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Wer war noch mal Helmut Schön?

Als Bundestrainer wurde er 1974 Weltmeister und jetzt in die Ruhmeshalle des deutschen Fußballs aufgenommen. Doch seine Wurzeln liegen in Dresden.

Als der "Mann mit der Mütze" wird Helmut Schön bekannt, und als der Bundestrainer seinen Hut nimmt, singt ihm Udo Jürgens ein Lied.
Als der "Mann mit der Mütze" wird Helmut Schön bekannt, und als der Bundestrainer seinen Hut nimmt, singt ihm Udo Jürgens ein Lied. © Archivfoto: Picture Alliance

Matthias Sammer war schon drin, Hans-Jürgen "Dixie" Dörner ist es seit Freitag auch: Zwei Dresdner in der "Hall of Fame" des deutschen Fußballs? Es sind sogar drei, denn auch Helmut Schön ist hier geboren, aufgewachsen, feierte mit dem DSC je zwei Meistertitel und Pokalsiege. 1950 verließ er seine Heimat - unfreiwillig. Für die Ruhmeshalle auserwählt wurde er für seine Erfolge als Bundestrainer, unter anderem den WM-Titel 1974.

Doch war war eigentlich Helmut Schön? Ein Porträt.

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Verloren hat er öfter, das gehört dazu . Aber diese Niederlage tat ihm besonders weh. Ausgerechnet gegen die DDR, ausgerechnet in diesem Spiel "Wir gegen uns"! Eine Blamage, ein Desaster, das Fußballvolk vereint in der Depression. So sehr sich mancher Fan im Osten freute, es denen da drüben mal gezeigt zu haben, hielten doch auch hier die meisten auf Deutschland, also auf den Westen, bei dieser Weltmeisterschaft 1974 im geteilten Land.

Hohn und Spott konnte er vertragen, die Medienschelte musste er über sich ergehen lassen. Aber für Helmut Schön, den gebürtigen Dresdner, den Republikflüchtling, bedeutete dieses 0:1 am 22. Juni 1974 in Hamburg mehr. In seinen Memoiren "Fußball" erinnerte er sich an seine Gedanken vor diesem Klassenkampf auf dem Fußballplatz: "Ich wollte gewinnen, ganz egal, was danach kam. Es wäre für mich persönlich peinlich gewesen zu verlieren."

Doch in dem wohl bittersten Moment seiner Karriere zeigte der "Lange", wie er wegen seiner 1,86 Meter genannt wird, seine Größe. An diese kleine, feine Geste erinnert sich Hans-Jürgen Kreische, Dynamos Torschützenkönig der 1970er-Jahre, der für die Nationalmannschaft der DDR aufgelaufen war: "Er kam zu uns in die Kabine, um uns zu gratulieren." 

Die begleitenden Genossen, die den Spielern jeglichen Westkontakt abseits des Rasens verboten hatten, bekamen von Schöns Besuch nichts mit, wie Kreische erzählt: "Die schwebten in ihrer Glückseligkeit, merkten nicht mal, dass wir mit den westdeutschen Spielern die Trikots tauschten. Wahrscheinlich hatten sie in ihrer Dummheit befürchtet, wir würden die Bude vollkriegen, und waren erleichtert."

Kreische tauschte mit Bernd Cullmann und wet tete danach mit Bundesfinanzminister Hans Apel, der im Flugzeug zufällig neben ihm saß: Die bundesdeutsche Mannschaft wird trotzdem Weltmeister. Der SPD-Politiker schüttelte den Kopf und versprach im Falle des Falles eine Kiste Whisky. Die schickte er dann tatsächlich nach Dresden.

Hans Kreische (r.) mit seinem Sohn Hans-Jürgen 1958. Die Familie war mit Helmut Schön befreundet.
Hans Kreische (r.) mit seinem Sohn Hans-Jürgen 1958. Die Familie war mit Helmut Schön befreundet. © privat

"Ein sehr angenehmer, fairer Mensch"

Für Schön besiegelte der 2:1-Sieg im Endspiel gegen die Niederlande den größten Triumph seiner Ära als Bundestrainer, die bis heute die erfolgreichste ist. Er hat geschafft, was Joachim Löw noch anstrebt, nämlich Welt- und Europameister zu werden. Schön starb 1996 an den Folgen von Alzheimer.

