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Starke Schäden an Dresdner Marienbrücke

An dem traditionsreichen Bauwerk wurden gravierende Mängel festgestellt. Wo dringend gehandelt werden muss.

Knapp 20 Jahre nach der Sanierung gibt es an der Marienbrücke schon wieder erhebliche Schäden. So prägen Risse auf den Geh- und Radwegen sowie auf der Straße das Bild.
Knapp 20 Jahre nach der Sanierung gibt es an der Marienbrücke schon wieder erhebliche Schäden. So prägen Risse auf den Geh- und Radwegen sowie auf der Straße das Bild. © René Meinig

Dresden. Nach sechs Jahren hatten Spezialisten eines Berliner Ingenieurbüros im März bei einer Hauptprüfung erneut die Dresdner Marienbrücke umfassend inspiziert. Jetzt liegt das Ergebnis vor. Der Zustand der Brückengewölbe wird auf der bis 4 reichenden Notenskala mit 3 bewertet. Das steht für einen nicht ausreichenden Zustand des Bauwerks, erklärt das Straßenbauamt. "Die Zustandsnote 3 ergibt sich aus einer Vielzahl von Schäden, die die Dauerhaftigkeit sowie die Verkehrssicherheit beeinträchtigen."

In die Brückengewölbe ist Wasser eingedrungen, was an vielen Stellen sichtbar ist.
In die Brückengewölbe ist Wasser eingedrungen, was an vielen Stellen sichtbar ist. © René Meinig

Als Beispiele für die gravierenden Schäden angeführt werden offene beziehungsweise gerissene Fugen in den Sandsteingewölben, durch eingedrungenes Wasser beschädigte Sandsteinbereiche, was in der Fachsprache als Aussinterungen bezeichnet wird, und Risse in den Konsolen der herausragenden Kragarme. 

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Zwischen den Sandsteinen klaffen offene Fugen.
Zwischen den Sandsteinen klaffen offene Fugen. © René Meinig

Erhebliche Schäden gibt es auch auf der Brücken-Oberseite. Dort sind Fahrbahnübergänge undicht und im Straßen- und Gehbahnbelag haben sich Risse, Blasen und Aufwölbungen gebildet. Zudem klaffen dort gut sichtbar offene Fugen. Außerdem rosten die Geländer. Trotz allem: Die Standsicherheit der Marienbrücke ist noch gegeben. 

Rost prägt das Bild an Geländern.
Rost prägt das Bild an Geländern. © René Meinig

Etwas besser konnte der Zustand der Spannbetonträger für den Geh- und Radweg auf der elbabwärts liegenden Seite bewertet werden. Dieser Teil der Brücke erhielt mit der Note 2 noch eine befriedigende Bewertung. "Das Straßen- und Tiefbauamt prüft jetzt, wie die Mängel behoben werden", erklärt die Stadt.

Nur den verbreiterten, elbabwärts liegenden Teil der Brücke konnten die Prüfer noch mit befriedigend bewerten.
Nur den verbreiterten, elbabwärts liegenden Teil der Brücke konnten die Prüfer noch mit befriedigend bewerten. © René Meinig

Bei der letzten Hauptprüfung 2014 wurde der Zustand der Marienbrücke noch als gut eingeschätzt. Sichtbare Schäden hatte es immer wieder gegeben, weil Autos in Geländer gekracht sind. Deshalb wurde die Überholspur auf der Neustädter Seite in Richtung Altstadt gesperrt.

Auf der stark befahrenen Brücke gibt es in Spitzenzeiten oft lange Staus.
Auf der stark befahrenen Brücke gibt es in Spitzenzeiten oft lange Staus. © René Meinig

Die Marienbrücke ist eine der wichtigsten innerstädtischen Elbquerungen, die seit der Sanierung der Augustusbrücke noch zusätzlich belastet wird. Fuhren schon vorher täglich rund 31.400 Autos täglich darüber, so wird sie seit der Sperrung der Nachbarbrücke mit täglich 1.700 Autos zusätzlich belastet. Das wird auch künftig so bleiben. Denn die Augustusbrücke soll auch nach der für Sommer 2021 geplanten Freigabe bis auf Ausnahmen autofrei bleiben.

Die Marienbrücke war 1852 als kombinierte Eisenbahn- und Straßenbrücke übergeben worden. Sie war die erste Eisenbahnbrücke über die Elbe. Ende des 19. Jahrhunderts behinderten die Züge immer stärker den anderen Verkehr. Deshalb entstand zwischen 1898 und 1901 direkt neben der Straßenbrücke eine viergleisige Eisenbahnbrücke. Umgestaltet wurde in dem Zuge auch der Oberbau der alten Marienbrücke. Ab 1902 rollten auch Straßenbahnen über die elf Meter breite Fahrbahn. Auf beiden Seiten führten jeweils drei Meter breite Fußwege über die Elbe. 

Ein Blick auf die Marienbrücke 1982. Der Zustand wurde zu dieser Zeit von Jahr zu Jahr schlechter.
Ein Blick auf die Marienbrücke 1982. Der Zustand wurde zu dieser Zeit von Jahr zu Jahr schlechter. © Archivfoto: Straßen- und Tiefbauamt Dresden

Wenige Tage vor Kriegsende sprengten die Nazis 1945 einen Pfeiler auf der Neustädter Seite, sodass zwei Bögen einstürzten. Die Schäden wurden zwar bis Ende 1946 wieder behoben. Die beiden Gewölbe stellten die Bauleute in der originalen Bogenform aus Stahlbeton her, die Stirnmauern und Pfeilerköpfe aus Pirnaer Sandstein. Aber für die dringend erforderliche Erneuerung der Abdichtung über die gesamte Brücke fehlten die wirtschaftlichen Möglichkeiten. Zu DDR-Zeiten konnten nur die notwendigsten Arbeiten an dem Bauwerk ausgeführt werden. Gab es 1936 noch weniger als zehn festgestellte Schäden je Bogen, so waren es 1970 etwa 20. 1987 erfassten die Fachleute bereits 100 Schadstellen je Bogen. 

In desolatem Zustand war die Marienbrücke bereits zu DDR-Zeiten, hier ein Bild von 1980. Schlecht stand es auch um den Gleiskörper. Deshalb durften die Bahnen damals nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren.
In desolatem Zustand war die Marienbrücke bereits zu DDR-Zeiten, hier ein Bild von 1980. Schlecht stand es auch um den Gleiskörper. Deshalb durften die Bahnen damals nur noch Schrittgeschwindigkeit fahren. © Archivfoto: Straßen- und Tiefbauamt Dresden

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Nach der Wiedervereinigung war die Marienbrücke umfassend saniert worden. Die Holzpfähle, auf denen die Pfeiler in der Elbe stehen, lagen teilweise frei. Da war die Standsicherheit nicht mehr gegeben. Die Pfeilergründungen der Straßenbrücke wurden zwischen 1994 und 1996 mit Betonpfählen verstärkt. Zwischen 1997 und 1998 ließ die Stadt die Brücke sanieren und verbreitern. Von 1999 bis 2001 folgte die Sandsteinsanierung. Nach knapp 20 Jahren sind die Schäden an der stark befahrenen Brücke schon wieder erheblich.

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