merken
PLUS

Görlitz

Die Nistkästenzerstörer sind bekannt

Die Polizei hat in Reichenbach ermittelt. Die Täter werden helfen, neue Behausungen aufzuhängen. Trotzdem gibt es Sorgen.

Joachim Weigel aus Reichenbach freut sich sehr: Viel Zuspruch gab es für den Naturschützer und Unterstützung aus der Bevölkerung. Nun sind die neuen Nistkästen fertig.
Joachim Weigel aus Reichenbach freut sich sehr: Viel Zuspruch gab es für den Naturschützer und Unterstützung aus der Bevölkerung. Nun sind die neuen Nistkästen fertig. © Constanze Junghanß

Mit so vielen Reaktionen hat Joachim Weigel nicht gerechnet. Noch immer ist der Reichenbacher etwas verblüfft, welche Resonanz der Vorfall mit den zerstörten Nistkästen im Niederhofpark Reichenbach auslöste. Und dass der Schrecken vor zwei Monaten mit den Vandalismus-Schäden dank einer Hilfswelle und auch der ortsansässigen Polizei nun Erleichterung gewichen ist.

Was war passiert? Der 72-jährige Joachim Weigel engagiert sich seit mehr als 30 Jahren ehrenamtlich für den Naturschutz im Landkreis Görlitz. Vor allem um die heimische Vogelwelt kümmert sich der Rentner. 112 Nistkästen in Reichenbach und umliegenden Dörfern betreut er mit. Einen Teil davon – den im Niederhofpark beispielsweise – befreit Weigel auch von den natürlichen Hinterlassenschaften der Höhlenbrüter, da diese sonst ihre Behausungen nicht mehr annehmen. Zu Beginn der Brutzeit im März musste er dann entdecken, dass Unbekannte die Hälfte der Nistkästen zerstört hatten. Acht der insgesamt 16 Vogelbehausungen lagen zerschmettert auf dem Erdboden. Weigel informierte die Polizei, die den Schaden aufgenommen hat.

Anzeige
Jetzt mitmachen: #ddvlokalhilft-Umfrage
Jetzt mitmachen: #ddvlokalhilft-Umfrage

Händler ganz aus der Nähe trotzen mit spannenden Ideen der Krise. Überraschungen und Überraschendes! Unser Newsblog:

Nachdem die SZ darüber berichtet hatte, kamen noch am gleichen Tag die ersten Anrufe, erzählt Joachim Weigel. Zuspruch bekam der Reichenbacher, sich weiter für die heimischen Vogelarten stark zu machen und den Mut nicht zu verlieren. Dann habe sich ein Arzt aus Görlitz bei ihm gemeldet, der anonym bleiben möchte, und 50 Euro spendete, damit die Kästen ersetzt werden können. Eine Sohländerin sponserte ihm nach dem Vorfall ein wertvolles Buch über Ornithologie, also Vogelkunde. Eine Reichenbacherin habe ebenfalls eine Spende zugesichert und andere Leute versprachen Hilfe beim Aufbau.

Sogar der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) meldete sich, um über die zerstörten Nisthilfen zu berichten. Das sei allerdings wieder abgeblasen worden, weil der Vorfall schon zu lange her gewesen ist. In den letzten Tagen kam weitere Bewegung in die Sache. Joachim Weigel hatte mit dem Spendengeld den Bau von vier Nistkästen in Auftrag geben können. Die sind nun fertig geworden.

Problem: Insekten fehlen

Der Landschaftspflegeverband, der seinen Sitz in Reichenbach hat, baute die Behausungen und spendierte gleich noch einen zusätzlichen fünften Kasten. Vier der kaputten „Vogelhäuschen“ reparierte der Naturschützer kurz nach dem Vorfall in Eigenregie. „Tatsächlich wurden diese Kästen noch in dieser Saison von drei Kohlmeisen- und einem Blaumeisenpaar zum Brüten angenommen“, freut er sich.

Am Anfang dieser Woche stand die Polizei vor seiner Tür. Mit dabei: Die noch sehr jungen Übeltäter. Kinder hatten die Nistkästen zerstört und das auch zugegeben. „Sie haben sich entschuldigt und versprochen, beim Anbringen der Nistkästen mit zu helfen“, erzählt Joachim Weigel. Die Hilfe will der Reichenbacher auch gerne annehmen.

Denn Nistmöglichkeiten für die Vögel sind dringend notwendig. Im Niederhofpark und in seiner nahen Umgebung sind zahlreiche Vogelarten heimisch. „Die Nachtigall hat gebrütet und zieht dreifachen Nachwuchs auf“, hat der Vogelkundler beobachtet. Mönchsgrasmücke, Singdrossel und am Haus auf dem Oberen Weg sind die Mauersegler da. Sogar ein Waldkauz kommt jetzt wieder tageweise vorbei. Vor drei bis vier Jahren habe es sogar ein Käuzchenpaar gegeben mit Jungen. Was dagegen fehlt, sind die Insekten.

Joachim Weigel hat auf einem Grünstreifen hinter den Neubauten unter anderem Sonnenblumen als Nahrungsquelle angepflanzt und füttert neuerdings zu. „Bisher war ich kein Freund des Zufütterns im Sommer“, sagt er. Doch die fehlenden Insekten könnten den Vogelnachwuchs gefährden.

Mit den zusätzlichen Körnchen sollen die Altvögel satt werden, die dann Fliegen, Mücken und Co. komplett an den Nachwuchs abgeben können.

Mehr lokale Artikel:

www.sächsische.de/goerlitz

Mehr zum Thema Görlitz