merken
PLUS Meißen

Ein Biotop verschwindet

Seit mehr als 100 Jahren gibt es den Pappmühlenteich. Jetzt ist er ausgetrocknet. Schuld daran ist aber nicht das Wetter.

Helmut Richter und Elke Steinhardt vor dem ausgetrockneten Teich. Seit einigen Monaten fließt hier kein Wasser mehr rein. Ursache sei, dass ein Flutgraben zu tief ausgebaggert wurde.
Helmut Richter und Elke Steinhardt vor dem ausgetrockneten Teich. Seit einigen Monaten fließt hier kein Wasser mehr rein. Ursache sei, dass ein Flutgraben zu tief ausgebaggert wurde. © Jürgen Müller

Stauchitz. Seit 1947 wohnt Heinz-Dieter Steinhardt hier in Stauchitz, und er kennt es gar nicht anders. Vor dem Wohnhaus befindet sich ein Biotop, der Pappmühlenteich. Karpfen tummeln sich hier, der Eisvogel ist zu beobachten, er ist ein Treffpunkt von Reihern, Störchen, Enten. Doch seit einigen Monaten ist der Teich ausgetrocknet. Ist das warme Wetter schuld, der Klimawandel gar? 

Steinhardt verneint energisch, schimpft: „So viel Ärger habe ich mein ganzes Leben noch nicht gehabt. Die Sache bringt mich noch ins Grab. Ich verstehe die Behörden nicht“, sagt der 75-Jährige. Die sind seiner Meinung nach schuld daran, dass der Teich, den es schon seit mehr als 100 Jahren gibt, ausgetrocknet ist. Denn er wurde von einem Flutgraben gespeist. 

Klinik Bavaria Kreischa
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

„Dieser Flutgraben wird regelmäßig gesäubert. Das letzte Mal im Herbst vorigen Jahres wurde der Graben aber so tief ausgehoben, dass das Wasser das Zuflussrohr nicht mehr erreicht. Es liegt jetzt schlicht zu hoch“, sagt der Rentner. Und so kann das Wasser aus dem Flutgraben nicht mehr über das Ziegelgewölbe, das sich unter dem Grundstück der Steinhardts befindet, in den Teich fließen. 

Angeblich wurde der Flutgraben tiefer ausgeschachtet, weil es zuvor Überschwemmungen auf anderen Grundstücken gegeben habe. Steinhardt bestreitet das. Was hingegen funktioniert, ist der Abfluss. Das Wasser des Teiches fließt in den Mühlgraben. Und so ist das Gewässer nun leer.

In ihrer Not haben sich die Steinhardts an die Gemeinde und auch an den früheren Gemeinderat Helmut Richter gewandt. „Es ist ja nicht nur so, dass mit dem Teich ein Biotop zerstört wird. Bei der Sitzung der Feuerwehr wurde gesagt, dass der Teich als Löschwasser-Notreserve dient“, sagt Richter. 

Heiße, lang anhaltende Sommer habe es immer wieder gegeben. „Doch dass der Teich ausgetrocknet war, das gab es bisher noch nie“, so der frühere Lehrer. Heute bliebe selbst bei längerem Starkregen das Zuflussrohr trocken. 

Hinzu käme, dass es am Mühlgraben einst ein provisorisches Wehr gegeben habe, wodurch der Wasserabfluss gestoppt wurde. Dieses Wehr sei auch weg. So könne das Wasser ungehindert abfließen.

Von der Gemeinde habe er bisher keine befriedigende Antwort erhalten, sagt Heinz-Dieter Steinhardt. Es habe stets geheißen, man kümmere sich. „Passiert ist aber bis heute nichts“, sagt der Stauchitzer.

„Es ist eine Vermutung, dass der Flutgraben Hof-Grubnitz durch Unterhaltungsmaßnahmen der Landestalsperrenverwaltung in den letzten 20 Jahren tiefer geworden ist. Nachweisen ließ sich das bis heute nicht“, sagt der Stauchitzer Bauamtsleiter Dirk Zschoke auf Nachfrage der SZ. 

Die Gemeinde Stauchitz bemühe sich seit 2017 um eine dauerhafte und wasserrechtlich korrekte Lösung, um den Graben zur Pappmühle wieder mit Wasser zu versehen. Sobald der Haushaltplan der Gemeinde in Kraft trete, solle ein Ingenieurbüro mit der Planung einer entsprechenden Lösung beauftragt werden.

Der Graben zur Pappmühle befinde sich auf dem Gebiet der Gemeinde Stauchitz und sei ein Gewässer zweiter Ordnung, für das die Gemeinde Stauchitz unterhaltungspflichtig sei. Der Flutgraben liege zum Teil im Gebiet des Kreises Nordsachsen und zum Teil im Gebiet des Kreises Meißen und sei ein Gewässer der ersten Ordnung, für das die Landestalsperrenverwaltung des Freistaates Sachsen verantwortlich sei.

 „Die Grenzlage der Gewässer und die verschiedenen Zuständigkeiten erschweren die Behebung des Problems sehr. Dennoch hoffen wir, dass bis Ende dieses Jahres eine Lösung gefunden ist“, so Zschoke. Wie und von wem das Problem behoben werden soll, sagte er allerdings nicht.

Mehr zum Thema Meißen