.

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Seit der Liberalisierung der Visumspflicht ist die Zahl der Asylbewerber aus Georgien gestiegen. Im ersten Halbjahr 2020 wurden 157 Anträge registriert. Die Anerkennungsquote ist mit 0,3 Prozent sehr gering. Ziel der Bundesregierung ist es, Georgien ebenso wie Tunesien, Marokko und Algerien als sicheren Herkunftsstaat einzustufen. Die Entscheidung wird im Bundesrat von den Grünen blockiert.

Weniger Asylbewerber aus Syrien

Kontinuierlich zurückgegangen ist in den vergangenen Jahren die Zahl der Asylbewerber aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Im vergangenen Jahr kamen 523 Syrer nach Sachsen, im ersten Halbjahr dieses Jahres waren es 199. Vor fünf Jahren stammten etwa 42 Prozent der in Sachsen angekommenen Asylbewerber aus Syrien. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 sagte Bundeskanzlerin Merkel auch den umstrittenen Satz „Wir schaffen das“. In einer Artikelserie wird die SZ in den kommenden Tagen beleuchten, wie sich die Flüchtlingssituation in Sachsen und Deutschland seither entwickelt.

Europaweit steigt die Zahl der neuen Asylbewerber wieder deutlich. Im Januar und Februar 2020 stellten 116.000 Menschen einen Erstantrag in einem EU-Land. Durch die Corona-Krise ging die Zahl im April und Mai schlagartig zurück, ist zuletzt aber wieder angestiegen.

In Sachsen liegt die Zahl der Flüchtlinge bisher unter Vorjahres-Niveau. 2019 nahm Sachsen etwa 6.645 Menschen auf. Zum Vergleich: Zwischen Januar und Dezember 2015 wurden fast 70.000 Menschen registriert. 2016 kamen noch rund 14.860 Asylbewerber nach Sachsen. 2018 etwas mehr als 8.800. 

Neue Serie auf Sächsische.de: Fünf Jahre "Wir schaffen das"

Fünf Jahre ist es her, dass drei Worte fast die deutsche Gesellschaft gespalten haben. Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel den umstrittenen Satz "Wir schaffen das". Der Riss, der dem folgte, ist noch heute zu spüren: in sozialen Medien, auf Demonstrationen, in der Stadt, auf dem Dorf, zwischen Familienmitgliedern. Auch unsere Arbeit hat sich verändert, seit Journalisten fast täglich dem Vorwurf der "Lügenpresse" ausgesetzt waren.

Was geschah damals? Was haben wir daraus gemacht? Wie ging es weiter? In einer Artikelserie wird Sächsische.de in den kommenden Tagen beleuchten, wie sich die Flüchtlingssituation in Sachsen und Deutschland seither entwickelt.

Zum Auftakt besuchte Karin Großmann Heidenau im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Vor fünf Jahren wurde die Stadt deutschlandweit zum Synonym für Ausländerhass. Der Protest richtete sich gegen die Nutzung eines leer stehenden Baumarkts als Flüchtlingsunterkunft. Innerhalb eines Wochenendes Ende August arteten die Demonstrationen aus: 150 Randalierer versuchten, die Bundesstraße 172 zu blockieren, warfen Steine, Bierflaschen, Böller auf Polizisten, Flüchtlinge, Journalisten, die Gewalt nahm zu.

Wie sieht es heute in Heidenau aus? Die Schwellenangst ist geblieben, berichtet Karin Großmann.

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