"Helmut Schön war ein sehr angenehmer, fairer Mensch", sagt Kreische. Der 68-Jährige war von seiner Geburt an mit Schön in Kontakt, denn als Hansi im Juli 1947 in Dresden zur Welt kam, hatte Schön dessen Vater Hans in die Klinik gefahren. Die beiden waren Mannschaftskameraden bei der SG Friedrichstadt, dem Nachfolgeverein des Dresdner SC. Als Knabe hatte Hans Kreische die Asse des DSC bewundert: Richard Hofmann, Helmut Pohl und eben Schön. "Der setzte platzierte Kopfbälle, und zwar nicht nur aus drei, vier Metern, sondern aus 15, 16", sagte er im letzten Interview mit der Sächsischen Zeitung vor seinem Tod 2003.

Nach dem Krieg spielte Kreische senior für Lockwitz und in Seidnitz - und einmal gegen die Friedrichstädter. "Da kam der ,Lange‘ zu mir und meinte: Du gehörst doch zu uns!" Der Spruch, elf Freunde müsst ihr sein, habe ihnen wirklich etwas bedeutet, meinte Hans Kreische. "Ich hatte eine Stelle in der Likörfabrik Bramsch bekommen, und wenn ich ein Fläschchen mitbrachte, haben wir das nach dem Training an der Yenidze getrunken und uns gesagt: Sonntag alles geben, damit wir gewinnen." 

Doch die entscheidende Partie um die erste DDR-Meisterschaft im April 1950 gegen ZSG Horch Zwickau verlor Friedrichstadt klar mit 1:5 - vor mehr als 60.000 Zuschauern im überfüllten Heinz-Steyer-Stadion. Es war ein abgekartetes Spiel. Der Schiedsrichter tolerierte das überharte Einsteigen der Zwickauer, drei Friedrichstädter mussten verletzt vom Platz. Weil Auswechseln noch nicht erlaubt war, spielten sie mehr als eine halbe Stunde zu acht.

Der Ärger saß tief, und als Staats- und Parteichef Walter Ulbricht anschließend beim Bankett den verdienten Sieg für den Arbeitersportverein lobpreiste, ging "ein Ruck durch die Truppe", berichtete Hans Kreische. "Wir sind einfach aufgestanden und gegangen, haben lieber mit den Fans im Casino gefeiert. Das war wohl der Genickbruch, Friedrichstadt musste weg."

Zwei gute Freunde: Nach dem Krieg spielt "der Lange" mit Hans Kreische (r.) beim DSC-Nachfolger SG Friedrichstadt - bis zur Flucht 1950. 
Zwei gute Freunde: Nach dem Krieg spielt "der Lange" mit Hans Kreische (r.) beim DSC-Nachfolger SG Friedrichstadt - bis zur Flucht 1950.  © Privatarchiv Kreische

Flucht in den Westen zu Pfingsten

Der bürgerliche Klub mit dem Nazi-Image wurde aufgelöst, die meisten Spieler gingen in den Westen. Schön machte als Erster rüber. Nach dem Skandalspiel musste er in Berlin antanzen, fürchtete, kalt gestellt zu werden. "Ich stand wie vor einem Tribunal", schrieb er in seinen Erinnerungen. Ihm blieb nicht viel Zeit. Zu Pfingsten feierte die DDR in der Hauptstadt das Treffen der Weltjugend, so lange würde sich keiner um ihn kümmern. Schön organisierte eine Spedition, die seine Möbel nach Ostberlin schaffte, und eine, die sie von dort in den Westteil der Stadt brachte.

