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Plötzlich Angler-Coach

Das Hobby zum Beruf machen - ein Traum! Der Dresdner Kay Aubrecht rettet sich so vor den Folgen der Pandemie und startet ein coronasicheres Vater-Sohn-Projekt.

Kein Anglerlatein: Kay Aubrecht und sein Sohn Ben haben schon drei 60 bis 78 Zentimeter lange Zander und sechs ebenso große Hechte gefangen.
Kein Anglerlatein: Kay Aubrecht und sein Sohn Ben haben schon drei 60 bis 78 Zentimeter lange Zander und sechs ebenso große Hechte gefangen. © Christian Juppe

Dresden. Kay macht den Fisch. Nicht ganz freiwillig. Aber im Moment ist das für ihn die beste Lösung. Seit seine Firma, Anbieter von Veranstaltungstechnik, keine nennenswerten Aufträge mehr bekommt, braucht der Unternehmer einen Plan B. Sicher, es kommen wieder bessere Zeiten. Irgendwann wird es die gewohnt großen Firmenfeiern, Konzerte, Ausstellungen, Produktpräsentationen und Messeauftritte geben. Auch die Schlössernacht und das Adventskonzert im Dynamostadion kommen wieder. Dann sind Kay Aubrecht und seine Mitarbeiter gefragt. Doch noch gilt zum Schutz vor Corona das Verbot größerer Menschenaufläufe und die Auftragsbücher bleiben leer.

Im erzwungen ruhigen Fahrwasser hatte der Dresdner viel Zeit - zum Nachdenken, am besten beim Sitzen an der Elbe. Da kam dann beides zusammen, das Grübeln und das Hobby, bis das eine zum anderen sagte: Du kommst mir gerade recht! Warum nicht mit etwas Geld verdienen, was seine große Leidenschaft ist: das Angeln.

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"Einen Fisch zu schlachten, ist nichts für Kinder"

Mit zwölf Jahren hat Kay Aubrecht damit begonnen. Doch später voll im Job, blieb wenig Zeit dafür. "Ich bin zuletzt nur noch vier- bis achtmal im Jahr ans Wasser gekommen. Jetzt angeln wir jede Woche." Wir, damit meint Kay Aubrecht sich und seinen Sohn Ben. Auch er ist ein begeisterter Angler. Ein erfolgreicher überdies. Sein größter Hecht war fast 90 Zentimeter lang. Auch einen immensen Rapfen hat er schon aus der Elbe gezogen. Für seinen Vater ist der 14-Jährige inzwischen ein richtiger Partner geworden.

Die beiden bilden seit Neustem das Team "Aubis Fishing". Unter dem Namen haben sie eine Anglerschule fürs Praktische gegründet. "Wer einen Fischereischein erwirbt, was in Sachsen zum Angeln in den Binnengewässern unbedingt nötig ist, hat zwar 30 Stunden Unterricht zu absolvieren, aber der ist rein theoretisch", sagt Kay Aubrecht.  Einen guten Angler macht jedoch erst Übung, ebenso wie ein gewisses Talent, Geduld und die richtige Anglerausrüstung. "Nichts ist frustrierender, als mit einem nagelneuen Anglerschein loszuziehen und ohne Fisch nach Hause zu kommen. Bei uns gibt es die praktischen Tipps." 

Der 14-jährige Ben mit einem stattlichen Rapfen aus der Elbe.
Der 14-jährige Ben mit einem stattlichen Rapfen aus der Elbe. © PR / Aubis Fishing

Die vermitteln auch Angelvereine. Doch dafür muss man Mitglied sein, um von den erfahrenen Anglern dort zu lernen. Wer nur ab und zu oder im Urlaub angeln möchte, tritt nicht gleich in einen Verein ein. Der braucht einen guten Coach. Freunde und Bekannte hat Kay schon häufig in die Geheimnisse des Angelns mit Fang eingeweiht. Jetzt bietet er zusammen mit Ben Anfängerkurse an, in denen Angler in Spe drei Stunden lang die Grundlagen vermittelt bekommen und testen können, ob die Neugier wirklich zum Hobby taugt. Für die Einsteigerkurse werfen die Teilnehmer unter Kays Anleitung ihre Angeln in einer Fischereiwirtschaft aus. Dafür braucht man keinen Fischereischein. 

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

Mit Fortgeschrittenen gehen er und Ben auf Angeltour, um an verschiedenen Gewässern Erfahrungen zu sammeln, die besten Fanggebiete kennenzulernen oder sich auf das Angeln von Fried-und Raubfischen zu spezialisieren. Die Touren führen die Elbe entlang, zum Lausitzer Seenland, in die Sächsische Schweiz und zu sächsischen Talsperren.

Eine gewisse Angst vor dem ersten Fisch kann selbst der Kenner Kay Aubrecht nachvollziehen. Schließlich muss der Fang ja auch getötet werden. "Einen Fisch zu schlachten ist nichts für Kinder", sagt er. Deshalb übernimmt er diese Aufgabe, auch wenn Ben mal wieder einen respektablen Barsch, Zander oder Hecht gefangen hat. Sie alle sind in der Elbe zu finden. Außerdem Bleie, Karpfen, Welse, Weißfische und hin und wieder sogar ein Aal.  

"Wir sind keine Schönwetterangler"

Als echte Kochtopfangler bezeichnet Kay Aubrecht sich und seinen Sohn. Was geangelt wird, kommt in aller Regel auf den Tisch, und wenn ein bestimmtes Mahl geplant ist, dann sehen es die beiden auf einen ganz bestimmten Fisch ab. So wie jüngst. "Da sollte es Zander geben, den angelt man am besten bei Vollmond." Richtig erklären kann Kay den Grund dafür nicht, doch als Anglerlatein lässt es sich auch nicht abtun. "Zander beißen wirklich bei Vollmond besonders gut."

Ansonsten aber verzichten Vater und Sohn lieber auf nächtliche Angeltouren. Das sei zu gefährlich. All zu leicht könne man abrutschen und ins Wasser fallen. Das Wetter wiederum ist ihnen egal. Nieselregen wie am Mittwochmorgen mögen sie sehr. "Wir sind keine Schönwetterangler!"

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Die Ruhe in der Natur auf der einen Seite, das Adrenalin auf der anderen Seite, machen für die "Aubis" das Fishing zu einem Sport, den sie nicht mehr missen wollen - ob an fließenden oder stehenden Gewässern, vom Ufer oder vom Boot aus. "Eine Angeltour in Holland wäre mein Traum", sagt Ben. Ein wenig wird sie noch warten müssen. Schließlich haben die Gründer viel zu tun. Ihre Angeltouren sind entworfen, eine Website mit viel Wissenswertem rund ums Angeln steht online, Gutscheine werden folgen - und erste lernwillige Angelfreunde haben sie schon am Haken. 

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