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Diese Frau kämpft für die Frauen

Frauen sind in Politik und Medien unterrepräsentiert. Romina Stawowy will das mit ihrer Konferenz „femMit“ ändern. 

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Romina Stawowy wagt sich als Konferenzorganisatorin auf neues Terrain.
Romina Stawowy wagt sich als Konferenzorganisatorin auf neues Terrain. © privat

Mit Ausgabe Nummer sieben des Medienmagazins „Funkturm“ hat Romina Stawowy vor einem Jahr einen Nerv getroffen. Den Namen hat sie damals durchgestrichen, „Funkturmin“ daraus gemacht und sich mit der Rolle von Frauen in Medien und Politik auseinandergesetzt. Das Fazit ist eindeutig: Frauen sind in beiden Bereichen deutlich seltener vertreten als Männer. Weil die Resonanz auf das Thema so groß war, organisiert die 36-jährige Chefin der Dresdner Agentur Stawowy nun mit „femMit“ eine Konferenz zum Thema und lockt dabei eine Vielzahl bundesweit erfolgreicher Frauen auf ihr Podium.

Frau Stawowy, in Ihrem Blog schreiben Sie, dass ein Mann Sie für eine Vertragsunterzeichnung mal in seine Badewanne eingeladen hat. Passiert Ihnen so etwas öfter?

Damals habe ich noch im Anzeigenverkauf gearbeitet. Das ist über zehn Jahre her. Solche Momente sind selten, aber es gibt sie immer noch. Ich war mit einer Kollegin zum Beispiel mal bei einem Termin, als der Geschäftspartner zu seinem Kollegen sagte: „Ich habe mir mal zwei Frauen kommen lassen.“ Das ist Sexismus. Damals haben wir einfach mit dem Termin weitergemacht, heute würde ich das so nicht stehen lassen. Wir Frauen nehmen das leider noch viel zu oft einfach hin.

Sie sehen Frauen im Berufsleben als benachteiligt an, weil sie schnell in der Schublade „emotional, sensibel und nicht belastbar“ landen. Warum planen sie eine Konferenz zu dem Thema?

Weil die Zahlen eindeutig zeigen, dass Frauen in Politik und Medien seltener vertreten sind. Für mich die traurigste Zahl sind acht Prozent Bürgermeisterinnen in Deutschland. Das muss sich ändern. Frauen kämpfen gegen die „gläserne Decke“, die ihnen oft den Schritt in Führungspositionen verwehrt. Dort sitzen vor allem Männer. Und wir Menschen neigen dazu, Personen zu fördern, die uns am ähnlichsten sind. Doch es gibt auch jede Menge fähige Frauen. Mit „femMit“ will ich aber keine Jammerveranstaltung darüber machen, wie schlimm alles ist, sondern über mögliche Lösungen sprechen. Bei der Recherche für „Funkturmin“ fiel der Satz: „Frauen brauchen Mut und Vorbilder“. Solche Vorbilder werden auf der „femMit“ sprechen.

Sie konnten viele erfolgreiche Frauen gewinnen, etwa Maria Furtwängler oder Intendantin Karola Wille. Warum sind so wenig Männer dabei?

Ich denke, die Männer befürchten, an den Pranger gestellt zu werden. Vielleicht denken sie auch, es betrifft sie nicht direkt. Bei den Referentinnen haben neun von zehn sofort zugesagt, bei den Männern war es genau andersrum. Es soll nicht darum gehen, Männer zu kritisieren oder ihnen etwas wegzunehmen. Wenn sich etwas verändern soll, kriegen wir das nur gemeinsam hin. Ich habe auch zahlreiche Chefredakteure direkt angemailt und dafür geworben, dass sowohl sie als auch ihre Mitarbeiter an der Konferenz teilnehmen. Antworten bekam ich keine. Umso mehr freue ich mich, dass Ministerpräsident Michael Kretschmer kommt.

Wie viele Männer haben sich denn als Teilnehmer angemeldet?

Bisher zu wenige. Womöglich schreckt der Name „femMit“ ab, weil er nach Feminismus klingt und der Begriff vielleicht etwas gelitten hat. Wir wollen aber miteinander reden. Und meine Erfahrung ist, wenn sich Männer stärker mit den Stereotypen der Frauen beschäftigen, sagen sie: „Ach krass, so habe ich das noch gar nicht gesehen.“ Deshalb sprechen wir über den Umgang mit Rollenbildern und was sich politisch und in den Medien verändern muss.

Warum richten Sie die Konferenz in Leipzig und nicht in Dresden aus?

Die Leipziger MediaCity bietet aus rein organisatorischen Gründen alles, was ich brauche. Außerdem ist Leipzig besser erreichbar. Schon jetzt zeigt sich aber, dass wohl es noch einfacher gewesen wäre, Leute dafür zu gewinnen, wenn ich nach Berlin oder Hamburg gegangen wäre.

Wie viele Zusagen haben Sie denn bereits?

Für mich noch zu wenige. Schön ist, dass die Teilnehmer aus Berlin, Köln, Hamburg, München und sogar aus der Schweiz kommen. Nur etwa zehn Prozent sind aus Sachsen. Aber gut, vielleicht muss auch ich mich mit der Konferenz erst einmal beweisen – vermutlich einmal mehr als ein Mann. Ich werde die Konferenz definitiv wiederholen, dann zum Thema Wirtschaft.

Das Interview führte Juliane Richter.

Die Veranstaltung findet am 12. und 13. April in der media city Leipzig statt. Weitere Informationen unter femmit.de

© Grafik: SZ