Mit Frau Annelies und Sohn Stephan fuhr er im Opel "Olympia" am frühen Freitagmorgen los, am Wilden Mann machte die Familie halt. "Wir haben noch einmal auf unsere Stadt geschaut. Es war ein Blick zurück in Wehmut. Viel gesehen haben wir nicht, weil wir weinen mussten", erinnerte sich Schön an den Abschied. 

Die Flucht drohte zu scheitern, als ihn die Wachposten in Dreilinden nicht über die an sich noch durchlässige Grenze lassen wollten. Er konnte sie jedoch davon überzeugen, dass er auf kürzestem Wege zur Ostzonenauswahl wolle, die sich in Babelsberg auf ein Spiel vorbereitete. Offiziell war er noch der Trainer. Der Schlagbaum ging auf - und Schön am Tag darauf tatsächlich zum Fußball: zum Pfingstturnier im Olympiastadion.

Das Spiel mit der Lederkugel war von klein auf seine große Leidenschaft, sehr zum Ärger seines Vaters, der eines Tages den roten Drachenteller aus Meissener Porzellan an der Wand vermisste. Fortan kickte Helmut nicht mehr in der Küche, sondern besser auf der Bürgerwiese. "1 Baum + 1 Jacke = ein Tor - das war die Formel." Blieb nur eine Unbekannte: "Was war bei einer Jacke ,Innenpfosten‘?" Schön berichtete von hitzigen Diskussionen. "Manches Spiel musste wegen Handgreiflichkeiten abgebrochen werden."

Ballbesitz war in seiner Kindheit ein besonderer Wert. Wenn er mit seiner "Pille" unterm Arm auftauchte, riefen die anderen: "Dor Meester kommt." Schön wuchs unbeschwert auf, badete in der Elbe. "Das Wasser war noch klar." Und für den kleinen Hunger zwischendurch holte er sich am Express-Automaten in der Prager Straße "für einen Groschen eine halbe Fleischsalat-Semmel".

 Am Bischöflichen St. Benno-Gymnasium bekam er gute Noten, besonders die Sprachen lagen ihm, und während er bereits als Fußballer Karriere machte, absolvierte er eine Lehre zum Bankkaufmann und erhielt eine Stelle in der Exportabteilung der pharmazeutischen Fabrik Madaus in Radebeul. "An Gehalt haben wir vereinbart RM 130.- brutto per Monat." So stand es im Arbeitsvertrag vom Juli 1937.

Wenig später debütierte Schön für die deutsche Nationalelf, erzielte beim 5:0-Sieg gegen Schweden zwei Tore. Auch bei seinem 16. und letzten Länderspiel hieß der Gegner Schweden, die Partie in Stockholm im Oktober 1941 ging 2:4 verloren. Aber nicht wegen des Ergebnisses schwitzte Schön bei der Zollkontrolle in Berlin Tempelhof. Das Pfund Kaffee, das er im Hosenbein schmuggelte, blieb unentdeckt.

Mit dem Dresdner SC war Helmut Schön während des Zweiten Weltkrieges erfolgreich, unter anderem als Pokalsieger 1940. 
Mit dem Dresdner SC war Helmut Schön während des Zweiten Weltkrieges erfolgreich, unter anderem als Pokalsieger 1940.  © Foto: Fußballmuseum Dresden, Jens Genschmar

Der Zweite Weltkrieg begann, aber Schön wurde ausgemustert, offiziell wegen seines operierten Knies. Dem Verein wohlgesonnene Kräfte sollen ihren Einfluss in höchste politische Kreise geltend gemacht haben, um die besten Spieler von der Front fernzuhalten. So konnte Schön "weiter unverdrossen Fußball" spielen, wie er später einräumte. Mit dem Dresdner SC wurde er je zweimal Pokalsieger (1940, 1941) und deutscher Meister (1943, 1944).

Dresdens Oberbürgermeister Hans Nieland lud die Mannschaft zum Essen ins Rathaus: "An Marken bitte ich mitzubringen: 100 gr Fleisch, 100 gr Brot und 20 gr Butter." Und das Stadtoberhaupt kündigte an, die Leistungen durch die Verleihung eines neu geschaffenen Sportringes zu ehren. Durch die kriegsbedingten Verhältnisse sei es bislang jedoch nicht möglich gewesen, diesen herzustellen, hieß es im Schreiben des Vereins vom November 1944.

