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Wie der DSC den Weg aus der Krise sucht

Dresdens Volleyballerinnen hinken den eigenen Ansprüchen hinterher. Eine Situationsbeschreibung vor dem Ost-Klassiker.

Von Michaela Widder & Alexander Hiller
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Trainer Alexander Waibl redet auf seine Spielerinnen um Kapitän Katharina Schwabe (Nr. 16) ein.
Trainer Alexander Waibl redet auf seine Spielerinnen um Kapitän Katharina Schwabe (Nr. 16) ein. © Ronald Bonß

Es sind schwierige Tage für die Volleyballerinnen des Dresdner SC. Die Mannschaft von Alexander Waibl steckt in einem mentalen Tief, schleppt sich durch die Hauptrunde der Bundesliga. Zuletzt gelangen nur zwei Siege aus fünf Partien – und das gegen Kontrahenten, die sie im Griff haben müssten. Eine Diskussion um den Trainer hat Vorstandschef Jörg Dittrich in einem Gespräch mit der Sächsischen Zeitung strikt ausgeschlossen. 

Am Mittwochabend spielt der DSC beim Titelverteidiger Schwerin und kann zeigen, ob dem Team die zehntägige Spielpause gut bekommen ist. Und das sind die wichtigsten Fragen, die sich jetzt vor dem Ost-Klassiker stellen:

Ist die Partie Schwerin gegen DSC derzeit das brisante Ostduell?

Tabellarisch gesehen – ja. Der Liga-Zweite empfängt den direkten Verfolger. Von den vorherigen elf Vergleichen konnte Schwerin acht für sich entscheiden, der DSC nur drei – zuletzt gelang das am 6. Dezember 2017. Allerdings ist der fünffache deutsche Meister aus Sachsen mit dem Anspruch in die Saison gestartet, den sportlichen Rückstand auf Stuttgart und speziell auf Schwerin zu verkürzen. „Bis kurz vor Weihnachten waren wir in einem Aufholprozess. Dann gab es das Spiel in Stuttgart“, sagt Waibl und meint das deutliche 0:3 beim Pokal-Aus, „seither ist die Mannschaft verunsichert. Der Abstand nach vorn ist danach wieder deutlich größer geworden. In die Favoritenrolle werden wir wohl nicht mehr schlüpfen“, erklärt der Chefcoach.

Was bedeutet die Schwächephase für die Play-offs?

Das Gute ist: Die sportliche Krise muss für die entscheidende Saisonphase nicht viel bedeuten. „Ob wir als Dritter oder Vierter in die Play-offs gehen, ist mir eigentlich egal“, meint Waibl. Nach jetzigem Stand träfe der DSC als Tabellendritter im Viertelfinale auf den -sechsten Suhl. Diese Aufgabe muss der entthronte Pokalsieger lösen – gemessen an seinen Ansprüchen. Und im Halbfinale wartet dann im Normalfall ohnehin ein in dieser Saison übermächtiger Gegner: Stuttgart oder Schwerin.

Wieso hinkt der DSC in dieser Saison seinen Ansprüchen hinterher?

Ein Grund ist der verletzungsbedingte Ausfall von Diagonalangreiferin Piia Korhonen. Die Finnin war in der vergangenen Spielzeit die überragende Punktesammlerin, fiel aber wegen eines komplizierten Bänderrisses im Sprunggelenk vom Saisonstart weg aus. Die 22-Jährige trainiert seit vier Wochen wieder mit der Mannschaft, aber sie braucht noch Zeit, um die Topform des Vorjahres zu erreichen – wenn das diese Saison überhaupt noch gelingen kann. Ersatz konnte der DSC aus finanziellen Gründen nicht verpflichten. Deshalb spielt Nationalspielerin Lena Stigrot, eigentlich Außenangreiferin, seither auf der Diagonalen – anfangs überraschend effektiv, jetzt steckt sie in einem kleinen Formtief. 

Die Schwächephase allein am Fehlen von Korhonen festzumachen, ist zu kurz gedacht. Offenbar ist es dem Klub nur unzureichend gelungen, den Wechsel der emotionalen Führungsperson Myrthe Schoot nach Vilsbiburg mit entsprechenden Typen auszugleichen. Neuzugänge wie Maria Segura, Nikola Radosova oder Amanda Benson spielen gut, wenn auch die Mannschaft ordentlich agiert, Führungs- und Mitreißer-Qualitäten konnte bisher noch keine zeigen.

Und natürlich hatte der DSC auch Lospech – mit dem Duell in Stuttgart gleich in der ersten Runde. Auch im europäischen CEV-Cup bekam der letztjährige deutsche Pokalsieger mit dem italienischen Spitzenteam Busto Arsizio gleich eine Hammeraufgabe vorgesetzt – und scheiterte daran.

Ist damit die Mentalität das eigentliche Problem?

Nur bedingt. Waibl glaubt, dass er die richtigen Charaktere in der Mannschaft hat, die das DSC-Team aus der kritischen Phase führen. Allerdings ist seit dem zeitigen Ausscheiden aus dem Pokal mit der deutlichen Niederlage in Stuttgart das Selbstverständnis der Mannschaft empfindlich gestört. „Anscheinend liegt es uns irgendwie nicht, uns zurückzukämpfen“, sagt Stigrot. Und der Trainer meint: „Es ist auffällig, dass das Selbstvertrauen fehlt und dass sich die Mädels eher von den negativen Sachen in einer Partie runterziehen lassen, als dass sie sich an den guten hochziehen.“

Zudem hat sich die Erkenntnis verfestigt, in dieser Saison noch keine großen Spiele gewonnen zu haben. Sowohl gegen Stuttgart als auch gegen Schwerin setzte es zwei Niederlagen. Dabei hatte Waibl die eigenen Ansprüche vor der Saison selbstbewusst verkündet: „Es ist klar, dass wir deutscher Meister werden und den Pokal wollen.“

Kann es trotzdem noch eine Saison mit einem guten Ende werden?

Ja, aus zwei Gründen: Erstens wäre der DSC mit einer Piia Korhonen in Bestform natürlich stärker und schwerer auszurechnen als bislang. Zweitens steht die direkte Konkurrenz aus Stuttgart und Schwerin unter Doppelbelastung: in der Bundesliga sowie in der Champions League. Sollten beide Teams im Europacup das Viertelfinale erreichen, sind sie bis mindestens Mitte März auch international gefordert. Stuttgart und der SSC bestreiten zudem am 24. Februar das Pokalfinale um die DSC-Nachfolge.

„In den vergangenen sechs Jahren war der dritte Platz das schlechteste Ergebnis. Das droht uns wieder, andere wären darüber froh“, sagt DSC-Volleyballchef Jörg Dittrich. „Klar ist das nicht unser Anspruch, und wir würden daraus Konsequenzen ziehen“, betont der 49-Jährige.