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Eiermann setzt auf Selbstbedienung

Gunar Paul hat in seiner Garage in Gebersbach einen Eierautomaten aufgestellt. Dabei hatte er mit dem Geschäft schon abgeschlossen.

Gunar Paul aus Gebersbach hat einen Eierautomaten aufgestellt. Der wird von den Kunden rege genutzt.
Gunar Paul aus Gebersbach hat einen Eierautomaten aufgestellt. Der wird von den Kunden rege genutzt. © Dietmar Thomas

Waldheim. Der Aufsteller mit dem Hinweis „Täglich frische Eier“ steht vor einer unscheinbaren Garage an der Unteren Talstraße in Gebersbach. Doch handelt es sich dabei nicht um eine Verkaufsstelle mit Personal hinterm Tresen. Vielmehr ist darin ein Eierautomat aufgestellt.

Für Gunar Paul ist eine ideale Ergänzung zum Hofladen des Geflügelhofs, den er in Waldheim betreibt. „Die Nachfrage ist einfach da“, sagt er. Es sei aber nicht möglich, jemanden den ganzen Tag in den Laden zu stellen. Durch seine Arbeit komme er viel herum. 

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„Bei einer Milchtankstelle habe ich einen solchen Automaten gesehen. Ich habe den Besitzer gefragt, wie man dazu kommt, und nun ebenfalls einen Eierautomaten aufgestellt“, sagt Paul. Einen Tag vor Himmelfahrt habe er den Automaten aufgefüllt und seitdem werde der rege genutzt. „Gerade der Feiertag war gut für die Werbung, weil da viele Wanderer hier vorbeigekommen sind“, so der Gebersbacher.

Auf dem eigenen Grundstück hält er 30 Freilandhühner. Mit deren Eiern werde der Automat bestückt. Für eine Zehnerpackung sind zwei Euro zu bezahlen. „Wir sind positiv überrascht. Selbst aus dem Dorf kommen die Leute und holen sich Eier“, so Paul.

 Doch nicht nur das Produkt der Hühner ist in dem Gerät zu finden. Es gibt auch Nudeln und sogar Eierlikör. Und auch wer schon seinen Weihnachtsbraten bestellen will, kann das tun. Auf einem Schränkchen neben dem Automaten liegt ein Bestellbuch. 50 Gänse und 200 Enten habe er aus einer Brüterei in Schwerin geholt, sagt Paul.

„Wir haben die ganze Zeit schon Eier hier verkauft“, so Gunar Paul. Meist haben die Leute angerufen oder per Mobiltelefon eine Nachricht geschickt. Das wurde immer mehr. Auch deshalb sei der Automat aufgestellt worden. 60 Packungen mit Eiern fasst der Automat. Die Temperatur ist mit etwa 14 Grad eingestellt. „Eier sind bei Zimmertemperatur 21 Tage haltbar, sagt die Hygiene. Deshalb ist diese Einstellung ausreichend“, so Paul.

Bis zu 3.500 Hühner im Stall

Gunar Paul beschäftigt sich seit 30 Jahren mit Hühnern. Als Lehrling hat er mit 20 Tieren angefangen. Bei 350 Hühnern waren die Garagen und Kohleschuppen des großelterlichen Grundstücks voll. „Ich bekam mit, dass man Hühner mehrerer Altersklassen halten muss, um kontinuierlich Eier anbieten zu können“, so Paul.

 Ein Huhn wird im Paulschen Stall übrigens kaum älter als ein Jahr. In dieser Zeit legen sie die meisten Eier. Danach verkauft Gunar Paul die Tiere an Bauern oder auch an Großabnehmer. Entweder die Tiere gackern auf einem anderen Hof weiter oder enden als Suppenhuhn. Denn einmal im Jahr muss der Stall komplett leer sein. Dann kommt ein Desinfektionsteam zur Reinigung und danach neue Hennen.

Später habe er die Scheune ausgebaut, in die 1.000 Hühner passten. Durch einen Zufall erfuhr Gunar Paul, dass ein Agrarbetrieb einen Stall im Sauergras abzugeben hatte. Zunächst baute er die eine Hälfte aus, dann die andere, hatte 6.000 Legehennen. Er habe in der gesamten Zeit eine sechsstellige Summe investiert. 

Der Hofladen war jeden Tag von 8 bis 12 Uhr geöffnet. Der Betrieb ernährte die ganze Familie. Doch Ostern vor zwei Jahren habe man den Hof geschlossen. „Es wurde einfach zu viel, weil es auch gesundheitliche Probleme gab“, sagt Gunar Paul.

Aber lange hielt es Gunar Paul nicht ohne Hühner aus. Im Oktober 2018 habe er zunächst ohne Wissen seiner Frau wieder angefangen. „Ich habe den Stall getrennt, weil es ja nun nicht mehr so viele Hühner sein sollen“, so Paul. Passten vorher bis zu 3.500 Hühner in einen Stall, beschränkt er sich nun auf 300.

Auch nach der Schließung des Hofes sei er auf den Bauernmärkten gewesen. Dort und auch bei anderen Gelegenheiten haben die Leute gesagt, dass er doch wieder aufmachen solle. Deshalb habe er sich breitschlagen lassen. Doch im Gegensatz zu früher betreibt er die „Eierei“ als Nebengeschäft. Hauptberuflich ist er für eine Chemnitzer Firma als Rehatechniker unterwegs.

Auch wenn sich die Begeisterung seiner Frau in Grenzen hielt, unterstützt sie ihn und steht jeden Sonnabendvormittag im Hofladen des Geflügelhofs in Waldheim.

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