Die Ehrung blieb aus, die Titel sind umstritten. Schön berichtete von einem Spiel gegen den Stadtrivalen Guts Muths 1944, als von der Gegentribüne plötzlich die Sprechchöre dröhnten: "Schön k.v.! Schön k.v.!" k.v - kriegsverwendungsfähig. "Ich hatte nicht das Zeug zum Helden und damit auch nicht zum ,Heldentod‘, wie man das Sterben damals nannte", schrieb Schön in seinen Erinnerungen. 

Im Oktober 1944 musste er doch noch zur Truppe, aber nur für drei Wochen. "Ehe ich das Gewehr schultern konnte, ließen sie mich wieder laufen." Die Madaus-Fabrik, ein kriegswichtiger Betrieb, erwirkte seine Freistellung. Die Bombennacht des 13. Februar 1945 erlebte er als Luftschutzleiter in der Firma in Radebeul; seine Familie überlebte.

Schön schrieb über sich selbst: "Ich war nie jemand, der gegen den Strom geschwommen wäre. Das entspricht einfach nicht meinem Charakter." Mit einer entscheidenden Ausnahme: der Flucht in den Westen. Er stieg als Spielertrainer bei Hertha BSC in Berlin ein, wurde Trainer beim bis 1956 selbstständigen Saarländischen Fußballbund und Assistent von Sepp Herberger bei der deutschen Auswahl.

Nach der Flucht aus Dresden fängt Helmut Schön (r.) bei Hertha BSC in Westberlin an, mit dabei ist auch sein Freund Hans Kreische (2. v. l). 
Nach der Flucht aus Dresden fängt Helmut Schön (r.) bei Hertha BSC in Westberlin an, mit dabei ist auch sein Freund Hans Kreische (2. v. l).  © Foto: Privatarchiv Hans-Jürgen Kreische

Nach acht Jahren übernahm er 1964 die Verantwortung als Bundestrainer und drohte gleich bei seiner ersten Mission zu scheitern. Mal wieder ging es nach Schweden, und nur ein Sieg würde zur Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1966 in England reichen. Einige Wochen vorher rief Schön seinen Kapitän an. Uwe Seeler hatte gerade sein Comeback in der Bundesliga gegeben, was nach einem Achillessehnenriss seinerzeit außergewöhnlich war. "Er fragte mich, ob ich es mir zutrauen würde, im September in der Nationalmannschaft zu spielen", erzählt Seeler. "Ich bat mir drei, vier Tage Bedenkzeit aus, dann sagte ich: Okay! Und er meinte: Dann spielst du auch. Ich war ziemlich baff, das war mutig. Wenn das schiefgegangen wäre, hätten uns die Medien in der Luft zerrissen."

Es geht gut. Seeler erzielt das 2:1-Siegtor. Bei der WM wird die deutsche Elf Vizeweltmeister nach dem Wembley-Tor im Finale gegen England, das natürlich keins war. "Wir waren sprachlos verärgert", beschreibt Seeler die Stimmung in der Kabine nach dem 2:4. Dass Schön als Zauderer galt, kann der Hamburger nicht nachvollziehen. "Wenn es sein musste, hat er nicht lange rumgezappelt, sondern ruckzuck entschieden", meint Seeler. Er bestätigt, was Hans Kreische über Schön erzählte, nämlich dass er gerne Witze hörte und für jeden Spaß zu haben war, auch, wenn mal die anderen auf seine Kosten lachten.

Kumpeltyp und Respektperson. Oder wie es Udo Jürgens in seinem Abschiedslied zum Ende der Ära Schön 1978 sang: "Du warst ein General mit Herz, ein Freund zugleich und Boss." Der 2014 verstorbene Entertainer sagte in einem Interview für das Buch "Der Mann mit der Mütze": "Schön war von außerordentlicher Herzlichkeit und Freundlichkeit, ein weichherziger Mensch." Kritikern galt er als zu sensibel.

