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Einbrecher: Dresdner Restaurants im Visier

Gaststätten gehören zu den häufigsten Zielen von Kriminellen: Die Beute ist oft nicht hoch, aber die Schäden sind immens. Wie die Gastronomen nach Schutz suchen.

Mehr als 60 Kneipeneinbrüche hat es dieses Jahr schon in Dresden gegeben.
Mehr als 60 Kneipeneinbrüche hat es dieses Jahr schon in Dresden gegeben. © Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Dresden. Schon wieder ist es passiert. Und dieses Mal haben die Einbrecher richtig Schaden verursacht: In der Nacht zum Montag sind Diebe in das "T1" eingestiegen. Das Bistro im alten Pförtnerhäuschen befindet sich am Eingang zum Kraftwerk Mitte und ist schon häufiger in den Fokus von Kriminellen gerückt. Betreiber René Kuhnt  ist wütend: "Es ist der fünfte Einbruch in vier Jahren." Dieses Mal haben sind die Einbrecher über das große Verkaufsfenster am Wettiner Platz eingestiegen, haben die Scheiben zerschlagen und die Fensterrahmen aufgehebelt. Das Fenster ist denkmalgeschützt, die Reparatur teuer. 

Dabei hatte Kuhnt schon nach dem letzten Einbruch aufgerüstet und am Hintereingang ein schweres Scherengitter für 5.000 Euro installieren lassen. "Dort kommen sie nun nicht mehr rein, also nehmen sie das Verkaufsfenster", sagt Kuhnt. Wieder muss der Gastronom in mehr Sicherheit investieren: Ein Schlosser hat ein Stahlrohr angepasst, dass nach Kneipenschluss hinter das große Fenster gehängt wird. "Ich hoffe, dass die Diebe das von außen sehen, bevor sie die Scheiben einschlagen."

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Seit fünf Jahren betreibt René Kuhnt das Bistro "T1" in der Pförtnerloge am Kraftwerk Mitte. Seitdem wurde fünfmal eingebrochen, zuletzt am vergangenen Wochenende.
Seit fünf Jahren betreibt René Kuhnt das Bistro "T1" in der Pförtnerloge am Kraftwerk Mitte. Seitdem wurde fünfmal eingebrochen, zuletzt am vergangenen Wochenende. © Christian Juppe

Tatsächlich vergehen kaum Wochen, in denen die Dresdner Polizei keinen neuen Einbruch in Gaststätten, Cafés oder Imbisse vermelden muss. Seit Januar tauchten bereits 60 solcher Taten in den Berichten auf, im Juni sind es bisher acht.

Was René Kuhnt jedes Mal stutzig macht, ist das Diebesgut. Wechselgeld aus der Kasse, 150 Euro etwa, und Zigarettenschachteln aus einem Automaten. "Wertvollere Dinge wie Laptop, Handy oder Musikboxen nehmen sie nicht mit." Allerdings hat Kuhnt große LED-Scheinwerfer eingebüßt, die er im Außenbereich an der Kleinkunstbühne aufgestellt hatte. Wert: rund 300 Euro.

Riesige Summen fallen den Tätern dabei selten in die Hände. Nimmt man alle von der Polizei gemeldeten Fälle in diesem Jahr und zählt das gestohlene Bargeld zusammen, kommt man auf etwas mehr als 30.000 Euro. Die größte Bargeld-Beute machten Einbrecher Mitte Februar in der Südvorstadt. Dort fanden sie in einer Gaststätte eine Geldkassette mit rund 4.500 Euro. In Weixdorf verschwanden Unbekannte Ende Mai mit 2.500 Euro aus einer Pizzeria. Darüber hinaus greifen sich die Diebe alles, was wertvoll ist und gehehlt werden kann - Zigaretten, Weinflaschen, Schnaps, Kaffeepäckchen, Kaffeeautomaten, Ipads. Aus einem Restaurant im Hechtviertel ließen sie sogar einen elektronischen Fleischwolf mitgehen. Hinzu kommen die Schäden, die beim Einbruch an Fenster und Türen entstehen.

Überwachungskamera schlug Alarm

Irgendwie schaffen es die Einbrecher immer, unbemerkt über Fenster und Türen in die Lokale zu gelangen. Fast immer. Erst am 2. Juni wurde nachts in das Lokal Wenzel Prager Bierstuben am Dresdner Postplatz eingebrochen. Geschäftsleiter Torsten Röschke wurde 4 Uhr nachts von seinem Handy aus dem Schlaf gerissen, da das mit der Überwachungskamera im Wenzel verknüpft war. "Das war ein komisches Gefühl, wenn man denkt, es könnte das Putzteam sein, aber man blickt dann auf einen fremden Mann."

Er habe laut Angaben von Wenzel-Sprecherin Viktoria Franke sofort die Polizei verständigt. Das Lokal war bei dem Einbruch so stark demoliert worden, dass am Tag nach der Tat ans Öffnen nicht zu denken war, die Schiebetüren zum Gastraum gingen nicht mehr auf, so die Sprecherin. "Wir reden von mindestens 15.000 Euro Sachschaden und einem verschwundenen Tresor - den Rest an Technologie hat der Einbrecher auf seiner Flucht auf der Straße verloren oder weggeschmissen", sagt ihr Geschäftsführer. Inzwischen hat das Lokal wieder geöffnet, die Schiebetür muss aber noch repariert werden. 

Nur wenige Täter werden gefunden

Polizeisprecher Steffen Grohme sieht die vielen Einbrüche, will aber aktuell nicht von einer Häufung sprechen. "Es gibt leider in Lokale oder Bäckereien immer viele Einbrüche, gleich verteilt auf das Jahr." Auch gebe es keine Schwerpunkte in der Stadt. "Naturgemäß gibt es in Neustadt und Altstadt die meisten, da dort einfach die meisten Kneipen sind." Ob es sich dabei um Beschaffunsgkriminalität handelt, könne er nicht sagen. "Es sind oft eher Zufallseinbrüche. Die Diebe steigen ein und nehmen das mit, was sie finden."

Dabei werden sie selbst nur selten gefunden. Die Zahl der Einbrecher, die dieses Jahr auf frischer Tat gestellt wurden, ist an einer Hand abzählbar. Im Januar etwa konnte im Watzke auf der Hauptstraße ein mutmaßlicher Dieb festgenommen werden. Er war gerade in dem Restaurant zugange, als morgens der erste Mitarbeiter kam. Dieser bemerkte, dass mehrere Spinde aufgebrochen waren. Er rief die Polizei. Als die Beamten eintrafen, entdeckten sie den Tatverdächtigen an einer Fluchttür. Er rannte davon und versteckte sich im Gebüsch. Dort klickten die Handschellen. Nur Tage zuvor hatte die Polizei an der Dreikönigskirche einen Mann festgenommen, der dort in eine Gaststätte eingebrochen sein soll. 

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"T1"-Betreiber Kuhnt bleibt auf den Kosten sitzen, denn eine Versicherung übernimmt den Schaden nicht. Die hatte Kuhnt gekündigt: "Bei den ersten Einbrüchen habe ich zwar Geld von der Versicherung bekommen, aber dann passierte das einfach zu oft und ich musste hohe Beiträge zahlen."

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