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Ehrenbürger mit eigener Parkbank

Zwei Tage lang hat Bad Muskau seinen Ex-Bürgermeister Andreas Bänder verabschiedet – mit vielen Überraschungen.

Bürgermeister Andreas Bänder und seine Frau Ursula bei der Kutschfahrt durch den Fürst-Pückler-Park, wo gleich mehrere Überraschungen und Ehrungen auf den scheidenden Amtschef warteten. Das Ehepaar ist seit 47 Jahren verheiratet und hat zwei Söhne.
Bürgermeister Andreas Bänder und seine Frau Ursula bei der Kutschfahrt durch den Fürst-Pückler-Park, wo gleich mehrere Überraschungen und Ehrungen auf den scheidenden Amtschef warteten. Das Ehepaar ist seit 47 Jahren verheiratet und hat zwei Söhne. © Foto: Sabine Larbig

Von Sabine Larbig

Bad Muskau. Am Mittwoch war die letzte Stadtratssitzung, die Andreas Bänder als Stadtchef von Bad Muskau leitete. Die Sitzung war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Zum einen, da rund 40 Bürger gekommen waren, um das heute aus dem Amt scheidende Stadtoberhaupt noch einmal zu erleben oder Anfragen stellen zu können. Zum anderen war es die 195. Stadtratssitzung unter Leitung von Andreas Bänder.

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Dass er in dieser Sitzung die höchste Würde für einen Einwohner einer Stadt erfahren sollte, ahnte er zu Sitzungsbeginn jedoch nicht. Doch kurz nach dem Einstieg in die offizielle Tagesordnung stellte Stadtrat Thomas Baum (SPD) – zur Verwunderung des Stadtchefs – im Namen aller Stadtratsfraktionen den Antrag, die Sitzung zu unterbrechen und das Wort an Regina Barufke, Vorsitzende des Freundeskreises Historica Bad Muskau e.V., zu übergeben.

Ehrung als Anerkennung der Arbeit

„Ich habe heute eine Aufgabe, die mich mit Stolz erfüllt. Denn ich darf Ihnen, Herr Bänder, mitteilen, dass der Stadtrat mit seinem nichtöffentlichen Beschluss vom 17. Juli 2019 festlegte, Ihnen das Ehrenbürgerrecht der Stadt Bad Muskau zu verleihen“, so Barufke, deren erste Sätze ihrer anschließenden Rede im lauten und anhaltenden Beifall der Anwesenden untergingen. Wie Regina Barufke erwähnte, seien bis heute 55 Bürgermeister der Stadt urkundlich nachzuweisen, von denen nur einer länger im Amt als Andreas Bänder gewesen sei. „Doch vom Durchhalten allein wird man nicht Ehrenbürger“, so Barufke.

In ihrer Ansprache zählte sie daher viele Probleme auf, die Andreas Bänder und die Stadträte aus fünf Legislaturperioden lösten. Vom Aufarbeiten von Altlasten wie der gescheiterten Kurortentwicklung oder der Tatsache, dass das Kulturhaus Lindenhof auf fremdem Grund und Boden errichtet wurde, war ebenso die Rede wie von der schwierigen Entscheidung der Mittelschulschließung und der gescheiterten Fusion mit Krauschwitz. Und die Rednerin zählte viel Positives auf, was in Bänders Amtszeit gelang. Genannt wurden der Neubau der Grundschule mit Umzug der Bibliothek ins Gebäude, die Übernahme und der Neubau der Kita – wodurch die Stadt jedoch ihre Schulden verdoppelte und 40 Mitarbeiter mehr hatte –, die Umgestaltung von Eisenbahnbrücke, Markt, Maßmann- und Hermannplatz oder die Sanierung des Rathauses, wofür Bürgermeister Bänder zum 60. Geburtstag die Anschubfinanzierung sammelte. Als weitere Beispiele des Erfolgs nannte Barufke unter anderem, dass der engen Zusammenarbeit des Bürgermeisters mit der Stiftung der Wiederaufbau und die Sanierung von Englischer Brücke, Schlossgärtnerei oder Kavaliershaus zu verdanken seien. „Dafür beantragte die Stadt die Fördermittel und verwaltete sie. Eine Riesenaufgabe für die kleine Verwaltung.“

Nach der Übergabe der Ehrenurkunde zur Verleihung des Ehrenbürgerrechts erklärte Andreas Bänder: „Sie sehen mich fast wortlos und sprachlos. Ich sah meine Arbeit immer als Arbeit für die Stadt und ich hätte mir nie träumen lassen, einmal Ehrenbürger meiner Heimatstadt zu sein. Das muss ich erst verdauen“, erklärte er bewegt, bevor er zur Tagesordnung überging.

Großer Bahnhof zur Abschiedsfeier

Einen Tag zuvor hatte der Bürgermeister seine Mitarbeiter zur Abschiedsfeier geladen. Die überraschten den scheidenden Chef noch davor mit einem Abschiedsprogramm, an dem sich Grundschule, Pückler-Stiftung, Familie, Freunde, Bekannte, langjährige Weggefährten, Landrat Bernd Lange, Parkdirektor Cord Panning, Pfarrerin Miriam Arndt und Piotr Kuliniak, Bürgermeister der polnischen Nachbarstadt Leknica, beteiligten. Neben einem Programm der Grundschüler, vielen Lobes- und Dankesreden und der Pflanzung eines drei Meter großen Lindenbaums gab es eine Park-Kutschfahrt für das Ehepaar Bänder.

Dabei wurde eine von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung und der Stiftung gewidmete Parkbank für Andreas Bänder, die nur wenige Meter von seinem Wohnhaus entfernt steht, eingeweiht. „Hier kann ich mit meinem Hund Shadow beim Parkspaziergang eine Rast einlegen“, scherzte Bänder beim Probesitzen mit Ehefrau Ursula. Nach dem Ex-Bürgermeister benannt wurde zudem eine Wegkreuzung im Park, nahe der Alten Brauerei.

Fördergeld für Brauerei-Sanierung

Im Park offiziell an den Noch-Bürgermeister übergeben wurde ebenfalls ein Fördermittelbescheid über 5,77 Millionen Euro aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“, überbracht durch Marco Wanderwitz, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium. Mit dem Geld wird die Wiederherstellung und Nutzung von Niederländischer Hof/Alte Brauerei gefördert. „Es ist ein famoses Kunststück, ohne eigenes Geld in der Tasche solch große Projekte umsetzen und so die Stadt schöner machen zu können. Das ist vor allem ihrem Engagement und den Netzwerken zu verdanken“, lobte Cord Panning. „Ich hoffe, sie bleiben in der Stadt aktiv und grillen bei Festen als Mitglied im Förderverein des Parks noch manche Bürgermeister-a. D.-Bratwurst.“ Andreas Bänders Kommentar nach zwei Tagen Ehrungen: „Ich bin überwältigt, aber ich frage mich, ob mir so viel Ehre gebührt?“

Zur Ehrenbürgerschaft-Urkunde gab es noch eine personalisierte Sonderausgabe vom „Muskauer Anzeiger“.
Zur Ehrenbürgerschaft-Urkunde gab es noch eine personalisierte Sonderausgabe vom „Muskauer Anzeiger“. © Foto: Sabine Larbig
Im Park, gleich neben dem Eingangstor an der Tourist-Information, steht nun eine Andreas-Bänder-Sitzbank.
Im Park, gleich neben dem Eingangstor an der Tourist-Information, steht nun eine Andreas-Bänder-Sitzbank. © Foto: Sabine Larbig
© Foto: Sabine Larbig

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