Daher rührt die Mär, Schön sei nach der Schlappe gegen die DDR von Franz Beckenbauer entmachtet worden. Schon vor der WM 1974 war der Bundestrainer als Krisenmanager gefragt, weil die Stars mit dem Verband um die Prämie feilschten. Als der Streit eskalierte und die Spieler mit Abreise drohten, fasste Schön einen Entschluss, der - das ist ihm bewusst - "in Deutschland wie eine Bombe eingeschlagen" wäre. Er hätte den 22-Mann-Kader um Beckenbauer, Uli Hoeneß, Wolfgang Overath, Günter Netzer und Gerd Müller nach Hause geschickt und ein neues Team nominiert.

Der "Prämien-Krieg" endete friedlich, aber nach der Blamage gegen die DDR drohte bei der WM im eigenen Land ein Desaster. In der Krisensitzung in der Sportschule Malente soll der Kaiser die nächste Aufstellung diktiert haben, was Beckenbauer selber nie so dargestellt hat und auch Seeler anzweifelt. "Natürlich hat Schön mit seinen wichtigsten Spielern gesprochen, aber nur er traf die Entscheidungen. Das hat es nicht gegeben, dass ein Spieler sagen konnte: Ich spiele lieber mit dem. Das wäre nicht gut gegangen", sagt der Ehrenspielführer der Nationalelf.

Triumphaler Höhepunkt als Bundestrainer: Helmut Schön [l.] hebt Gerd Müller hoch, der das entscheidende 2:1 im Finale gegen die Niederlande erzielt hatte.
Triumphaler Höhepunkt als Bundestrainer: Helmut Schön [l.] hebt Gerd Müller hoch, der das entscheidende 2:1 im Finale gegen die Niederlande erzielt hatte. © Archivfoto: dpa

Beim Bayern-Spiel zu Besuch in Dresden

Schön selber war am wenigsten überrascht von der Spielstärke der Landsleute. Er hatte es kommen sehen, als er im Herbst 1973 in der Heimat war: beim Duell der deutschen Meister im Europapokal, Dynamo gegen den FC Bayern, das 3:3 endete. Nach dem knappen 4:3 im Hinspiel kamen die Bayern gerade so weiter. Hans-Jürgen Kreische war verletzt, fehlte den Dresdnern. Sein Vater durfte nicht ins Stadion, sollte seinen alten Freund nicht etwa auf der Tribüne umarmen können.

Kreische senior war nach dem Ende der SG Friedrichstadt mit in den Westen gegangen, aber vor allem seine Frau in Heidelberg nicht heimisch geworden. Zur Einschulung des Sohnes kehrten sie 1954 nach Hause zurück. Bruder Max blieb drüben, schickte Westpakete. "Das konnte ich alles haarklein in meiner Stasi-Akte nachlesen", sagt Kreische junior. "Es wurde auch registriert, dass wir als Dankeschön einen Dresdner Christstollen schickten." Aus den Unterlagen weiß er auch, dass "Horch und Guck" Bescheid wusste über das heimliche Wiedersehen der alten Freunde in Kreisches Wohnung an der Nürnberger Straße. "Mein Elternhaus wurde beobachtet."

In den DDR-Medien wurde Schöns Dresdner Vergangenheit nicht thematisiert. Das Fachblatt Fußballwoche bezeichnete ihn während der WM 1974 ausschließlich als BRD-Trainer, und auch die Sächsische Zeitung verkniff sich einen Hinweis auf seine Geburtsstadt. Unter der Rubrik "Expertenstimmen" erschien nach dem deutsch-deutschen Prestigeduell lediglich ein Zitat: "Die DDR hat sehr clever und gut gespielt." Ein Satz von Schön wurde nur in der Westpresse gedruckt: "Schade, dass der Treffer nicht wenigstens von einem Dresdner erzielt wurde." Jürgen Sparwasser ist Magdeburger.

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