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Dresdner Friseur: Vorkasse bitte

Weil immer mehr Kunden trotz Termin nicht erscheinen, muss Christoph Steinigen von Director's Cut jetzt reagieren. Und auch Gastronomen verlangen Gebühren.

Christoph Steinigen führt seit Jahren seinen Laden in der Neustadt.
Christoph Steinigen führt seit Jahren seinen Laden in der Neustadt. © Christian Juppe

Dresden. Waschen, Schneiden, Föhnen - ein Friseurbesuch wird oft länger im Voraus geplant und dauert auch mal eine Stunde oder zwei. Doch nicht alle Dresdner kommen auch wirklich, wenn sie einen Termin vereinbart haben, sondern lassen ihren Friseur sitzen. Einer von ihnen zieht jetzt die Konsequenzen.

Christoph Steinigen, Chef des Director's Cut in der Neustadt, bittet seine Kunden jetzt zur Vorkasse. Zumindest wenn sie online den Termin buchen. "Ich musste einfach die Daumenschrauben anziehen, da wir noch nie so viele Ausfälle hatten wie aktuell", sagt er. Er wolle seine Kunden nicht verärgern, aber gerade nach den Umsatzausfällen durch die coronabedingte Schließung könne er sich Terminausfälle nicht leisten. "Meist sind es Neukunden, die trotz Termin nicht erscheinen; die Stammkunden kommen", so Steinigen.

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Wer jetzt über die Website bucht, muss direkt per Kreditkarte oder Paypal zahlen. "So wächst die Disziplin der Kunden und ich habe keine No-Shows mehr", sagt er und meint die Umsatzausfälle. Auch bei den anderen Kunden, die per Telefon buchen, gibt es eine Gebühr, wenn der Kunde ohne Absage nicht kommt. 75 Prozent vom Umsatz werden fällig. Wer also einen Haarschnitt oder Färbung für 100 Euro gebucht hat, muss 75 Euro zahlen. "Klar gibt es immer einen Grund, mal absagen zu müssen. Das verstehen wir. Aber dann bitte einfach schnell anrufen und den Termin verschieben", so der Chef. 

Auch Karsten Olzmann von der Erste-Hilfe-Schule, die Erste-Hilfe-Kurse anbietet, kennt das Problem. "Dieses Thema ist bei uns tatsächlich an der Tagesordnung. Fast in jedem Kurs fehlen Teilnehmer, ohne sich in irgendeiner Art abzumelden", sagt er. Vor Kurzem hatte er seit langer Zeit mal wieder einen Kurs, in dem alle da waren. "Da habe ich mich richtig gefreut."

Er habe das einige Zeit beobachtet und dann Teilnahme-Bedingungen eingeführt, die ganz klar regeln, dass ein Nichterscheinen ohne vorherige Abmeldung eine Stornogebühr nach sich zieht. "Aber das schreckt nicht sonderlich ab und wir müssen diesen Stornogebühren dann oft monatelang hinterherrennen", so Olzmann.

Gebühr von 40 bis 50 Euro im Restaurant

Das Problem des Nicht-Erscheinens kennen auch die Dresdner Gastronomen. Viele Wochen hatten sie null Umsatz. Die Lokale waren zu, irgendwann verkauften dann viele ihre Speisen außer Haus. Seit Mai dürfen sie wieder Gäste bewirten. Doch damit taucht ein altbekanntes Problem wieder auf: Kunden reservieren Tische und kommen einfach nicht. 

Ohne Absage. Im Striesener "Restaurant Daniel" von Daniel Fischer kommt es im Schnitt einmal pro Woche vor, dass die Gäste trotz Reservierung nicht erscheinen. Im Durchschnitt büßt er pro Person 50 bis 60 Euro Umsatz ein. "Ich rede es mir dann immer schön und denke, wer nicht den Anstand hat, um abzusagen, hätte eh nur Probleme gemacht", erzählt er. Fischer hat eine Gebühr für die Säumigen eingeführt. "In unseren Geschäftsbedingungen ist eine No-Show-Gebühr von 40 Euro verankert." Er fordere diese jedoch nur bei großen Tischen ein oder wenn Gruppen oder Tagungen spontan mit deutlich weniger Gästen erscheinen.

"Leider macht auch die Zeit nach Corona vor No-Show-Tischen nicht halt", berichtet Nicole Blonkowski vom "Genuss-Atelier" am Waldschlößchen. Das mache ihr sehr zu schaffen. Denn seit der Wiedereröffnung Mitte Mai kann die Gastronomin wegen der Abstandsregelung nicht 100 Prozent ihrer Kapazität ausschöpfen. Die Anfragen seien dennoch da, sodass sie noch häufiger Reservierungen ablehnen und mit Warteliste arbeiten müsse. "Wir rufen die Kunden, vor allem an Tagen mit hoher Auslastung, noch einmal an, um uns die Reservierung und die Personenzahl bestätigen zu lassen", sagt sie. Erreiche sie die Kunden nicht und die Gäste melden sich nicht bis 16 Uhr zurück, gebe sie den Tisch an wartende Gäste weiter.

Auch das Genuss-Atelier hat Gebühren eingeführt. "Wenn die Gäste zugesagt haben und nicht im Restaurant erscheinen, stellen wir den Ausfall mit 50 Euro No-Show-Gebühr pro Kopf in Rechnung." Blonkowskis Wunsch: "Bitte sagt Reservierungen telefonisch ab."

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